Afghanistan räumt Gefängnis-Folter ein

+
In afghanischen Gefängnissen wird gefoltert

Kabul - Die afghanische Regierung hat zugegeben, dass Misshandlungen und Folter in Gefängnissen des Landes weit verbreitet sind. Vor gut einem Monat hatte sie das noch abgestritten.

Ein von Präsident Hamid Karsai eingesetztes Untersuchungsteam berichtete am Montag in Kabul, dass etwa die Hälfte der befragten Gefangenen über Folter in Haftanstalten klage. Die Mehrzahl der Inhaftierten habe außerdem keinen Zugang zu einem Anwalt.

Die Delegation, die unter anderem aus Regierungs- und UN-Vertretern bestand, besuchte 284 Gefangenen in den Provinzen Kabul, Kandahar und Herat. Die Inhaftierten seien vor allem während ihrer Festnahme und bei den Verhören misshandelt worden, sagte der Chef des Teams, Abdul Qader Adalatkhwah. Die Kommission fand keine Hinweise auf Vergewaltigung oder sexuelle Misshandlung, auch nicht bei den 23 weiblichen Gefangenen, die interviewt wurden.

Die Untersuchungskommission war Ende Januar eingesetzt worden, nachdem eine Studie der Vereinten Nationen in Afghanistan systematische Folter beklagt hatte. Gefangene würden an den Handgelenken aufgehängt oder es würden ihnen Schmerzen an den Genitalien zugefügt. Die afghanische Regierung erklärte damals, es gebe „keine Politik der Folter“, sondern höchstens Fehlverhalten einzelner Beamter.

dpa

Auch interessant

Meistgelesen

NSU-Prozess: Plädoyer stockt - das ist der Grund
NSU-Prozess: Plädoyer stockt - das ist der Grund
Bundesfinanzminister Schäuble vergleicht die Türkei mit der DDR
Bundesfinanzminister Schäuble vergleicht die Türkei mit der DDR
Trump drängt Senat zu Abstimmung über „Obamacare“
Trump drängt Senat zu Abstimmung über „Obamacare“
Maas: Deutschland braucht mehr Staatsanwälte und Richter
Maas: Deutschland braucht mehr Staatsanwälte und Richter

Kommentare