Die Weilheimer Tafel feierte zehnjähriges Jubiläum – Frauen der ersten Stunden erzählen aus ihrer ehrenamtlichen Arbeit

"Tafeltag ist ein guter Tag"

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Frauen der ersten Stunde: v.li. Eva-Maria Muche, Veronika Köberlin, Heidrun Knoblauch und Brigitte Jordan.

Weilheim – Wer einen kleinen Geldbeutel hat, darf zu ihnen kommen. Seit zehn Jahren versorgt die Weilheimer Tafel Weilheimer Bürger, die finanziell nicht so gut dastehen. Im Interview mit den Frauen der ersten Stunde kristallisierte sich sehr schnell heraus: „Der Tafeltag ist ein guter Tag.“ Der Kreisbote wollte mehr über die Anfänge der Tafel wissen und traf sich mit Eva-Maria Muche, Veronika Köberlin, Brigitte Jordan und Heidrun Knoblauch zum Interview.

Wie wurde das Zehnjährige gefeiert? 

Jordan: „Wir feierten genau am Gründungstag. Der war am Dienstag, 22. Juli. Alle, die bei der Weilheimer Tafel ehrenamtlich tätig sind, und alle, die einmal mitgeholfen haben, waren dazu eingeladen. Es war ein schönes Fest.“ 

Was bewegt einen mitzumachen? 

Köberlin: „Wir wollen einfach helfen.“ 

Knoblauch: „Wir wollen etwas zurückgeben, denn uns geht es gut. Und das ist jeden Donnerstag richtig schwere körperliche Arbeit.“ 

Wie viele Kunden kommen zur Tafel? Was wird an Ihre Kunden verteilt? 

Köberlin: „Wir versorgen jeden Donnerstag circa 360 Personen und es entsteht hier oft ein sozialer Treff. Unsere Kunden kommen aus allen Schichten und sind jeden Alters.“ 

Knobloch: „Es gibt Schicksale, die kann man oftmals gar nicht fassen.“ 

Muche: „Verteilt werden vor allem frische und haltbare Lebensmittel, Hygieneartikel, Süßigkeiten und ab und zu auch Blumen.“ 

Manche befürchten den Missbrauch durch Menschen, die keine Unterstützung brauchen. Wie kontrollieren Sie das? 

Muche: „Wir schauen sehr genau, wer bei uns als Kunde in Frage kommt. Hierzu müssen die Menschen mit ihren Unterlagen, wie Rentenbescheid oder Harz IV-Bescheinigung, kommen, und wir stellen einen zeitlich befristeten Ausweis aus. Ich denke, man soll darüber nachdenken, wie ein Mensch mit 230 Euro Rente auskommen soll. Hier ist, nach unserer Meinung, die Politik noch mehr gefragt.“ 

Wo können sich bedürftige Menschen melden? 

Muche: „Natürlich jederzeit bei uns unter der Telefonnummer 0881/92779712 oder donnerstags ab 13.30 Uhr während der Lebensmittel-Ausgabe.“ 

Benötigen Sie noch ehrenamtliche Helfer? 

Knoblauch: „Wir freuen uns immer, wenn noch jemand seine Hilfe anbietet. Angefangen bei der Abholung der Waren mit unserem Tafelwagen bis hin zur Ausgabe jeden Donnerstag.“ 

Wie kann man die Weilheimer Tafel unterstützen? 

Muche: „Wir würden uns noch mehr Märkte, Betriebe und Kantinen wünschen, die helfen. Jede finanzielle private Spende hilft, egal ob für unseren Tafelwagen oder mit Vermerk „Für Kauf von Ware“. Gut etabliert haben sich die Pfandrückgabeboxen und Tafeleinkaufstage in den Märkten“. 

Wie haben sich die letzten Jahre in Ihren Augen entwickelt? 

Muche: „Die Entwicklung unserer Organisation war in den vergangenen Jahren stets durch moderates Wachstum gekennzeichnet. Seit 2011 ist die Anzahl der bedürftigen Personen verstärkt gestiegen, 2013 nochmals deutlich aufgrund der neu hinzugekommenen Asylbewerber. Insgesamt verzeichnen wir in den letzten beiden Jahren 30 Prozent mehr Tafel-Kunden.“ 

Was wünschen Sie der Weilheimer Tafel zum Zehnjährigen? 

Knoblauch: „Dass die Menschen unsere Arbeit weiterhin so unterstützen und wir noch lange helfen können.“ 

Muche: „Trotz aller Anstrengungen und Kreativität der 65 rein ehrenamtlichen Mitarbeiter wird es immer schwieriger aufgrund der gestiegenen Bedürftigenzahl unsere Leistungen im bisherigen Maße aufrecht zu erhalten. Aus diesem Grund bitten wir um vermehrte Unterstützung durch Sach- und Geldspenden.“ 

Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen der Weilheimer Tafel noch lange viele enga- gierte Bürger. Das Interview führte Anneliese Reichert-Schwaiger.

Weilheimer Tafel: Gutes tun kann so einfach sein 

Der Grundgedanke der Tafel: Lebensmittel, die nicht mehr für den Verkauf geeignet sind, statt zu entsorgen, bedürftigen Menschen zukommen zu lassen. Der Lieferservice versorgt die Kunden auch daheim. Die Stadt Weilheim initiierte eine KulturTafel mit der Weitergabe von Kinokarten, Ticktes für Theater- und Museumsbesuche, Freikarten für das Kinder-Ferienprogramm und vielem mehr. Etwas Besonderes für die Kunden sind unter anderem Butter, verschiedene Öle und Kaffee. Immer wieder erhalten die Tafel-Mitarbeiter Dankesbriefe von Bedürftigen. Lebensmittelaktionen vor den Märkten mit Einkaufsvorschlägen für Bedürftige werden gut angenommen. Es gilt: Klares Nein für Alkohol und Zigaretten. Der Tafelladen befindet sich im evangelischen Gemeindehaus an der Apostelkirche und ist jeden Donnerstag von 13.30 bis 15 Uhr geöffnet. Infos gibt es unter Tel. 0881-92779712 oder im Internet unter www.weilheimer-tafel.de.

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