Andrang im Kanzler-Helikopter und am Minister-Schreibtisch

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Zwei Kinder klettern im Dingo herum

Berlin - Sonst werden sie vehement abgeschirmt und bewacht. Dieses Wochenende jedoch darf jeder die Schaltzentralen der Bundesregierung betreten.

“Da saß die Kanzlerin schon mal“, ruft ein kleiner Junge begeistert, als er in den Helikopter der Regierungschefin klettert. Er wirft sich in die weichen Polster und genießt kurz das VIP-Gefühl. Bald jedoch muss er wieder hinaus, denn die Schlange vor dem Helikopter reicht durch den ganzen Kanzlergarten.

Die Regierung hat ihre Häuser geöffnet - und Zehntausende folgten der mittlerweile 13. “Einladung zum Staatsbesuch“. Vor allem das Bundeskanzleramt erwies sich wieder als Besuchermagnet. Vor dem Eingang wartete das schwarze Regierungsauto von Kanzlerin Angela Merkel mit dem Kennzeichen “0-2“ darauf, dass Besucher einen Blick durch die getönten Scheiben werfen können.

Beeindruckt zeigten sich viele Besucher von der Größe des Geländes, das auch über die Spree reicht: “Hier hinten ist es richtig parkähnlich, mit gepflegtem englischem Rasen. Das hätte ich nicht gedacht, man sieht das Kanzleramt sonst ja nur von vorne“, sagte Johannes Rödler aus der Nähe von Stuttgart.

Großer Andrang herrschte auch im Inneren des Kanzleramtes, etwa vor der Galerie der Kanzler-Porträts und bei den Staatsgeschenken. Eine Gruppe Jugendlicher aus Köln bewertete, wer die schönsten Mitbringsel von anderen Regierungschefs und Königen bekam. “Die von Gerhard Schröder sind imposant“, erklärte ein 18-Jähriger angesichts der massiven Kaminuhr aus Saudi-Arabien für den Ex-Kanzler. Weniger beeindruckt zeigte er sich von den Schmuckstücken aus Indien und von portugiesischem Porzellan für Merkel.

Im Bundesinnenministerium stauten sich die Besucher vor allem an den Ständen, die über Datenschutz und Informationsfreiheit informierten sowie beim Quiz zur deutschen Einheit. Schnell ausgebucht waren die Führungen durchs Haus, bei denen die Besucher das Krisen-Lagezentrum und den Schreibtisch des Hausherren Hans-Peter Friedrich (CSU) betrachten konnten.

Zu den insgesamt 485 Veranstaltungen gehörten auch Fahr-, Flug- und Schiffssimulatoren sowie Unterwasser-Schweißen vor dem Bundesverkehrsministerium. Karl-Heinz Antons stieg mit einem Helmtauchgerät in einen Tauchturm und zeigte, wie Stahl auch im Nassen bearbeitet werden kann. “Wir brauchen das beispielsweise für Schiffe, die in Schleusen reinfahren, oder zukünftig sicherlich auch für die Windparkanlagen im Meer“, sagte Antons.

Bei strahlendem Sonnenschein zeigte sich Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Garten hinter seinem Ministerium. Prompt wurde er gefragt, wieso bei seinen öffentlichen Auftritten immer so gutes Wetter herrsche. “Beim Finanzminister kann nur noch der Himmel helfen“, scherzte Schäuble.

 Er stand aber auch bei ernsten Themen Rede und Antwort. So warb er etwa vehement dafür, dass die Euro-Zone nicht auseinanderbricht: “Für das Selbstvertrauen der Europäer und für unsere Wahrnehmung in der Welt wäre das ein nicht mehr gutzumachender Schaden.“

dpa

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