Apotheken: Längere Wartezeiten durch Arznei-Reform

Berlin - Viele Patienten können beim Apotheker seit Jahresbeginn wählen, ob sie ein Medikament mit Rabatt für die Krankenkasse nehmen - oder ein anderes mit gleicher Wirkung, aber höherem Preis. Schon schlagen die Apotheker Alarm.

Viele Patienten müssen wegen Gesetzesänderungen zum Jahreswechsel laut Apothekerverband längere Wartezeiten für Medikamente in Kauf nehmen. Der Grund sei, dass Patienten nun selbst entscheiden können, ob sie anstelle eines von der Krankenkasse vorgesehenen Rabatt-Arzneimittels lieber ein anderes bekommen wollen, teilte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände am Montag in Berlin mit. Krankenkassen hätten ihre Versicherten darüber nicht frühzeitig informiert, kritisierten die Apotheker. Entscheidet sich ein Patient für ein anderes Mittel mit gleichem Wirkstoff als das, für das seine Kasse Rabatte mit dem Hersteller ausgehandelt hat, muss er den vollen Preis zahlen. Die Kasse soll dann die Kosten bis zur Höhe des rabattierten Preises zurückzahlen.

Das Bundesgesundheitsministerium sagte zu, die Wirkung der Neuregelung zu überprüfen. “Wir werden die Einführung sorgfältig beobachten“, sagte ein Sprecher in Berlin. Die Patienten müssten sich keine Sorgen machen. Für alle stünden Medikamente in gleicher Wirkung und Qualität zur Verfügung. Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Fritz Becker, kritisierte hingegen: “Patienten kommen schlecht oder falsch informiert in die Apotheken und müssen von uns über die Fakten aufgeklärt werden.“ Die Kassen hielten ihre Verträge geheim. Chaos und bürokratischer Unsinn seien die Folgen. Unmittelbar nach dem Start neuer Regeln auch für neue Arzneimittel kündigte die Pharmabranche zahlreiche Innovationen für dieses Jahr an. “2011 ist wieder mit vielen neuen Medikamenten zu rechnen, insbesondere gegen Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Infektionen“, sagte die Geschäftsführerin des Pharmaverbands vfa, Cornelia Yzer.

Nach der zum Jahresbeginn in Kraft getretenen Reform des Pharmamarkts gilt für viele dieser Mittel dann, dass die Hersteller bei der Markteinführung Nachweise über den Zusatznutzen für die Patienten vorlegen müssen. 25 bis 30 der Mittel dürften auf neuen Wirkstoffen basieren, so der Verband. Damit gilt für sie die neue Pflicht zum Nutzennachweis. Bei weiteren Präparaten würden bekannte Wirkstoffe gegen weitere Krankheiten einsetzbar. Neue Medikamente sollen unter anderem die Behandlung von fortgeschrittenem Brust- und Prostatakrebs verbessern helfen. Zwei neue Antibiotika sollen Bakterien bekämpfen, die gegen ältere Mittel resistent geworden sind. Neue Multiple-Sklerose-Mittel sollen unter anderem Symptome lindern.

dpa

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