Bahr will Demenzkranke besser versorgen

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Gesundheitsminister Daniel Bahr.

Berlin - Viel Kritik gibt es an den Plänen der schwarz-gelben Pflegereform. Jetzt nimmt Minister Bahr die nächste Reform in Angriff - doch bis zur nächsten Bundestagswahl wird daraus wohl nichts.

Drei Jahre nach ersten Experten-Vorschlägen will Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) eine Grundsatzreform zur Pflege anschieben. Ein entsprechender Regierungsbeirat werde am 1. März erstmals wieder tagen, kündigte Bahrs Sprecher Christian Albrecht am Montag in Berlin an. Er soll eine neue Systematik für die umfassende Besserstellung der immer zahlreicheren Demenzkranken nun auch im Detail ausarbeiten.

Der Regierungsbeirat war schon für Bahrs Vorvorgängerin Ulla Schmidt (SPD) aktiv und hatte Anfang 2009 Vorschläge für eine neue Eingruppierung von Altersverwirrten in die Pflegereform ausarbeiten, die heute bei Pflegeleistungen oft leer ausgehen. Bereits im Sommer 2011 hatte Bahr angekündigt, das Gremium erneut einsetzen zu wollen, so dass es Details für einen neuen Begriff der Pflegebedürftigkeit ausarbeitet.

Zuletzt hatte es im Dezember einen Rückschlag gegeben, als mit dem anerkannten Pflegeexperten Jürgen Gohde der Chef des Beirats frustriert zurücktrat und ersetzt werden musste. Seiner Ansicht nach geht die Koalition nicht durchgreifend genug gegen die Not vieler Pflegebedürftiger vor. Als Hindernis für eine schnelle Umsetzung dieser Vorhaben gelten die Kosten. In ihrem ersten Bericht bezifferte der Beirat diese auf rund 0,2 bis 4 Milliarden zulasten der Pflegeversicherung und Sozialhilfeträgern.

