Fachkommission nimmt Arbeit auf

Atommüll-Endlagersuche startet neu

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Das Atomkraftwerk Grohnde in Niedersachsen.

Berlin - Es ist ein zäher Neustart. Fachleute und Politiker wollen die Kriterien für die bundesweite Suche nach einem Atommüll-Endlager erarbeiten. Es dürfte frühestens 2050 betriebsbereit sein.

Mehr als 35 Jahre stand der Salzstock Gorleben im Mittelpunkt, jetzt beginnt die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll von vorn. Am Donnerstag nahm eine beim Bundestag angesiedelte Fachkommission ihre Arbeit auf, die bis Mitte 2016 die Kriterien für die bundesweite Suche erarbeiten soll. „Es gibt gemütlichere Aufgaben“, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU).

Er appellierte an die Mitglieder, Empfehlungen mit größtmöglicher Mehrheit zu treffen. Damit wachse die Wahrscheinlichkeit, dass der Gesetzgeber diese umsetze. Die Aufgabe sei rechtlich, technisch und politisch enorm komplex. Er hoffe aber nicht, dass dies „eine Dauerbeschäftigung für alle Kommissionsmitglieder für die verbleibende Lebenszeit“ werde. „Wenn es zu diesem Thema einen breiten gesellschaftlichen Konsens gäbe, hätten wir diese Kommission nicht gebraucht“, betonte Lammert.

In der Kommission sitzen je acht Bundestagsabgeordnete, acht Ländervertreter, acht Wissenschaftler und acht Vertreter der Zivilgesellschaft, darunter Gorleben-Befürworter und Gegner. Nur die 16 Vertreter aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft sind stimmberechtigt.

Tiefen-Endlagerung gilt als wahrscheinlich

„Wollen wir den gemeinsamen Erfolg, das ist die Frage, die über allem steht“, sagte die frühere Parlamentarische Umwelt-Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser (CDU), die im Wechsel mit Michael Müller (SPD) den Vorsitz der Endlager-Kommission hat. Angesichts der jahrelangen Grabenkämpfe sei der Neustart eine einmalige Chance. „Lassen Sie uns diese historische Chance gemeinsam wahrnehmen“, so Heinen-Esser. „Wir brauchen ein Grundvertrauen zueinander und müssen einander zuhören.“

Bisher gilt eine Tiefen-Endlagerung als wahrscheinlich, infrage kommen Salz-, Ton- und Granitgestein. Die einzelnen Auswahlschritte bedürfen der Billigung des Bundestags. Bis 2031 soll ein Endlager gefunden sein. Nachdem in Gorleben bereits 1,6 Milliarden Euro investiert worden sind, wird mit Kosten von mindestens zwei Milliarden Euro für die Suche gerechnet. Auch Gorleben bleibt bei der neuen Suche im Rennen, kann aber je nach Festlegung der Kriterien auch rasch als ungeeignet ausscheiden.

Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, rechnet damit, dass ein Endlager für hochradioaktiven Müll frühestens 2050 betriebsbereit ist. „Das wäre sehr ambitioniert“, sagte König der Deutschen Presse-Agentur. „Alle früheren Zeitvorstellungen haben sich als falsch erwiesen.“ Er betonte: „So eine Chance, diese seit Jahrzehnten umstrittene Frage in einem weitgehenden Konsens zu lösen, kommt kein zweites Mal.“

Kommissionsmitglied Ulrich Kleemann rechnet mit einem raschen Aus für den Standort Gorleben. „Ich gehe davon aus, dass Gorleben schon in einer frühen Phase dieses Verfahrens ausscheiden wird - und zwar aus streng wissenschaftlichen Gründen“, sagte der Wissenschaftler der „Rhein-Zeitung“. Er geht davon aus, dass Niedersachsen gleichwohl in der engeren Auswahl bleiben wird.

Als weitere potenzielle Standorte nannte er „die Tonvorkommen in Norddeutschland, die sich von NRW über Niedersachsen bis Brandenburg erstrecken, sowie in Süddeutschland, vor allem in Baden-Württemberg“. Hinzu kämen Salzgesteine in Norddeutschland und die Kristallinvorkommen in Bayern und Sachsen.

dpa

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