Bürgerschaftswahl in der Hansestadt

Bremen-Wahl 2019: Großes Interesse an Landtagswahl 

+
Im kleinsten Bundesland Bremen finden am Wochenende die Bürgerschaftswahlen statt.

Im kleinsten deutschen Bundesland Bremen hat die mit Spannung erwartete Bürgerschaftswahl begonnen. Bei der ersten Landtagswahl in diesem Jahr können rund 478.000 Menschen ihre Stimme abgeben.

  • In Bremen sind die Menschen am 26. Mai zur Wahl einer neuen Bürgerschaft aufgerufen
  • Laut vorherigen Umfragen droht der SPD historische Pleite
  • Die rasante Karriere von CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder
  • >>>Aktualisieren<<<

    15.12 Uhr: Bei der Bremer Bürgerschaftswahl hat sich am Sonntagnachmittag eine deutlich höhere Wahlbeteiligung abgezeichnet als vor vier Jahren. Um 14.00 Uhr lag die Beteiligung in ausgewählten Wahllokalen bei 33,5 Prozent, wie die Hansestadt auf ihrer Internetseite mitteilte. Briefwähler sind dabei nicht mit eingerechnet. Bei der Bürgerschaftswahl 2015 hatte die Wahlbeteiligung um diese Uhrzeit nur 23,5 Prozent betragen.

    14.23 Uhr: Vor mehreren Wahllokalen in Bremen mussten die Wähler am Sonntag für die Stimmabgabe längere Zeit anstehen. So brauchte es um die Mittagszeit vor dem Wahllokal in der Hochschule für Künste eine gute halbe Stunde Wartezeit, wie ein dpa-Reporter berichtete. Dort gaben auch der CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder und die FDP-Spitzenkandidatin Lencke Steiner ihre Stimmen ab. 

    „Ich freue mich, dass ich warten darf, weil das heißt, dass wir eine hohe Wahlbeteiligung haben“, sagte Steiner. Außerdem gehe es in Bremen um vier verschiedene Wahlen. Parallel zur Landtagswahl entscheiden die Wähler über die Zusammensetzung des Europaparlaments, wählen ihre Ortsbeiräte und stimmen in einem Bürgerentscheid über die Bebauung der alten Pferderennbahn ab.

    Wird von der Leyen EU-Kommissionspräsidentin? Die Abstimmung im Europaparlament am Dienstag (16. Juli 2019) wird entscheiden. Um 18.00 Uhr geht es los. Alle Neuigkeiten und Entwicklungen finden Sie in unserem News-Ticker zur Wahl von Ursula von der Leyen.

    13.15 Uhr: Bei der Landtagswahl in Bremen haben bis zum Mittag viele Bürger ihre Stimmen abgegeben. Die Wahlbeteiligung lag rund vier Stunden nach Öffnung der Wahllokale bei 20,2 Prozent und damit deutlich höher als vor vier Jahren, wie die Landeswahlleitung am Sonntag mitteilte. Damals hatten zum selben Zeitpunkt nur 14,2 Prozent der Stimmberechtigten gewählt. Insgesamt lag die Wahlbeteiligung 2015 bei 50,2 Prozent. Regierungschef Carsten Sieling (SPD) hatte bei seiner Stimmabgabe vormittags an die Bürger appelliert, zur Wahl zu gehen. Umfragen zufolge muss die seit mehr als 70 Jahren allein oder in Koalitionen regierende SPD mit starken Stimmverlusten rechnen. Die oppositionelle CDU kann sich dagegen Hoffnungen auf einen Regierungswechsel machen.

    12.33 Uhr: Der Bremer CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder hofft bei der Landtagswahl auf ein Ergebnis um die 30 Prozent für seine Partei. „Ich glaube ja immer noch an die 30“, sagte er am Sonntag vor der Stimmabgabe. Eine Jamaika-Koalition könne den Wechsel in Bremen herbeiführen, eventuell reiche es sogar für Schwarz-Grün. Er habe viel gelernt in dem Jahr als Spitzenkandidat. Meyer-Heder gab sich locker - und scherzte vor dem Wahllokal, er zähle zu den 42 Prozent der Wahlberechtigten, die vor der Wahl noch unentschlossen seien.

    11.26 Uhr: Bremens Regierungschef Carsten Sieling (SPD) hat bei der Landtagswahl im kleinsten deutschen Bundesland seine Stimme abgegeben. „Heute haben die Wählerin und der Wähler das Wort. Ich hoffe drauf, dass viele das nutzen und wir eine hohe Wahlbeteiligung kriegen“, sagte Sieling, der am Sonntag mit seiner Frau Alexia im Wahllokal erschienen war. Vor vier Jahren lag die Wahlbeteiligung nur bei 50,2 Prozent. Sieling bekräftigte erneut seine Absage an eine Zusammenarbeit mit der CDU nach der Wahl. Er hoffe auf die Fortsetzung seiner rot-grünen Regierungskoalition. Auch ein Dreierbündnis von SPD, Grünen und Linken sei denkbar.

    Update vom 26. Mai 2019: Im kleinsten deutschen Bundesland Bremen hat die mit Spannung erwartete Bürgerschaftswahl begonnen. Bei der ersten Landtagswahl in diesem Jahr können rund 478 000 Menschen ihre Stimme abgeben. Gewählt werden darf ab 16 Jahren.

