Ägypten: Die Deutsche Botschaft und der Ausnahmezustand

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Die Unruhen in Kairo und anderen ägyptischen Städten sind heftig und veranlassen Ausländer zur Ausreise. Über die Hilfe der Deutschen Botschaft beklagen sich jedoch viele Deutsche.

Kairo - Es ist eine schwierige Lage für die Botschaft in Kairo. Tausende Deutsche wollen raus aus Ägypten. Es gibt Beschwerden über ein schlechtes Krisenmanagement. Im Auswärtigen Amt ist man verstimmt.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) tritt derzeit mehrmals am Tag vor die Kameras, um sich mit ernster Miene zur Lage in Ägypten zu äußern. Sein Auswärtiges Amt versucht, alles Menschenmögliche gerade auch für die Deutschen am Nil zu tun. Doch einige der mehr als 5000 dauerhaft in der Krisenregion lebenden Deutschen haben andere Erfahrungen gemacht und sprechen von einer “desaströsen Betreuung“ vor der überstürzten Rückkehr in die Heimat.

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Einer von ihnen ist Jan Rohde, der seit sieben Jahren in Kairo lebt und bei einem deutsch-ägyptischen Pharmaunternehmen arbeitet. In einem Brief an den Deutschen Botschafter in Kairo, Michael Bock, lässt der 39-Jährige Dampf ab. “Sie können sich sicherlich vorstellen, dass in einer solchen angespannten Atmosphäre die Nerven blank liegen und es nach Tagen mit wenig oder ohne Schlaf ein solches Krisenmanagement bei Betroffenen nicht zur Beruhigung und Zuversicht beiträgt.“

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Auch die 28 Jahre alte Doktorandin Maria Roeder musste lange am Flughafen ausharren. Während Siemens Mitarbeiter mit einer Maschine ausflog, habe die Botschaft zu spät auf die Lage am kollabierenden Kairoer Flughafen reagiert. Schließlich habe sie mit anderen Deutschen eine Liste mit über 100 Namen angefertigt, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Auffallend sind Berichte, dass sich etwa die Botschaften Österreichs und der Niederlande schneller gekümmert und Botschaftsmitarbeiter am Flughafen Landsleute gesammelt hätten.

Isabel Schumacher (35) verließ vor einer Woche mit ihren Mann und dem 16 Monate alten Sohn fluchtartig die Wohnung in Kairo, weil Plünderungen drohten. Nach einer Nacht im Hotel versuchten sie am Sonntagmorgen in eine Maschine der Egypt Air nach Deutschland zu kommen. Am Flughafen gingen bereits Wasser und Essen zu Neige, der Flug wurde immer wieder verschoben, Airline-Mitarbeiter waren wegen der Unruhen nicht zur Arbeit erschienen. Schumacher wollte die Botschaft fragen, ob es andere Möglichkeiten gebe, um rauszukommen. “Doch bei der Notrufnummer hob niemand ab.“ Letztlich kam die Familie am frühen Montagmorgen per Egypt-Air-Flug in Köln an.

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Chaos, stundenlange Verspätungen und Flugstreichungen hätten dazu geführt, dass er mit 50 anderen Deutschen fast 36 Stunden am Flughafen zubringen musste, berichtet Rohde. Bei der Botschaft sei niemand zu erreichen gewesen, die Nummer der Krisenhotline habe er erst durch Mund-Propaganda erfahren. Die Ratschläge von da seien wenig hilfreich gewesen. “Auf die Idee zum Flughafen zu fahren und mir ein Ticket zu kaufen, bin ich als promovierter Akademiker zum Glück auch gekommen“, schrieb Rohde an Botschafter Bock. Rohde ist inzwischen - wie auch Isabel Schumacher und Maria Roeder -wohlbehalten zurück in Deutschland, seine Frau erwartet ein Kind. Die größte Absurdität seitens der Botschaft sei ein Angebot gewesen, als ein Flug bereits voll war. “Sie boten uns an, im Konvoi zurück in die Stadt zu fahren, zurück also in das Zentrum des Konflikts.“

Auswärtiges Amt kritisiert zu einseitige Berichterstattung

Im Auswärtigen Amt herrschte am Freitag großer Unmut über solche Berichte. Kritisiert wird eine zu einseitige Berichterstattung in den Medien. Mitarbeiter, die Tag und Nacht im Einsatz wären, seien sehr frustriert über diese einseitigen Darstellungen, heißt es. Botschaft und Krisenstab arbeiteten rund um die Uhr, um deutsche Staatsangehörige zu unterstützen und, wo erwünscht, bei der Ausreise zu helfen, betont Sprecher Andreas Peschke. Seit 31. Januar seien Sonderflüge für mehr als 1000 Deutsche organisiert worden.

Täglich organisiere zudem die Botschaft Konvois, um ausreisewillige Deutsche zum Flughafen zu bringen. Auch auf dem Botschaftsgelände habe man Deutsche aufgenommen. Vielleicht hat es sich einfach um Anlaufschwierigkeiten gehandelt, denn die meisten Vorwürfe beziehen sich auf die Zeit von Freitag bis Sonntag vergangener Woche. Das Auswärtige Amt betont, zehn Mitarbeiter der Botschaft seien seit Montag dauerhaft am Flughafen in Kairo. Fünf Botschaftsmitarbeiter wurden zudem unter schwierigsten Bedingungen nach Alexandria entsandt, um am Dienstag Deutschen eine Ausreise per Charterflug zu ermöglichen. Konsularische Hilfsteams sind zudem in Hurghada, Luxor, Scharm el Scheich und Marsa Alam im Einsatz. Außenminister Westerwelle betont, man solle auch einmal dankbar sein, was die Botschaft gerade unter schwierigsten Umständen in Ägypten leistet.

Rüstungsexporte nach Ägypten auf Eis

Die Bundesregierung setzt angesichts der Unruhen in Ägypten die Rüstungsexporte in das Land vorerst aus. Das sagte die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am Freitag in Berlin. Laut dem Rüstungsbericht der Regierung pendelten die deutschen Rüstungsexporte nach Ägypten in den letzten Jahren zwischen rund 10 und 40 Millionen Euro pro Jahr. Die Bundesregierung wies Berichte zurück, ausrangierte Wasserwerfer des Bundes seien in Kairo zum Einsatz gekommen.

Wegen der jüngsten Angriffe auf Demonstranten und Journalisten wurde am Freitag der ägyptische Botschafter in Deutschland einbestellt. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Wolf-Ruthart Born, machte dem ägyptischen Botschafter Ramzy Ezzeldin Ramzy deutlich, dass der Einsatz von Gewalt gegen friedliche Demonstranten nicht akzeptabel sei.

Ebenso wenig hinnehmbar seien “die gezielten Übergriffe auf ausländische Staatsangehörige und Journalisten, darunter auch Deutsche“, teilte das Auswärtige Amt mit. Es müsse sofort ein Ende der Gewalt geben, die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Die Regierung müsse friedliche Demonstranten ebenso wie ausländische Staatsangehörige vor Angriffen schützen. Ein umgehendes Handeln sei im Interesse der deutsch-ägyptischen Beziehungen, wurde dem Botschafter gesagt.

dpa

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