ARD-Politikmagazin "Panorama"

Beck stinksauer wegen Steinbrück-Berichten

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Ex-SPD-Chef Kurt Beck (rechts) hat die Berichterstattung über Kanzlerkandidat Peer Steinbrück als nicht objektiv kritisiert.

Hamburg - Der frühere SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat im ARD-Politikmagazin "Panorama" die Berichterstattung über Peer Steinbrück als nicht objektiv kritisiert.

Beck: "Wenn mit gleicher kritischer Elle die Arbeit der jetzigen Bundesregierung gemessen würde, würde ich sagen: 'In Ordnung, lieber Peer Steinbrück - das musst du dir gefallen lassen'. Aber wir haben eine Regierung, die nicht regiert. Und das wird einfach so hingenommen."

Man habe sich auf Seiten vieler Medien offenbar entschlossen, die Eigenschaften, die man früher an Peer Steinbrück gelobt habe - seine direkte Sprache und die auch mal impulsive Art, Probleme anzusprechen - jetzt einfach ins Negative umzudrehen, so Beck in "Panorama".

Peer Steinbrück und sein Wahlkampfteam

Peer Steinbrück und sein Wahlkampfteam

Sechs Frauen und sechs Männer sollen der Wahlkampagne von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück Auftrieb verleihen. © dpa
Cornelia Füllkrug-Weitzel (Entwicklungshilfe): Die 58-Jährige ist Präsidentin von Brot für die Welt und der Diakonie Katastrophenhilfe. © dpa
Gesche Joost (Internet): Die 1974 geborene Kielerin ist Professorin für Designforschung an der Universität der Künste Berlin. © dpa
Yasemin Karakasoglu (Bildung): Die 48-Jährige hat türkische Wurzeln und ist Konrektorin für Interkulturalität an der Bremer Uni. © dpa
Christiane Krajewski (Wirtschaft): Die 64-Jährige war Gesundheits- und Wirtschaftsministerin im Saarland (1990 bis 1999) und Finanzsenatorin in Berlin (2001 bis 2002). © dpa
Karl Lauterbach (Gesundheit): Der 50 Jahre alte Politiker mit der Fliege ist der Gesundheitsexperte der Bundestagsfraktion. © dpa
Matthias Machnig (Energie/Umwelt): Der 53-Jährige ist derzeit Wirtschaftsminister in Thüringen und managte den SPD-Wahlkampf 1998. © dpa
Thomas Oppermann (Innen/Recht): Der 59-jährige Parlamentarische SPD-Fraktionsgeschäftsführer gilt schon lange als ministrabel. © dpa
Florian Pronold (Verkehr/bezahlbares Wohnen): Der 40 Jahre alte Karrierepolitiker ist SPD-Chef in Bayern und Verkehrsexperte der Bundestagsfraktion. © dpa
Oliver Scheytt (Kunst/Kultur): Der 55-Jährige war als „Ruhr.2010“- Geschäftsführer verantwortlich für das Projekt „Kulturhauptstadt Europas 2010“. © dpa
Manuela Schwesig (Frauen, Familie, Aufbau Ost, Demografie): Die 39-jährige Sozialministerin Mecklenburg-Vorpommerns profiliert sich seit Jahren auch auf der Bundesebene. © dpa
Klaus Wiesehügel (Arbeit): Der 60 Jahre alte Chef der Gewerkschaft IG BAU war ein Kritiker der Agenda-2010-Reformen von Gerhard Schröder und soll nun als Bindeglied zu den Gewerkschaften fungieren. © dpa
Brigitte Zypries (Verbraucherpolitik): Die 59-Jährige Juristin war von 2002 bis 2009 bereits Bundesjustizministerin. © dpa

So bezeichnete er beispielweise die Berichterstattung über das Kanzlergehalt als "Fallenstellerei": "Nicht dass der Satz oder die Aussage unwahr ist, aber sie ist so aus dem Zusammenhang gerissen, und zwar mit Absicht, um Empörung zu erzeugen. Und das nenne ich ein besonders Maß an Unwahrheit. Denn dann muss jeder Mensch annehmen: Ja, wenn der Steinbrück Kanzler wird, dann ist ihm das Gehalt zu niedrig. Und darum ging es in dem Interview wirklich nicht."

Auch die Spekulationen verschiedener Medien, ob der emotionale Auftritt mit seiner Frau Gertrud auf einer SPD-Veranstaltung im Juni kalkuliert war oder nicht, kritisierte Beck scharf. "Er hatte ja ein Stimmversagen aus einer gewissen Ergriffenheit. Und das dann wieder so runter zu machen, das finde ich einfach eine dümmliche Umgehensweise mit Menschen. Menschlich ist es ohnehin nicht." Journalismus müsse frei sein und ganz viele Spielräume haben, so Beck weiter. "Aber viel Freiheit muss eben auch viel Verantwortung bedeuten. Und das kann ich nicht immer ausreichend erkennen."

Beck selbst sicherte Steinbrück seine volle Unterstützung zu. "Alle, die ihn gewählt haben, und ich habe dazugehört, wussten, wie er ist. Und jetzt stehe ich auch dazu. Man kann nicht jemand ins Rennen schicken und dann unterwegs sagen: 'Nee, der bewegt die Füße so komisch'. Ich könnte jetzt auch anfangen rumzukritisieren. Aber ich habe selber erlebt, wie es ist. Und ich würde es keinem anderen zumuten."

Kurt Beck hatte als SPD-Vorsitzender im Jahr 2008 starken medialen und innerparteilichen Gegenwind bekommen, nachdem er einen Kursschwenk im Umgang mit der Linkspartei angedeutet hatte. Zudem galt er vielen Hauptstadtjournalisten als "provinziell". Die Tageszeitung "taz" bezeichnete ihn als "Sargnagel" der SPD, die "Süddeutsche Zeitung" beobachtete "Becks dynamisches Torkeln", und für "BILD" war Beck gar "ein König ohne Volk".

"Ich will natürlich einräumen, dass man auch selber Fehler macht. Das ist ja nicht alles erfunden. Aber es verdichtet sich dann zu einem Bild, das nicht mehr den ganzen Menschen zeigt. Und so ähnlich geht es jetzt auch Peer Steinbrück."

Dem Kanzlerkandidaten der SPD rät Beck, so zu bleiben, wie er ist. "Er darf sich nicht verbiegen. Denn das wäre, glaube ich, das Schlimmste, so zu sein, wie manche erwarten, dass er sein sollte."

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