Norwegen-Blutbad: Gabriel bringt Sarrazin ins Spiel

+
Nach Einschätzung von Sigmar Gabriel (r) hat eine fremdenfeindliche und nationale Stimmung in Europa die Attentate von Norwegen begünstigt. Ausdrücklich nennt der SPD-Chef den Namen Thilo Sarrazin.

Berlin - Nach Einschätzung von Sigmar Gabriel hat eine fremdenfeindliche und nationale Stimmung in Europa die Attentate von Norwegen begünstigt. Ausdrücklich nennt der SPD-Chef den Namen Thilo Sarrazin.

Darf SPD-Chef Gabriel im Zusammenhang mit dem Blutbad in Norwegen Thilo Sarrazin ins Spiel bringen? Nutzen Sie die Kommentarfunktion (unten) und schreiben Sie Ihre Meinung!

Ein Klima, in dem in der Mitte der Gesellschaft Intoleranz und Abgrenzung gegen Minderheiten akzeptiert werden, helfe autoritären Charakteren, sagte der Sozialdemokrat der Nachrichtenagentur dpa. “In einer Gesellschaft, in der der Anti-Islamismus und die Abgrenzung von anderen wieder hoffähig wird, in der das Bürgertum Herrn Sarrazin applaudiert, da gibt es natürlich auch an den Rändern der Gesellschaft Verrückte, die sich letztlich legitimiert fühlen, härtere Maßnahmen anzuwenden.“ Attentäter wie Anders Behring Breivik hätten dann den Eindruck, der schweigenden Mehrheit zum Durchbruch zu verhelfen: “Das ist ja deren Wahnvorstellung.“

Sarrazin: Der Provokateur redet Klartext

Sarrazin: Der Provokateur redet Klartext

Lesen Sie auch:

Prozess gegen Attentäter erst im nächsten Jahr

Polizist: "Es fiel schwer, ihn nicht zu erschießen"

Muslime: Massaker Folge der Islamfeindlichkeit

Attentäter in Sieben-Quadratmeter-Zelle

In Europa sei der europäische Gedanke in den letzten Jahren wieder in den Hintergrund getreten, es habe eine Phase der Renationalisierung und Abgrenzung gegeben, kritisierte Gabriel. “In so einem Klima, in so einem Gebräu, gibt es eben auch Verrückte, die dann meinen, dass sie für alle sprechen.“ Rechtsradikalismus, Rechtspopulismus und deren Gewalttaten sind aus Sicht des SPD-Chefs kein Problem der Ränder der Gesellschaft, sondern stünden in deren Mitte. Um dem künftig den Nährboden zu entziehen, brauche es einen Gesinnungswandel: “Das Zentrum der Gesellschaft muss klar machen, dass das bei uns keinen Platz hat - auch nicht weichgespülte Versionen davon. Nur dann dämmt man das ein.“

Blutbad in Norwegen

Schockierende Bilder: Blutbad in Norwegen

In den vergangenen 30 Jahren hat aus Sicht des Sozialdemokraten die politische Ideologie vorgeherrscht, dass sich jeder um sich selbst zu kümmern habe, der Staat zurückgedrängt werde und soziale Spielregeln aufgehoben werden: “Genau das Gegenteil brauchen wir wieder.“ Dies spürten auch die Menschen. “Es gibt in der Gesellschaft ein tiefes Gefühl dafür, dass das Pendel hin zum Individualismus zu weit ausgeschlagen ist“, sagte Gabriel. Nun komme eine Phase, in der dieses Missverhältnis wieder deutlich werde - “ganz unabhängig von Oslo.“

Der norwegische Rechtsradikale Breivik hatte bei seinen zwei Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya am vergangenen Freitag mindestens 76 Menschen getötet.

dpa/mm

Auch interessant

Meistgelesen

Abschaffung von „Obamacare“: Debakel für Trump
Abschaffung von „Obamacare“: Debakel für Trump
Bundesfinanzminister Schäuble vergleicht die Türkei mit der DDR
Bundesfinanzminister Schäuble vergleicht die Türkei mit der DDR
Fünf deutsche IS-Frauen in Tunnel in Mossul entdeckt - ist eine davon Linda W. (16)?
Fünf deutsche IS-Frauen in Tunnel in Mossul entdeckt - ist eine davon Linda W. (16)?
Maas: Deutschland braucht mehr Staatsanwälte und Richter
Maas: Deutschland braucht mehr Staatsanwälte und Richter

Kommentare