Zweite Runde: 

Zeller und Jochner-Weiß in der Stichwahl

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Für die Stichwahl hat es nicht gereicht: Vorne v.li. Susann Enders, Wolfgang Taffertshofer und Karl-Heinz Grehl.

Weilheim/Landkreis – Eine Überraschung am Wahlsonntag lieferte Andrea Jochner-Weiß. Die Stellvertreterin des amtierenden Landrats holte mit 40,5 Prozent weitaus mehr Stimmen als Dr. Friedrich Zeller (26,4) und die weiteren drei Mitbewerber. Wer die nächsten sechs Jahre Chef im Landratsamt Weilheim-Schongau ist, wird die Stichwahl am 30. März zeigen.

Zu weiteren Stichwahlen sind in eineinhalb Wochen die Bürger in Weilheim, Polling, Peißenberg und Schongau aufgerufen, wo kein Bürgermeisterkandidat auf Anhieb die absolute Mehrheit schaffte. Zittern war in Weilheim für Amtsinhaber Markus Loth angesagt, der seinen Sieg nur ganz knapp verpasste und nun im zweiten Durchgang gegen den stimmenmäßig weit abgeschlagenen Stefan Zirngibl (CSU) an- treten wird. Für Schlagzeilen sorgte in Schongau Tobias Kalbitzer („Karl-Heinz Rumgedisse“), er fordert in der Stichwahl Falk Sluytermann von der SPD heraus. Manuela Vanni (Peißenberger Liste) und Hans Streicher (SPD) bleiben in Peißenberg im Rennen, während in Polling Felicitas Betz (WGP) und Gerhard Treiblmair (GWE) weiter um jede Wählerstimme kämpfen. In Penzberg bleibt das Bürgermeisteramt mit Elke Zehetner, die sich gegen ihre CSU- und BfP-Konkurrenten durchsetzte, weiter in SPD-Hand: Wo gibt es noch neue Bürgermeister? In Rottenbuch freute sich Markus Bader (Freie Wählerschaft) über seinen Wahlsieg, in Oberhausen setzte sich Thomas Feistl von der Parteifreien Wählerschaft deutlich gegen Anneliese Reichert-Schwaiger durch, die mit ihrer Liste „Tradition und Fortschritt“ in den Gemeinderat einziehen wird.

Wahlbeteiligung bei 62 Prozent

Auf eine Stichwahl hatte sich Amtsinhaber Dr. Friedrich Zeller im Vorfeld schon eingestellt. Dass ihn die Wähler so hart abstrafen, damit hat er aber nicht gerechnet. Vor allem „das fulminant schlechte Abschneiden in Penzberg“ – (16,9 Prozent) habe ihn betroffen gemacht, wie er am Sonntagabend im Weil­heimer Landratsamt gestand. Nach der Auswertung aller Stimmbezirke entfielen auf die CSU-Kandidatin Andrea Jochner-Weiß 40,5 Prozent, auf Zeller (SPD) 26,4 Prozent, gefolgt von Wolfgang Taffertshofer (BfL 16,7), Susann Enders (Freie Wähler 8,5) und Karl-Heinz Grehl (Grüne 7,9). An der Landratswahl beteiligten sich 62,1 Prozent der insgesamt 104  121 stimmberechtigten Landkreisbürger. 911 Stimmen waren ungültig. 

