Coronavirus-Pandemie

Hamsterkäufe im Supermarkt: Warum Toilettenpapier häufig fehlt

Die Coronavirus-Pandemie treibt viele Menschen zum Hamsterkauf - besonders Toilettenpapier ist betroffen. Warum sind die Klopapier-Regale so oft leer?

  • Die Coronavirus-Pandemie beherrscht Deutschland und treibt viele Menschen zum Hamsterkauf
  • Besonders Klopapier wird offenbar gerne gehamstert - dahinter stecken unter anderem psychologische Gründe
  • Warum die Toilettenpapier-Regale länger leer bleiben - aber doch immer wieder aufgefüllt werden

Die Coronavirus-Pandemie beherrscht das alltägliche Leben in Deutschland, beim Besuch von Supermärkten kann man immer wieder verdächtige Leerstellen entdecken: mal sind die Nudeln beinahe ausverkauft, es gibt Lücken im Konservendosen-Angebot oder beim Mehl. Und vor allem eines ist auffällig: Toilettenpapier scheint sehr begehrt zu sein. Woran liegt es, dass in Zeiten des Coronavirus Sars-CoV-2 plötzlich viele Menschen Klopapier einkaufen und wieso werden die Regale nicht schnell wieder aufgefüllt? Ein Überblick.

Klopapier-Hamsterkäufe: Toilettenpapier wird eigentlich selten gekauft - und deshalb seltener bestellt

Im Gegensatz zu Produkten wie Milch oder auch Nudeln wird Klopapier in der Regel nicht ganz so häufig gekauft, weshalb es von Supermärkten seltener bestellt wird - schließlich will man die Lager nicht voller Toilettenpapier haben, wenn eigentlich andere Produkte nachgefragt werden. Die gesamte Lieferkette ist darauf eingestellt, dass Klopapier nicht so häufig bestellt wird. In der modernen Logistik gehe es darum, dass im Idealfall genau dann der Nachschub angeliefert wird, wenn die letzten Rollen verkauft würden, so ein Sprecher des Logistikverbandes BGL gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland*.

Die Hamsterkäufe durch das Coronavirus hebeln diesen genau getakteten Mechanismus plötzlich aus. Dazu kommen nun auch noch die Grenzschließungen, die zwar den Warenverkehr nicht betreffen sollen, die jedoch noch neu sind und die sich erst einspielen müssen, so dass die Waren pünktlich ans Ziel kommen.

Coronavirus-Pandemie: Versorgung mit Lebensmitteln in Deutschland sichergestellt

Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) erklärt auf Twitter: „Die Händler arbeiten mit ihren Lieferanten unablässig daran, die Lebensmittelversorgung sicherzustellen und die Regale zügig wieder aufzufüllen.“

Der Außenhandelsverband BGA sieht in der Coronavirus-Pandemie eine flächendeckende Versorgung mit Waren in Deutschland sichergestellt. BGA-Sprecher André Schwarz sagte am Montag (16.03.2020) der dpa, zwar sei die Versorgung schwieriger geworden, auch weil Produkte passgenau geliefert werden müssten. Durch Grenzkontrollen könne es zu Verzögerungen kommen. „Es besteht aber kein Grund zur Panik. Die flächendeckende Versorgung mit Waren ist sichergestellt. Die Politik hat bereits gegengesteuert mit der Lockerung des Sonntags-Fahrverbots für Lkw“, so Schwarz weiter.

Hamsterkäufe: Warum Menschen plötzlich massenweise Klopapier kaufen

Psychologen erklären sich das Hamstern von Klopapier unter anderem mit der Spieltheorie: Kauft jeder nur so viel Toilettenpapier, wie er benötigt, gibt es keinen Mangel. Beginnen einige mit Hamsterkäufen, ist die beste Strategie, diesem Beispiel zu folgen - um sicherzustellen, dass das Klopapier im eigenen Badezimmer nicht ausgeht.

Ein anderer Ansatz der Experten: Toilettenpapier sei durch die Bilder in sozialen Medien zu einem „Symbol für Sicherheit“ in den Köpfen der Menschen geworden, sagt Steven Taylor, Professor für Psychiatrie an der Universität von British Columbia in Kanada. Und indem man selbst auch welches kaufe, tue man bewusst etwas - schließlich ist man sonst zum Nichtstun (beziehungsweise Händewaschen und warten) verdammt.

Coronavirus-Pandemie: Was hinter dem Run auf Toilettenpapier steckt

Wirtschaftswissenschaftler sehen das etwas anders: Mit den großen Mengen Toilettenpapier versuchen die Menschen demnach, ein relativ oberflächliches Risiko auszuschließen, statt mehr Geld auszugeben, um ein größeres Risiko zu minimieren. Dieses Phänomen heißt bei Ökonomen „Zero-Risk Bias“, die Neigung zum Nullrisiko.

„Meine Vermutung ist, dass wir das Gefühl von Kontrolle haben wollen und gleichzeitig nur über ein begrenztes Budget verfügen“, sagt Farasat Bokhari, Gesundheitsökonom an der Universität East Anglia in Großbritannien. „Also kaufen wir etwas billiges, das wir gut lagern können und das wir sowieso irgendwann brauchen“, sagt er.

Wer statt Unmengen an Toilettenpapier lieber sinnvolle Dinge kaufen möchte, sollte sich die Liste mit Empfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) anschauen.

Von Tanja Banner, mit Material von dpa und afp

*fr.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Kay Nietfeld/dpa

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