Rauf in einem Schritt

Zweitwohnungssteuer in Murnau wird 2022 auf 20 Prozent angehoben

Symbolfoto: Mietvertrag
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Zweitwohnungen in Murnau werden ab 2022 deutlich teurer.

Murnau – Schlüssel rein, Schloss drehen, Türe auf, durchatmen. Für viele Auswärtige bedeutet eine Zweitwohnung in Murnau Abstand vom Alltag, Rast und Ruhe mit See, Markt und Moos. Mehr Moos kostet das Zweitdomizil den Bewohner künftig nun aber. Felix Burger (SPD) hatte einen Antrag auf Erhöhung der Zweitwohnungssteuer gestellt, für diesen der Murnauer Gemeinderat nun mehrheitlich stimmte.

In zwei Schritten hätte man das auch machen können. Hätte. Nun geht es in einem Ruck. Wie Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) in der jüngsten Marktgemeinderatssitzung berichtete, seien im Hauptausschuss verschiedene Varianten diskutiert worden, als es um die Erhöhung der Zweitwohnungssteuer gegangen sei. Eine Variante sah vor, die Steuer bis 2024, wie gehabt, jährlich um ein Prozent zu erhöhen und dann zum Jahr 2025 um sechs Prozent anzuheben. Die Zwei-Schritte-Methode habe jedoch keine Mehrheit im Gremium gefunden. Der Verwaltungsaufwand wäre wegen der jährlichen Steuerbescheide zu hoch gewesen, so Beuting. Die andere Variante, eine Erhöhung auf 20 Prozent zum 1. Januar 2022, und damit in einem Schritt, überzeugte im Hauptausschuss eine knappe Mehrheit. Im Marktgemeinderat votierten 13 Mitglieder dafür, neun dagegen.

Das bedeutet nun: Ab 2022 steigt die Zweitwohnungssteuer auf 20 Prozent. Der Anstieg per se ist dabei nicht das Besondere, sondern eben die Höhe. Denn gemäß der momentan geltenden Satzung über die Erhebung der Zweitwohnungssteuer erfolgt bis 2025 jedes Jahr eine Erhöhung um ein Prozent. Heuer beläuft sich die Zweitwohnungssteuer auf elf Prozent, infolgedessen müsste sie nächstes Jahr zwölf Prozent und nicht, wie nun beschlossen, 20 Prozent betragen. Binnen eines Jahres steigt die Steuer nun also um neun Prozent an.

Wohnraum für die Bürger schaffen

Ein Anstieg, der Burger gefällt. Immerhin hat er den Antrag dazu eingereicht. Auch wenn der SPD-Mann eigentlich eine Erhöhung auf 20 Prozent zum Jahr 2025 vorgeschlagen hatte. „Es ist wirklich schön, dass sich nach all den Jahren der Diskussion nun eine breite Mehrheit für meinen Antrag gefunden hat“, freut sich Burger ein paar Tage nach der Marktgemeinderatssitzung. In seinem Antrag findet sich auch die Motivation für sein Bestreben: „Unser primäres Ziel muss es sein, für unsere arbeitende Bevölkerung Murnaus und unsere Bürgerinnen und Bürger Wohnraum zu schaffen“, schreibt Burger. Als Referent für Soziales und Wohnungswesen bereiten ihm die steigenden Miet- und Kaufpreise für Wohnungen und Häuser in Murnau und der „Druck aus München heraus“ Sorgen. Immer wieder werde er von Murnauern angesprochen, die keine oder keine erschwingliche Wohnung finden.

Als Marktgemeinde müsse man in Zeiten, in denen der Immobilienkauf „für viele schon Utopie“ sei, aktiv werden und Wohnraum schaffen beziehungsweise erhalten. Das sei man zwar in manchen Bereichen schon, etwa im kommunalen Wohnungsbau. Doch bislang hätte die Marktgemeinde den Fokus „viel zu wenig auf die Zweitwohnungssteuer“ gesetzt. Zumindest weniger als andere Gemeinden. Andernorts agiert man scheinbar weniger zaghaft. „Riegsee ist beispielsweise von keiner Steuererhebung auf direkt 20 Prozent gegangen“, sagt Burger. Auch Garmisch-Partenkirchen habe „schon längst auf 20 Prozent erhöht“. Und Burger blickt auch noch über den Landkreis-Tellerrand hinaus, nach Berchtesgaden und an den Tegernsee, wo man die Zweitwohnungssteuer seit Jahren als Hebel nutze, „um den Ansturm aus der Stadt und der ganzen Welt ein bisschen entgegenzuwirken“, so der Gemeinderat.

Burger scheint davon überzeugt zu sein, dass die Erhöhung Einfluss auf die Zweitwohnungsbesitzer haben wird – und zwar nicht nur auf deren Geldbeutel. „Ich habe schon Feedback bekommen, dass einige den Erstwohnsitz nach Murnau verlagern werden und zwei Fälle haben mir angekündigt, ihre Zweitwohnung in Zukunft zu vermieten“, berichtet Burger. Er lächelt: „Das ist ein guter Anfang.“

Von Antonia Reindl

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