Syrische Medien: Dutzende fliehen aus umkämpftem Aleppo

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Syriens Regime zieht die Schlinge um Aleppo enger. Foto: Stringer

Die Lage der Zivilisten in der eingekesselten Stadt Aleppo ist verzweifelt. Helfen Fluchtkorridore den Menschen, oder sind sie ein syrisch-russischer Propagandatrick?

Damaskus (dpa) - Über die Lage in der von syrischen Regierungstruppen belagerten Stadt Aleppo gibt es widersprüchliche Angaben. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete, dass Dutzende Familien die abgeriegelten Rebellenviertel im Osten der Metropole über die eingerichteten Fluchtkorridore verlassen hätten.

Zahlreiche Aufständische hätten zudem ihre Waffen niedergelegt und sich der syrischen Armee ergeben.

Das russische Militär teilte mit, seit Öffnung der Korridore am Donnerstag hätten 169 Zivilisten Aleppo verlassen. 69 Rebellen hätten die Waffen niedergelegt und sich ergeben, sagte Generalleutnant Sergej Tschwarkow. An den drei Fluchtkorridoren habe die syrische Regierung Lager aufgebaut, um bis zu 3000 Menschen zu versorgen. Vier weitere Korridore sollten eingerichtet werden. Russische Truppen unterstützen in Syrien die Armee von Präsident Baschar Al-Assad.

Ein Sprecher der Opposition in Aleppo wies Berichte über Flüchtlinge als falsch zurück. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London konnte bislang auch nicht bestätigen, dass Anwohner aus Aleppo geflohen seien. Lediglich am Freitag hätten zwölf Personen die Viertel verlassen, bevor Rebellengruppen Straßensperren errichtet hätten.

Bewohner der abgeschnittenen Viertel bestätigten der Deutschen Presse-Agentur, dass Rebellen flüchtende Menschen zurückgewiesen hätten. Als Begründung hätten sie angegeben, dass die humanitären Korridore nicht sicher seien.

Die UN hatte Syrien und Russland aufgefordert, ihr die Fluchtrouten zu unterstellen, damit Sicherheit gewährleistet sei. Die syrische Opposition hält der Regierung in Damaskaus vor, sie wolle sich mit Hilfe der Korridore militärische Vorteile beim Kampf um Aleppo verschaffen.

Vor gut zwei Wochen hatten die syrische Armee und ihre Verbündeten die letzte Versorgungsroute in die Rebellenviertel von Aleppo gekappt. Internationale Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Katastrophe. Nach Schätzungen der UN sind zwischen 250 000 und 300 000 Menschen in Aleppo eingeschlossen.

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