Ein Plan B für die Windräder

Zum Projekt auf den Köpfingerwiesen: Photovoltaikfeld statt Windkraft?

Windrad in Fuchstal
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Nabenhöhe auf knapp 150 Meter: Foto vom südlichsten der vier Windräder in Fuchstal, die 2016 in Betrieb gingen.
  • VonJohannes Jais
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Peiting/Rottenbuch/Steingaden – Die Flinte noch nicht ins Korn werfen möchten die Gesellschafter der Bürgerwind Pfaffenwinkel GmbH, was das Projekt auf den Köpfingerwiesen zwischen Kurzenried und Kreut angeht. Dort wollen sie drei Windräder errichten. Freilich gibt es hohe Hürden.

Da ist zum einen das Observatorium auf dem Hohen Peißenberg, das neun Kilometer von dem Feld entfernt ist. Die Windräder auf den Köpfingerwiesen fallen laut Bürgermeister Peter Ostenrieder in den Wetterradar des Observatoriums – erst recht, wenn es aktuelle Modelle mit 165 Meter Nabenhöhe sind und die großen Flügel bis in 240 Meter Höhe reichen.

Dazu gibt Franz Schwaiger von der Pfaffenwinkel Bürgerwind GmbH, der 60 Grundstückseigentümer aus Rottenbuch, Wildsteig, Steingaden und Peiting angehören, diese Erklärung ab: Es sei in der Planung noch immer die Nabenhöhe von 145 Metern und eine maximale Höhe inklusive Rotoren von 210 Metern relevant. Bei den bisherigen Maßen bliebe man knapp unterhalb des Radarfeldes beim Wetterdienst, das bei 1 013 Metern über dem Meeresspiegel ansetze.

„Totgesagte leben länger“, kommentiert Franz Schwaiger Meinungen, dass Anlagen mit der geringeren Höhe wirtschaftlich kaum darstellbar seien und die Anforderungen des Deutschen Wetterdienstes dem Projekt auf den Köpfingerwiesen somit den Todesstoß versetzen würden.

Zum Artenschutz

Zum Artenschutz und vor allem zur ausgeprägten Population des Rotmilans auf der Ostseite des Lechs sagt Schwaiger, dass man da auf neue Erkenntnisse aus dem Vogelmonitoring hoffe, wie es demnächst für drei geplante Windräder im Gemeindewald von Leeder erprobt werde. Die Daten aus einem kamerabasierten Abschaltsystem im Fuchstal könnten beim Stichwort Vogelschutz südwestlich von Peiting durchaus sinnvoll umgesetzt werden, hofft Schwaiger.

Beim Abstand zu den Weilern Kreut und Kurzenried greift nicht die 10 H-Regelung, die von der Bayerischen Staatsregierung 2014 eingeführt wurde. Denn ein Jahr zuvor hatte die Marktgemeinde Peiting für die Köpfingerwiesen einen Teilflächennutzungsplan Windkraft aufgestellt. Der lässt solche Anlagen auch zu, wenn der Abstand zu Kreut im Westen und Kurzenried und Osten nur knapp einen Kilometer beträgt. Viel zu gering scheint freilich der Abstand zum Weltkulturerbe Wieskirche zu sein, der 10,5 Kilometer Luftlinie beträgt. Das Bayerische Wirtschaftsministerium hatte dazu nach einer Anfrage des Abgeordneten Andreas Krahl (Grüne) wissen lassen, dass dazu ein kommunales Denkmalkonzept hilfreich sei. Bislang hat es immer geheißen, dass der Wieskirche der Status als Weltkulturerbe der Unesco aberkannt würde, falls vor dem Rokokojuwel trotz des Höhenzuges östlich von Steingaden die Flügel der Windräder auf den Köpfingerwiesen zu sehen seien.

Schwaiger ruft zur Geduld auf. Die Hoffnung ist, dass es zu einem politischen Umdenken beim Nutzen regenerativer Energien und beim Abbau der Hürden für solche Projekte komme.

Und dennoch gibt es einen Plan B. Gemeint ist damit die Freiflächen-Photovoltaik. Ein ähnliches Beispiel ist hinter Sachsenried beim Weiler Dietlried schon vor einigen Jahren realisiert worden. Allerdings müssten auf den Köpfingerwiesen Solarmodule auf einer großen Fläche aufgeständert werden, um die Menge Strom zu erzeugen, die zum Beispiel eine Windkraftanlage liefert, welche nur knapp einen halben Hektar Fläche benötigt.

Zum Vergleich

Auf einem Hektar könnte über Photovoltaik eine Million Kilowattstunden erzeugt werden, rechneten neulich Bürgermeister Erwin Karg und Ingenieur Robert Sing vom gleichnamigen Planungsbüro in Landsberg vor, als im Fuchstal Mitte Juni die Bestellung von drei weiteren Windrädern beschlossen wurde. Vier stehen schon oberhalb von Leeder im Staatsforst. Sie liefern zusammen 24 Millionen Kilowattstunden pro Jahr.

In Peiting steht seit vielen Jahren ein vergleichsweise kleines Windrad auf dem Bühlach. Es ist bisher das einzige im Landkreis Weilheim-Schongau.

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