Österreich schiebt Achtjährige ab

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Die Polizei holte die Familie an ihrem Wohnhaus ab - und nahm sie in Abschiebehaft

Wien - Die Abschiebung von achtjährigen Zwillingen in das Kosovo hat in Österreich scharfe Kritik ausgelöst. Die Mutter ist noch in Österreich und befindet sich in psychiatrischer Behandlung.

Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte, die beiden Mädchen und ihr Vater seien am Donnerstag in Wien an Bord eines Flugzeugs gebracht worden. Kritiker bezeichneten den Schritt als herzlos und unmenschlich. Innenministerin Maria Fekter verteidigte jedoch die Abschiebung und erklärte, sie befolge lediglich das Gesetz. Eine Anwältin hatte bis zuletzt versucht, die Abschiebung noch zu verhindern.

 Es sei "unfassbar, unglaublich und nicht rechtens", wie vorgegangen worden sei, sagte die Rechtsberaterin der betroffenen Familie, Karin Klaric, nach der Abschiebung. Die aggressiven und "bis auf die Zähne bewaffneten"

Unverhältnismäßige Reaktion der Polizei

Der Fall hatte auch deswegen für Aufsehen gesorgt, weil die Polizei am Mittwoch Morgen das Wohnheim der Familie umstellt hatte, um den Vater sowie seine Töchter abzuholen. Die Familie, die seit 2004 in Österreich lebt, sei gut integriert gewesen und habe alle Bedingungen erfüllt, um humanitäres Bleiberecht zu erhalten. Dieses sei jedoch von den Behörden verweigert worden.

Auch der UN- Sonderbeauftragte Manfred Nowak hat scharfe Kritik an den österreichischen Gesetzen, Politikern und der neuerlichen Abschiebung von Kindern in den Kosovo geübt. Das Fremdenrecht sei "menschenunwürdig und teils menschenrechtswidrig", sagte Nowak im ORF. Er appellierte an die Politik, innezuhalten und "nachzudenken" und nicht ständig die Gesetze zu verschärfen, um "xenophoben" Politikern "nach dem Mund zu reden". Im konkreten Fall bemängelte er auch das Vorgehen der Behörden als "nicht verhältnismäßig".

Mutter in schlechter Verfassung

 Die Mutter der beiden achtjährigen Mädchen befindet sich nach wie vor in stationärer psychiatrischer Behandlung. Es sei "nicht fix, wie es mit dem Heilungsprozess aussieht", hieß es. Es sei nicht einmal klar, ob sie überhaupt jemals genesen werde: "Wenn nicht, dann reißt man die Familie dauerhaft auseinander", so Rechtsberaterin Klaric.

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