Ausländer wünschen sich bessere Schulen

Gütersloh - Eine neue Umfrage zeigt: Besonders Zuwanderer halten Bildung für wichtig. Russen und Türken wünschen sich bessere Schulen in Problemvierteln, verbindlichen Kita-Besuch und mehr Ganztagsschulen.

Sie wünschen sich besonders häufig mehr Kita-Plätze, mehr Ganztagesunterricht und bessere Schulen in Problemvierteln: Für Zuwanderer hat eine gute Ausbildung nach einer Umfrage einen höheren Stellenwert als für Durchschnittsdeutsche. Gut 2000 Menschen hat das Forschungsinstitut TNS Infratest für die repräsentative Studie befragt, die die Bertelsmann-Stiftung am Dienstag veröffentlichte.

Demnach bezweifeln 58 Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland, dass ein Hauptschulabschluss ausreicht, um in der Gesellschaft voranzukommen. Bei Einwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion sind es 63 Prozent. Bei türkischstämmigen Migranten sehen sogar 76 Prozent keine Aufstiegschancen nur mit Hauptschulabschluss.

Bei der Frage nach der Integration sind die Abstände noch größer. Im Schnitt meinen 65 Prozent, Ausländer würden besser eingebunden, wenn die Bundesrepublik ein besseres Bildungssystem hätte. Diese Ansicht vertreten auch 69 Prozent der russischstämmigen Befragten. Stolze 85 Prozent sind es bei den türkischen Familien.

Skandal um Sarrazin: Das sind die umstrittenen Zitate

Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin steht in der Kritik: In einem Interview für die Sonderausgabe der Kulturzeitschrift „Lettre International“ zum 20. Mauerfall-Jubiläum wetterte der eheamlige Berliner Finanzsenator Sarrazin gegen die Wirtschafts- und Migrationspolitik der Hauptstadt. © AP
Der Präsident der Bundesbank Axel Weber (Foto) legte Sarrazin aufgrund seiner Äußerungen den Rücktritt aus dem Vorstand nahe. Die Gewerkschaft ver.di bezeichnete diese als „rechtsradikal“. © dpa
Der Schriftsteller Ralph Giordano pflichtete Sarrazin inhaltlich bei, auch wenn er „andere Worte gewählt hätte“. Auch der frühere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel unterstützte Sarrazin nachdrücklich. Wer das Interview ganz gelesen hätte, müsse der Analyse Sarrazins beipflichten, meint Henkel im Deutschlandfunk. © dpa
Liegt Sarrazin mit seinen Äußerungen völlig daneben? Oder sagt er die Wahrheit? Diese Über diese Frage diskutiert Deutschland derzeit.  © dpa
Wir zeigen die umstrittensten Passagen aus dem Gespräch. Das vollständige Interview mit Thilo Sarrazin lesen Sie im aktuellen Heft von „Lettre International“ (257 Seiten, 17 Euro). (Link zum Heft) © AP
„Eine großes Zahl an Arabern und Türken in dieser Stadt (Berlin, Anm. d. Red.), deren Anzahl durch falsche Politik zugenommen hat, hat keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel, und es wird sich vermutlich auch keine Perspektive entwickeln.“ © AP
„Wir haben ein schlechtes Schulsystem, das nicht besser werden wird. Berlin ist belastet von zwei Komponenten: der Achtundsechzigertradition und dem Westberliner Schlampfaktor. Es gibt auch das Problem, daß vierzig Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden.“ © AP
“Hier werden Trends verstärkt sichtbar, die ganz Deutschland belasten. So daß das Niveau an den Schulen kontinuierlich sinkt, anstatt zu steigen.“ © dpa
„Je niedriger die Schicht, um so höher die Geburtenrate. Die Araber und Türken haben einen zwei- bis dreimal höheren Anteil an Geburten, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Große Teile sind weder integrationswillig noch integrationsfähig.“ © AP
“Die Lösung dieses Problems kann nur heißen: Kein Zuzug mehr, und wer heiraten will, sollte dies im Ausland tun. Ständig werden Bräute nachgeliefert: Das türkische Mädchen hier wird mit einem Anatolen verheiratet, der türkische Junge hier bekommt eine Braut aus einem anatolischen Dorf. Bei den Arabern ist es noch schlimmer.“ © dpa
„Meine Vorstellung wäre: generell kein Zuzug mehr außer für Hochqualifizierte und perspektivisch keine Transferleistungen mehr für Einwanderer. In den USA müssen Einwanderer arbeiten, weil sie kein Geld bekommen, und werden deshalb viel besser integriert.“ © dpa
„Es ist ein Skandal, daß die Mütter der zweiten, dritten Generation immer noch kein Deutsch können, es allenfalls die Kinder können, und die lernen es nicht wirklich. Es ist ein Skandal, wenn türkische Jungen nicht auf weibliche Lehrer hören, weil ihre Kultur so ist. Integration ist eine Leistung dessen, der sich integriert.“ © dpa
„Jemanden, der nichts tut, muß ich auch nicht anerkennen. Ich muß niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“ © dpa
„Das gilt für siebzig Prozent der türkischen und für neunzig Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin. Viele von ihnen wollen keine Integration, sondern ihren Stiefel leben. Zudem pflegen sie eine Mentalität, die als gesamtstaatliche Mentalität aggressiv und atavistisch ist.“ © dpa
„Die Türkei ist das Land, wo man heute noch bestraft wird, wenn man vom Völkermord an den Armeniern redet.“ © dpa
„Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung.“ © dpa
„Ich habe dazu keine Lust bei Bevölkerungsgruppen, die ihre Bringschuld zur Integration nicht akzeptieren, und auch, weil es extrem viel Geld kostet und wir in den nächsten Jahrzehnten genügend andere große Herausforderungen zu bewältigen haben.“ © dpa
„Wir haben in Berlin vierzig Prozent Unterschichtgeburten, und die füllen die Schulen und die Klassen, darunter viele Kinder von Alleinerziehenden. Wir müssen in der Familienpolitik völlig umstellen: weg von Geldleistungen, vor allem bei der Unterschicht.“ © AP

Mehr als 2000 Menschen ab 14 Jahren wurden für die Basisbefragung interviewt. Darunter seien 250 Menschen mit russischen und 250 Menschen mit türkischen Wurzeln gewesen. 1505 Leute wurden repräsentativ aus der deutschen Gesamtbevölkerung ausgewählt.

Ein “überraschend“ klares Votum gibt es quer durch die Reihen für einen verbindlichen Kita-Besuch, wie die Stiftung mit Sitz in Gütersloh weiter berichtete. 86 Prozent der Gesamtbevölkerung stimmen dieser Forderung ebenso zu wie 92 Prozent der Befragten aus russischen Zuwandererfamilien. Den höchsten Wert hatten erneut die Befragten mit türkischem Hintergrund. Dort waren es 96 Prozent. Das bevorzugte Schulmodell ist für alle die Ganztagsschule. Dort gibt es in allen Gruppen Zustimmung von mehr als 70 Prozent.

Klare Mehrheiten finden sich auch auf die Frage, ob Schulen in benachteiligten Stadtteilen besser ausgestattet sein sollen als andere Schulen: Das wünschen sich 66 Prozent aller Deutschsprachigen, 71 Prozent der Russischstämmigen und sogar 76 Prozent der Deutsch-Türken.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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