»Hilf mir, es selbst zu tun«

Zuflucht Oberland: Sprachwerkstatt soll bei Integration helfen

Übungskarten zu Wortarten nach dem Montessori-Prinzip
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Ein klassisches Beispiel für Montessori sind Übungskarten zu Wortarten. Über die Farben der Wäscheklammern können die Frauen auf der Rückseite selbst kontrollieren, ob sie die Wörter richtig zugeordnet haben.
  • Stephanie Novy
    vonStephanie Novy
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Weilheim/Landkreis – Der Verein Zuflucht Oberland hat sich der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund verschrieben – vorrangig geht es allerdings um die Frauen, da diese oft „hinten runterfallen“ würden. Mit welchen Angeboten der Verein bei der Integration helfen möchte und was genau sich hinter der Sprachwerkstatt verbirgt, erklären die erste Vorsitzende Kerstin Hemme und Projektleiterin Claudia Noder.

Die Interkulturelle Kontakt- und Kommunikationsstelle für Frauen, kurz ikoF, bietet Frauen mit Migrationshintergrund die Möglichkeit in Kontakt mit anderen zu treten. Sei es beim Austausch im Rahmen der Frauenlichtblicke, beim miteinander Sporteln im Frauen Fitness Rosenhof oder auch beim gemeinsamen Kochen. Rund 18 Frauen nehmen regelmäßig die Angebote war. Dabei werden auch Ausflüge unternommen. Doch warum hat sich der Verein auf Frauen spezialisiert? Männer würden häufig arbeiten gehen und seien daher bereits mit anderen in Kontakt, sagt Noder. Frauen seien meist für die Kinder und den Haushalt zuständig. Zeit für sich selbst bleibt da wohl oftmals auf der Strecke. Zumal Sprachkurse häufig dann stattfinden würden, wenn gerade die Bring- und Abholzeiten der Schulen beziehungsweise Kitas sind, erklärt Noder das Dilemma.

Dabei ist die Sprache der Schlüssel zur Integration. Das ist längst kein Geheimnis mehr. Wobei die Art und Weise wie Deutsch gelernt wird, entscheidend ist. Vereinsvorsitzende Hemme erzählt, dass die Frauen sich meist nicht hinsetzen würden, um Vokabeln zu lernen. So wie früher in der Schule. „Sie nehmen sich keine Zeit für einen Rückzug.“ Zumal es zuhause auch oft räumlich schwierig sei und da ja auch noch die Kinder sind, die ebenfalls Aufmerksamkeit einfordern. Noder ergänzt, dass zudem in Sprachkursen oft Vokabeln basierend auf der Berufswelt vermittelt werden. Frauen bräuchten jedoch mehr sprachliche Hilfe bei Alltagssituationen.

Und hier kommt die Sprachwerkstatt MonteMigra ins Spiel. Diese ist nach dem Montessori-Prinzip aufgebaut. Das Motto: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Hier geht es nicht ums bloße Vokabeln pauken. Stattdessen setzt Montessori auf ein haptisches Lernen. Für Hemme ein großer Vorteil: „Ich tue etwas mit der Hand und das setzt sich dann leichter im Gehirn nieder.“ Zudem können die Frauen selbst entscheiden, welche Übungen sie machen wollen. Stichwort Freiarbeit. Die Sprachwerkstatt bietet einen ruhigen und geschützten Raum, in dem die Teilnehmerinnen auf eine „vorbereitete Umgebung“ treffen, wie Hemme es formuliert. Die Frauen arbeiten zum Beispiel mit Symbolen für Wortarten oder Karten, mit denen sie Wörter und Sätze legen können. Jede Teilnehmerin kann nach ihrem eigenen Bedarf und ihrem individuellen Sprachniveau lernen. Wie wichtig das ist, erklärt Noder: Die Frauen hätten teils sehr unterschiedliche Sprachkenntnisse. Mit den Montessori-Materialien können sie aber alle gemeinsam lernen – und sich gegenseitig unterstützen. Zudem werde bei der Sprachwerkstatt das Prinzip „Selbsttätigkeit schafft Selbstständigkeit“ angewandt, erklärt Hemme.

Ein endgültiger Starttermin für die Sprachwerkstatt steht noch nicht fest. Frühestens wird es jedoch der 15. Juni sein. Hemme erklärt, dass es letztlich von der Entwicklung des Pandemiegeschehens abhänge. Weitere Infos zu den Angeboten von Zuflucht Oberland und die Kontaktdaten finden sich aber schon jetzt auf www.zuflucht-oberland.de. Zudem gibt es dort auch Auskunft für Menschen, die sich ehrenamtlich bei dem Verein engagieren möchten. Unterstützen können Interessierte die Sprachwerkstatt MonteMigra auch mit einer Spende.

Spendenkonto

VR-Bank Werdenfels e.G.

IBAN: DE 94 7039 0000 0004 556690

Stichwort: MonteMigra

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