Alzheimer: Prominente, die ihr Gedächnis verloren

Prominente, die ihr Gedächtnis verloren

Alptraum Alzheimer: Der ehemalige Fußballspieler des FC Bayern München, Gerd Müller leidet an einer Alzheimer-Erkrankung. Wenige Wochen vor seinem 70. Geburtstag am 3. November bitten der deutsche Fußball-Rekordmeister und die Familie des Weltmeisters von 1974 um Verständnis, dass es keine öffentlichen Auftritte anlässlich des Jubiläums geben werde. © dpa
Karheinz Böhm
Der große Schauspieler Karheinz Böhm starb am 29. Mai 2014 im Alter von 86 Jahren. Erst im Februar 2013 war Böhms Alzheimererkrankung bekannt geworden. Sein Sohn Michael wollte nicht länger über den Gesundheitszustand seines Vaters schweigen. Karlheinz Böhm wurde an der Seite von Romy Schneider in Sissi ein Star. Böhm setzt sich seit 1981 für hungernde Menschen in der Sahelzone ein (Archivfoto vom 2.05.2011). © dpa
Der ehemalige Schauspieler Karlheinz Böhm, der seit 28 Jahren die Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen" leitet, und seien Ehefrau Almazs besichtigen das Wiederaufforstung-Projekt "Sheikh Abdi Erosionsgraben" in Äthiopien (Aufnahme aus dem Jahr 2006).
Der ehemalige Schauspieler Karlheinz Böhm leitet seit 1981 die Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen" . Die Aufnahme aus dem Jahr 2006 zeigt, wie Böhm mit seiner Ehefrau Almazs  das Wiederaufforstung-Projekt "Sheikh Abdi Erosionsgraben" in Äthiopien besichtigt. © dpa
Rudi Assauer
Rudi Assauer und die furchtbare Diagnose Alzheimer erschütterte ganz Deutschland. Seine Ehrlichkeit macht betroffen. © dpa
Schalke-Manager Rudi Assauer
In einem TV-Auftritt spricht der Fußballmanager Rudi Assauer Anfang des Jahres 2012 erstmals offen von seinem Leiden. Und der Prominente ist mit seinem schweren Schicksal nicht allein. © dpa
Ronald Reagan
Der frühere US-Präsident Ronald Reagan (1911-2004) erkannte eines Tages seine Frau Nancy nicht mehr - nach mehr als 40 Jahren Ehe. © dpa
Ronald Reagan Alzheimer
"Ich beginne nun die Reise, die mich zum Sonnenuntergang meines Lebens führt..." - 1994 bekannte sich der ehemalige Präsident in einem Brief als Alzheimer-Patient. Dadurch entstand erstmals ein öffentliches Bewußtsein für die Krankheit. © dpa
Gunter Sachs Selbstmord
Er machte sich in Europa einen Namen als Fotograf, Kunstsammler und Playboy: Gunter Sachs. Doch aus Angst vor Alzheimer beging im Alter von 78 Jahren Suizid (7.05.2011). © dpa
Margret Thatcher
Die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher gilt als unnachgiebig und brachte ihr den Spitznamen "Die Eiserne Lady" ein. © dpa
Peter Falk
US-Schauspieler Peter Falk als Inspektor "Columbo" in seinem typischen Outfit, dem Trenchcoat - und mit einer Zigarre in der Hand brauchte am Ende Vollzeit-Betreuung. Er leidet bis Sommer 2011 an Demenz und Alzheimer. © dpa
Annie Girardot
Die französische Schauspielerin Annie Girardot starb im Alter von 79 Jahren (28.02.2011) an Alzheimer. © dpa
Charlton Heston
Der an Alzheimer leidende Charlton Heston starb im Alter von 84 Jahren. Der US-Schauspieler wurde bekannt für das Filmepos «Die Zehn Gebote» Moses. Für seinen Judah in «Ben Hur» hatte er 1959 den Oscar als bester Hauptdarsteller bekommen. © dpa
Bubi Scholz
Immer wieder kämpfte sich Bubi Scholz trotz mehrerer Schlaganfälle ins Leben zurück. Die ehemalige Box-Legende litt auch an Alzheimer und starb im Alter von 70 Jahren in Berlin (21.08.2000). © dpa
Country-Star Glen Campbell wollte trotz seiner Diagnose Alzheimer im Herbst 2011 noch ein letztes Mal auf Tour gehen und sich mit mehreren Live-Auftritten von seinen Fans verabschieden. © dpa
Der Schauspieler Fred Delmare zählte zu den bekanntesten DDR-Schauspielern. Zuletzt stand Delmare in der ARD-Serie "In aller Freundschaft" als Opa Friedrich vor der Kamera. 2005 zog er sich aus dem Berufsleben auch wegen seiner Alzheimererkrankung zurück, wo der Mime 2009 verstarb. © dpa
Helmut Zacharias
Der Violin-Virtuose Helmut Zacharias komponierte 400 Stücke, arrangierte 1400 Titel und verkaufte 13 Millionen Platten. Zuletzt verschwand er aus dem Blick der Öffentlichkeit. Der Musiker litt unter der Alzheimer-Krankheit und lebte bis zu seinem Tod im Alter von 82 Jahren (28.02.2002) in einem Sanatorium in der Nähe seines Wohnortes Ascona in der Schweiz. © dpa
Roberto Blanco
Roberto Blanco und Sodom rocken gemeinsam für einen Spot der Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Mit viel Humor macht der Sänger auf die Krankheit aufmerksam. © obs
Eine Büste des Hirnforschers Alois Alzheimer
Eine Büste des Hirnforschers Alois Alzheimer: Als der Psychiater am 3. November 1906 in Tübingen erstmals "Über einen eigenartigen schweren Erkrankungsprozess der Hirnrinde" referierte, werteten Kollegen seine Entdeckung als Kuriosität. 100 Jahre später ist Alzheimers Name einer der bekanntesten weltweit, von der nach ihm benannten Hirnkrankheit sollen allein in Deutschland 700.000 bis eine Million Menschen betroffen sein. © dpa

Mit der nun zunächst geplanten Pflegereform der Koalition soll der Beitrag zum 1. Januar 2013 von 1,95 auf 2,05 Prozent steigen. Durch die so gewonnenen Mehreinnahmen von 1,1 Milliarden Euro sollen vor allem eine halbe Million Demenzkranke höhere Leistungen zwischen 70 und 215 Euro bekommen.

Albrecht sagte, bis 2015 sei die Pflegeversicherung ausfinanziert. Dann werde erneut über die Beitragshöhe zu reden sein. Wann der Beirat fertig werde, könne er nicht sagen. Doch die bereits vorgestellten Reformpläne seien das, “was wir in dieser Legislaturperiode geplant haben“. Laut einem schwarz-gelben Gesetzesantrag soll der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff “auf die körperliche und ebenso auf die psychisch-kognitive Beeinträchtigung der Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen abstellen“.

Der Deutsche Pflegerat forderte, eine neue Pflege-Definition müsse bereits in der laufenden Regierungsperiode bis 2013 kommen. “Wir können darauf nicht mehr warten“, sagte Präsident Andreas Westerfellhaus der Nachrichtenagentur dpa. Jetzt müsse umgehend geklärt werden, was den immer zahlreicheren Kranken und Pflegebedürftigen geboten werden könne, wie das finanziert werde und in welcher Struktur dies ablaufe.

Unterdessen wurden in einer Verbände-Anhörung die aktuellen Reformpläne beraten. “Von den 2,4 Millionen Betroffenen haben 1,35 Millionen von dem Konzept gar nichts“, sagte der Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, der dpa. “Warum ist der stationäre Bereich komplett außen vor?“

dpa

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