Spiele im Test

Das neue „God of War“ (PS4) im Test: Familienbande

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Während ihrer langen Reise kommen sich Vater Kratos und Sohn Atreus langsam näher.

Vier Spiele lang räumte der wütende Kriegsgott Kratos den Olymp leer. Nun ist er mit seinem Sohn Atreus unterwegs in Midgard. Die nordischen Gottheiten können sich schon mal warm anziehen.

„God of War“ ist - auch wenn man es in den letzten Jahren nicht so recht glauben mochte - eine der wichtigsten Playstation-Marken. Sein Debut gab Kratos dereinst auf der Playstation 2, spätestens mit dem dritten Ableger der Serie, der im Jahr 2010 auf der Playstation 3 erschien, wurde der Spartaner, der auf seinem Rachefeldzug nahezu alle Götter im Olymp nacheinander plattmacht, zum popkulturellen Phänomen.

Mit den Kettenklingen schnetzelte man sich durch Gegnerhorden, die eigentlichen Stars des Spiels waren aber die gigantischen Bosse, denen man den Garaus machen konnte. Pure audiovisuelle Überwältigung. Sonderlich viel geredet wurde nicht, Kratos ließ die Klingen sprechen. Bei „God of War: Ascension“ waren dann schon deutliche Abnutzungserscheinungen am Spielprinzip erkennbar. Der streitbare Spartaner brauchte nach all den Ablegern für die PSP und die Vita, nach etlichen Remastern und Collections dringend eine Pause. Und so wurde es ruhig um Kratos.

Bis er jetzt mit einem Knall zurückkehrte. „God of War“, das dieser Tage auf der PS4 erschienen ist, ist keines der derzeit so modernen Reboots, bei denen die Geschichte einfach noch einmal von vorn erzählt wird - mit moderner Grafik und aufgefrischten Spielmechaniken. Nein, „God of War“, ist eine Fortsetzung, die etliche Jahre nach dem dritten Teil ansetzt. Der sichtlich gealterte Kratos ist nach Midgard gegangen, in die Welt, in der Odin und dessen Sohn Thor herrschen. Inkognito lebt der griechische Kriegsgott hier, hat eine Frau gefunden, einen Sohn gezeugt, aber keinen Frieden gefunden. Sein Sohn, Atreus, kennt den Vater kaum, als seine Mutter stirbt.

Der lange Weg zum Gipfel

Gemeinsam machen die beiden sich auf, um ihrem letzten Wunsch zu entsprechen - ihre Asche auf dem höchsten Berg Midgards zu verstreuen. Das Ziel hat man von Beginn an vor Augen. Allerdings am Anfang der rund 25 bis 30 Spielstunden dauernden Karriere noch keine Ahnung, wie weit, beschwerlich und gefährlich der Weg dorthin sein wird.

Der Beginn des Marschs in Richtung Gipfel ist auch der Auftakt zu einer Familiengeschichte, die zu Herzen geht, ohne dabei auch nur ein einziges Mal peinlich oder platt zu werden. Auf der einen Seite Kratos: mürrisch, zynisch, wortkarg. Gewalt ist für ihn das einzige Mittel, um voranzukommen. Auf der anderen Seite sein zehnjähriger Sohn Atreus: Schlau, wortgewandt, aber auch kränkelnd und nicht nach des Spartaners Geschmack. Beide müssen auf der langen Reise zueinander finden, müssen sich darüber klar werden, dass sie zusammengehören, eine Familie sind. Das wird erzählerisch meisterhaft gelöst. Durch kleine Gesten, freche Bemerkungen, aber auch intensive Streitgespräche. Am Ende lernen beide voneinander, ergänzen sich, werden ein nahezu unschlagbares Vater-Sohn-Gespann. 

Ein Best-of der erfolgreichen Spielmechaniken

Die Charaktere und ihre Interaktion miteinander sind ohne Zweifel das Herzstück einer Geschichte, die ansonsten durchaus solide erzählt ist, aber zwischendurch immer mal wieder ihre Längen hat. Denn die Reise der beiden zum Gipfel läuft alles andere als glatt - immer wieder stehen auch Ausflüge in die anderen Welten des Weltenbaums auf dem Programm, um ein magisches Artefakt zu finden, das uns dem Gipfel näher bringt.

Spielmechanisch hat sich einiges getan bei „God of War“. Schnetzelte man sich früher einfach durch die Gegner und prügelte auf die Bosse ein, spielt sich die Neuauflage wie ein Best-of der erfolgreichsten Spiele der vergangenen Jahre. Man nehme eine große Portion „Uncharted“ und „Tomb Raider“, garniere sie mit dem Rollenspielsystem von „Horizon: Zero Dawn“ und schmecke das Ganze mit einem Kampfsystem ab, das sehr an „Dark Souls“ erinnert - heraus kommt das neue God of War. Natürlich wird hier gekämpft - und das serientypisch auf überaus brutale Art und Weise. 

Immer wieder geht es auch gegen die gigantischen Trolle.


Zwar hat Kratos seine ikonischen Kettenklingen gegen eine magische Axt getauscht, die auch geschleudert werden kann und dann wie bei Thor auf magische Art und Weise per Knopfdruck wieder zu Kratos zurückfliegt, aber der Kampf ist nur noch eines von vielen Spielelementen - und bei weitem nicht das wichtigste. Es wird viel geklettert und sehr viel gerätselt auf dem Weg zu Gipfel, der auch immer eine Jagd nach stetig besserer Ausrüstung ist. Nahezu jede Waffe und jedes Rüstungsteil lässt sich aufrüsten und mit immer mächtigeren Zaubern ausstatten. Übrigens auch die Rüstung und der Bogen von Atreus, der im Kampf eine echte Hilfe ist und - das ist neu - der vielleicht erste computergesteuerte Wegbegleiter ist, der nicht nervt. 

Technisch einfach brillant

Spielerisch ist also alles vom Feinsten, die Geschichte ist auch spannend - was macht die Technik? „God of War“ zeigte schon seit dem ersten Teil der Serie, was technisch auf einer Konsole machbar ist. Da stellt auch der neue Teil natürlich keine Ausnahme dar. „God of War“ reizt die PS4 Pro, auf der getestet wurde, wirklich bis zum Anschlag aus. Animationen, Licht, Texturen - alles ist nah an der technischen Perfektion. Dazu ein wuchtiger, sensationell abgemischter Sound und deutsche Synchronsprecher, die eine ganz hervorragende Arbeit machen. Ein technisches Sahnestückchen.

Fazit

Kratos ist wieder da. Und wie. „God of War“ ist erwachsener geworden. Nicht, weil das Blut wie immer in Strömen fließt, sondern weil zwischendurch die berührende Geschichte von Vater und Sohn erzählt wird, die langsam zusammenfinden. Spielerisch ist das neue „God of War“ deutlich abwechslungsreicher und fordernder als die doch sehr stumpfen Vorgänger, technisch schlichtweg brillant. Wer stundenlange, hochklassige Unterhaltung allein (einen Multiplayer gibt es nicht) sucht, der muss zugreifen. Einer der wenigen Pflichttitel in diesem Jahr für alle PS4-Besitzer, wenn sie denn älter als 18 sind.

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