Karten werden neu gemischt

Als die Zahlen einiger kleinerer Gemeinden eintrafen, war Zellers Ergebnis hinter Jochner-Weiß und Wolfgang Taffertshofer kurzzeitig sogar auf Platz drei zurückgefallen. Den Verkauf des Penzberger Krankenhauses, seine Haltung zur Schließung der Peißenberger Klinik und Zellers abfällige Bemerkungen über Ärzte und Krankenschwestern haben ihm die Wähler wohl nicht verziehen. Dies drückte sich auch im Peißenberger Wahlergebnis aus, wo nur 20,9 Prozent der Wähler für den amtierenden Landrat ihr Kreuzchen setzten. Von seinem Heimatbonus profitieren konnte Zeller dagegen in der Stadt Schongau (57,1). „Die Bürger haben diesmal sehr regional gewählt. Bei der Stichwahl werden die Karten noch einmal neu gemischt“, gab sich Zeller am Wahlsonntag mit Blick auf den 30. März kämpferisch. „Sehr knapp“, meint er, werde es für ihn auf jeden Fall werden und bis dahin wolle er „immer schön locker bleiben“. „Ruhig und tiefenentspannt“, berichtete Zellers strahlende Herausforderin Andrea Jochner-Weiß, habe sie sich am Sonntag auf den Weg in das Weilheimer Landratsamt gemacht, um dort das Wahlergebnis abzuwarten. Dass ihr Traum, „40 Prozent der Stimmen zu holen, wahr geworden ist“, machte die Wielenbacherin glatt für einen Moment sprachlos. In ihrer Heimatgemeinde fuhr Jochner-Weiß mit 60,5 Prozent der Stimmen ihr weitaus bestes Ergebnis ein. In Schongau votierten allerdings nur 22,8 Prozent für die derzeitige Vize- landrätin. Bis zur Stichwahl will Jochner-Weiß „mit großem Schwung weiter machen und möglichst viel Präsenz zeigen“, um viele Bürgerinnen und Bürger zum erneuten Urnengang zu motivieren. Alle fünf Kandidaten bestätigten auf Nachfrage des Kreisboten, dass der Kommunalwahl- kampf von den Parteien fair und sachlich geführt worden sei. Landrat Zeller dankte auch den vielen Wahlhelfern, die oft bis spät in die Nacht mit dem Auszählen der Stimmen und mit Aufräumarbeiten beschäftigt waren.

Aus dem Rennen

Wolfgang Taffertshofer (BfL): „Diese Wahl war stark von ihren Persönlichkeiten geprägt: Fünf Kandidaten, darunter ein amtierender Landrat und eine populäre Stellvertreterin, das war für mich als weiteren Kandidaten von Haus aus schwierig. Wir haben einen sehr intensiven Wahlkampf geführt. Inhaltlich gab es unter allen Bewerbern, die fair miteinander umgegangen sind, eine große Übereinstimmung. Als dritter Sieger die Bronzemedaille geholt, das ist auch nicht schlecht. Ich werde mich auf Kreisebene weiter engagiert einbringen.“ 

Susann Enders (Freie Wähler): „Ja, es hat funktioniert: Mein Ziel war, dass es zu einer Stichwahl kommt. Bei der zweiten Wahl sollen die die Leute dann genau überlegen, wen sie wählen. Nur wer zur Wahl geht, kann mit seiner Stimme im Landkreis etwas bewegen. Wir haben richtig Grund zum Feiern: Die Freien Wähler sind zum ersten Mal im Kreistag vertreten, und ich bin dabei.“ 

Karl-Heinz Grehl (Grüne): „Enttäuscht bin ich schon. Ich hätte mir zehn bis zwölf Prozent gewünscht und neh- me das Ergebnis mit Demut hin. Dieser Wahlkampf mit seinen gefühlt 3 000 Terminen war sehr anstrengend und erforderte großen persönlichen Einsatz. Unsere personellen und finanziellen Möglichkeiten sind ja sehr begrenzt. Wir Grünen sind mit unseren Thesen nicht angekommen. Im Wahlkampf stößt man zwar auf viele wohlwollende Bürger, bei der Wahl entscheiden sie aber wieder anders.“

Stichwahl am 30. März

In einigen Landkreisgemeinden, das steht bereits fest, müssen sich in den nächsten sechs Jahren neue Rathauschefs beweisen. Für jene Landrats- und Bürgermeisterkandidaten, die weiterhin im Rennen bleiben, wird es bei der Stichwahl am 30. März noch einmal richtig spannend. Der endgültige Ausgang dieser Wahlen wird dann wesentlich davon abhängen, ob und welche Wahlempfehlung die bereits ausgeschiedenen Bewerber den Wählern geben werden. Und für diese gilt: Hinterher meckern gilt nicht. Nur wer wählt, kann mitbestimmen!

Maria Hofstetter

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