Amtswechsel in Stasi-Unterlagen-Behörde

Roland Jahn wird neuer Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde.

Berlin - Der frühere DDR-Oppositionelle Roland Jahn übernimmt an diesem Montag die Leitung der Stasi-Unterlagen-Behörde. Bei einem Festakt in Berlin wird der 57-Jährige in sein Amt eingeführt.

Zugleich verabschiedet Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) die bisherige Leiterin Marianne Birthler. Die frühere DDR-Bürgerrechtlerin führte die Behörde rund zehn Jahre.

Jahn ist nach Joachim Gauck und Birthler dritter Leiter der Behörde mit rund 1600 Mitarbeitern. Neben dem Kulturstaatsminister wird bei der Amtsübergabe auch Bundestagspräsident Norbert Lammert sprechen. Neumann hatte Jahn bereits als Persönlichkeit mit beeindruckender Biografie gewürdigt. Laut Kulturstaatsminister bleibt die Aufarbeitung des SED-Unrechts zentrales Anliegen der Bundesregierung.

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Der Fernsehjournalist Jahn wurde Ende Januar vom Bundestag mit absoluter Mehrheit gewählt. Er bekam auch Stimmen von der Linksfraktion. Der aus Thüringen stammende Bürgerrechtler war 1983 nach Stasi-Haft gegen seinen Willen aus der DDR ausgebürgert worden. Jahn hatte es als Genugtuung bezeichnet, als einst Stasi-Verfolgter jetzt die Akten des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit verwalten zu dürfen. Er wolle als Anwalt der Opfer agieren.

Die 63-jährige Birthler scheidet nach zwei Amtszeiten turnusmäßig aus. Sie war hochgeschätzt. Allerdings warf der Chef des Berliner Forschungsverbundes SED-Staat, Klaus Schroeder, der scheidenden Bundesbeauftragten auch Versäumnisse vor. Sie habe es nicht geschafft, die Bundesbehörde eng mit anderen Institutionen zur Aufklärung zu verknüpfen. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa sagte der Historiker von der Freien Universität Berlin: “Frau Birthler war eine Repräsentantin der Behörde aufgrund ihrer untadeligen Biografie - die Linie aber haben die Verwaltungsleute bestimmt.“

Birthler hatte die Wahl Jahns begrüßt. Der Ostdeutsche vertrete die Aufarbeitung glaubwürdig und unabhängig. Bei der Stasi-Unterlagen-Behörde wurden seit ihrer Gründung rund 2,75 Millionen Anträge auf persönliche Einsicht in Stasi-Akten gestellt. Das Interesse an der Stasi-Hinterlassenschaft sei ungebrochen, sagte Birthler.

Der neue Mann an der Spitze der Institution kündigte im Nachrichtenmagazin “Focus“ an, den Umgang mit Stasi-belasteten Mitarbeitern der Behörde gründlich zu überprüfen. Ein Sprecher sagte, in der Behörde arbeiteten zur Zeit noch 40 ehemalige Stasi-Mitarbeiter.

dpa

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