Mursi dementiert Kriegsabsichten

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Ägyptens gewählter Präsident Mohammed Mursi

Kairo - Ägypten im Schulterschluss mit dem Iran und gegen Israel? So soll sich der gewählte ägyptische Präsident Mursi geäußert haben. Doch der dementiert.

Verwirrung um angebliches Interview des gewählten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi: Nach Berichten der iranischen Nachrichtenagentur Fars kündigte der islamistische Politiker darin an, dass Ägypten eine Annäherung an den Iran suche und den Friedensvertrag mit Israel „revidieren“ wolle. Am Montagabend ließ Mursi den Bericht dementieren. „Der Präsident hat dieser Agentur kein Interview gegeben, und das, was veröffentlicht wurde, entbehrt jeder Grundlage“, sagte sein Sprecher der staatlichen ägyptischen Nachrichtenagentur MENA.

Der 60-jährige Kandidat der konservativ-religiösen Muslimbruderschaft hatte sich in der Stichwahl um die Präsidentschaft gegen den Ex-Ministerpräsidenten Ahmed Schafik durchgesetzt. Das Ergebnis war am Sonntag verkündet worden. Nach bisherigen Ankündigungen des herrschenden Militärrats soll Mursi am 30. Juni in sein Amt eingeführt werden. Er tritt die Nachfolge des im Februar 2011 gestürzten Langzeitpräsidenten Husni Mubarak an.

Präsidentenwahl: Ägypter feiern Mursi

Präsidentenwahl: Ägypter feiern Mursi

Der Islamist Mohammed Mursi übernimmt als erster frei gewählter Präsident die Macht in Ägypten. © dpa
Der Kandidat der Muslimbruderschaft setzte sich in der Stichwahl mit 51,7 zu 48,3 Prozent knapp gegen den früheren Ministerpräsidenten Ahmed Schafik durch, wie die Wahlkommission am Sonntag erklärte. © dpa
Unter den Anhängern Mursis, die sich auf dem Tahrir-Platz in Kairo versammelt hatten, brandete Jubel auf, als das Ergebnis im Fernsehen verkündet wurde. © dpa
Ägypten wird mit der Wahl Mursis nicht nur zum ersten Mal von einem Islamisten, sondern auch erstmals von einem frei gewählten Zivilisten geführt. © dpa
Die letzten vier Präsidenten aus den vergangenen sechs Jahrzehnten kamen alle aus den Reihen der Streitkräfte. © dpa
"Die Revolution hat einen wichtigen Test bestanden“, sagte Mursis Wahlkampfsprecher Jasser Ali. “Aber der Weg ist noch weit.“ © dpa
Mursis Sprecher erklärte, Worte könnten die Freude in diesem “historischen Moment“ nicht beschreiben. © dpa
“Wir haben diesen Moment erreicht wegen des Blutes der Märtyrer der Revolution“, sagte Ahmed Abdel-Attie. “Ägypten wird eine neue Phase seiner Geschichte beginnen.“ © dpa
Vor der Bekanntgabe des neuen Präsidenten hatten die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen in Kairo verschärft. © dpa
Innenminister Mohammed Ibrahim ordnete an, dass die Polizei mit Entschlossenheit gegen jede Rechtsverletzung vorzugehen habe, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. © ap
Vor Regierungsgebäuden wurde die Polizeipräsenz verstärkt. © dpa
Innenminister Mohammed Ibrahim ordnete an, dass die Polizei mit Entschlossenheit gegen jede Rechtsverletzung vorzugehen habe, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. © dpa
Vor Regierungsgebäuden wurde die Polizeipräsenz verstärkt. Auf dem Tahrir-Platz kamen Tausende Menschen zusammen, um auf das Wahlergebnis zu warten, das schließlich gegen 16.30 Uhr - und damit eineinhalb Stunden später als angekündigt - bekannt gegeben wurde . © dpa
Laut einem Bericht der unabhängigen Nachrichtenwebsite “Al Jum Al Sabaa“ vom Samstag wurde die Präsenz von Sicherheitskräften in der Nähe des Hauptquartiers der Wahlkommission am Wochenende verstärkt. © ap
Die Behörden hätten Truppen und Sprengstoffexperten entsandt, hieß es. Zuvor hatte der Militärrat Islamisten vorgeworfen, Spannungen angefacht zu haben. © dpa
Nach der Stichwahl am vergangenen Wochenende hatten beide Kandidaten den Sieg für sich beansprucht. Weil ein Richtergremium zahlreiche Beschwerden wegen Wahlbetrugs prüfen musste, war die zuvor für Donnerstag geplante Veröffentlichung des Wahlergebnisses verschoben worden. © dpa
Am sechsten Tag in Folge versammelten sich am Samstag auf dem Tahrir-Platz Tausende Anhänger Mursis. Sie reklamierten den Wahlsieg für ihn und riefen den regierenden Militärrat dazu auf, jüngste Entscheidungen wie die Auflösung des Parlaments wieder rückgängig zu machen. © ap
Im nördlich gelegenen Nasr City kamen Tausende Sympathisanten Schafiks und der Generäle zusammen. Sie schwenkten Fahnen sowie Transparente mit dem Konterfei Schafiks und skandierten Parolen, die sich gegen den Führer der Muslimbruderschaft richteten. © ap
Gerüchte über auf beiden Seiten laufende Vorbereitungen von Gewaltakten verstärkten die angespannte Atmosphäre. © dpa
Viele Ägypter haben sich hinter Mursi gestellt, weil sie in ihm den Mann sehen, der das Land endgültig vom alten System des gestürzten Machthabers Husni Mubarak befreien könne. © dpa
Mursi muss nun allerdings Befürchtungen entgegentreten, er wolle Ägypten zu einem islamistischen Staat machen, und beweisen, dass er über die Öffentlichkeit über die Bruderschaft hinaus vertritt. © dpa

Das Interview mit der regimenahen iranischen Agentur war nach deren Angaben noch vor der Verkündung des Wahlergebnisses geführt worden. Die Ausweitung der ägyptisch-iranischen Beziehungen werde „ein wirksames strategisches Gleichgewicht in der Region“ herstellen, soll er gesagt haben. Auch der Friedensvertrag mit Israel müsse „revidiert“ werden. Mursi soll sich auch für das Rückkehrrecht der Palästinenser ausgesprochen haben, die in den Nahostkriegen fliehen mussten oder vertrieben wurden.

Israel fürchtet eine Verschlechterung des Verhältnisses zu Ägypten. Engere Beziehungen zwischen Kairo und Teheran wären für Israel eine strategische Katastrophe. Unter Mubarak war das Verhältnis der Führung in Kairo zum Iran eher frostig. Das Ajatollah-Regime hatte die diplomatischen Beziehungen 1979 wegen des Camp-David-Vertrags abgebrochen. Seit 15 Jahren strebt Teheran eine Aufwertung der Beziehungen an, stieß jedoch bei Mubarak auf taube Ohren.

In seiner ersten Ansprache am späten Sonntagabend als gewählter Präsident hatte Mursi erklärt: „Wir werden uns um sehr ausgewogene Beziehungen zu allen internationalen Faktoren bemühen.“ Bestehende Verträge, darunter den Friedensvertrag mit Israel, werde Ägypten aber einhalten.

dpa

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