    Umfragen zufolge muss die seit mehr als 70 Jahren alleine oder in Koalitionen regierende SPD mit starken Stimmenverlusten rechnen. Die oppositionelle CDU kann sich dagegen Hoffnungen auf einen Regierungswechsel machen. Mit Spannung wird die Wahlbeteiligung beobachtet, die 2015 bei nur 50,2 Prozent lag. Im Herbst wird in Brandenburg, Sachsen und Thüringen gewählt.

    Nach der letzten Umfrage des ZDF-„Politbarometers“ vom Donnerstag kämen die Sozialdemokraten von Bürgermeister Carsten Sieling auf 24,5 Prozent, während die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Carsten Meyer-Heder mit 26 Prozent stärkste Kraft würde. Die Grünen sah die Umfrage mit 18 Prozent als drittstärkste Partei, die Linke wäre in Bremen mit 12 Prozent erstmals zweistellig und die AfD käme auf 7 Prozent. Die FDP, der erst 2015 der Wiedereinzug ins Parlament gelungen war, müsste mit 5 Prozent um ihren Verbleib bangen.

    In Bremen ist es in der Nacht zum Sonntag zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Der Grund blieb zunächst unklar.

    Update vom 25. Mai 2019: Die Bürgerschaftswahlen in Bremen könnten richtungsweisend für die gesamte Bundesrepublik werden. Seit seiner Gründung im Jahre 1947 wird das Land Bremen von der SPD regiert, nun droht der Altpartei das Fiasko. In einer aktuellen Insa-Umfrage wird die SPD mit fünf Prozentpunkten Rückstand auf die CDU (28 Prozent) gehandelt. Die Grünen stehen bei 18 Prozent, weshalb Schwarz-Grün auch keine Option sein wird.

    Somit stellt sich die Frage nach der Regierungsbildung in Bremen mit Ausblick auf ein Szenario, das beinahe auch bei der Bundestagswahl 2017 zustande gekommen wäre: eine Jamaika-Koalition. Sowohl die Grünen als auch die FDP wollen sich vor der Wahl alle Optionen offen halten. Allein Spitzenkandidat Carsten Sieling von der SPD machte deutlich, dass seine Partei keinesfalls Gespräche mit der CDU führen werde.

    Rot-Rot-Grün wäre ebenfalls eine denkbare Lösung, immerhin werden beide Koalitionen momentan mit exakt 52 Prozent gehandelt. Lencke Steiner, Spitzenkandidatin der FDP in Bremen, spricht von einem Wechsel, der sich in den Umfragen erkennen ließe. „Löst sich das am Wahltag so ein, dann muss auch eine Koalition des Wechsels Bremens Zukunft gestalten.“ Für sie steht ebenfalls fest: „Wenn die CDU die stärkste Kraft ist, dann hat sie den Regierungsauftrag“, sagte Steiner gegenüber Focus. Rot-Rot-Grün wäre für sie „am Wähler-Willen vorbei.“ In die Karten schauen lässt sich kein Kandidat so kurz vor der Wahl. Trotz der Europawahl 2019 sind die Bürgerschaftswahlen in Bremen wichtig für Deutschland und könnten richtungsweisend für die gesamte Bundesrepublik werden.

    Zwei Städte und Fünf-Prozent-Hürde: Was die Bremen-Wahl 2019 so speziell macht

    Update vom 24. Mai 2019: Im kleinsten Bundesland der Republik geht es am Wochenende politisch heiß her. In Bremen weist das Wahlrecht im Vergleich zu anderen Bundesländern einige Besonderheiten auf, die auch den Wahlausgang beeinflussen können. So besteht das 1947 gegründete Bundesland Bremen aus den beiden räumlich getrennten Städten Bremen und Bremerhaven. Beide gelten bis heute bei Bürgerschaftswahlen als zwei selbstständige Wahlbereiche.

    Von großer politischer Bedeutung ist, dass auch die Fünfprozenthürde in beiden Städten separat angewandt wird. Deshalb kann eine Partei, die im Bundesland Bremen insgesamt an dieser Hürde scheitern würde, trotzdem in die Bürgerschaft einziehen. Davon profitierte in den vergangenen Jahren die rechtspopulistische Partei Bürger in Wut (BIW), die lediglich in Bremerhaven mehr als fünf Prozent erreichte.

    Dies kann wiederum auch Einfluss auf die Mehrheitsverhältnisse haben und die Ergebnisermittlung verkomplizieren. Diese dauert in Bremen ohnehin relativ lange, weil jeder Wähler insgesamt fünf Stimmen hat, die er beliebig verteilen kann. Ein vorläufiges amtliches Ergebnis wird die Wahlleitung daher erst am Mittwoch nach der Wahl liefern, am Wahlabend selbst gibt es lediglich eine amtliche Hochrechnung.

    Im Wahlbereich Bremen ist die Bürgerschaftswahl außerdem fest mit der Kommunalwahl verknüpft. Die dort gewählten Abgeordneten bilden in einer Doppelfunktion zugleich die Bremer Stadtbürgerschaft. Es kann aber theoretisch Abweichungen geben, weil auch EU-Ausländer bei Kommunalwahlen kandidieren und abstimmen können. In Bremerhaven wird das Kommunalparlament hingegen in einem eigenen Wahlgang bestimmt.

    SPD droht bei der Bremen-Wahl Schlappe historischen Ausmaßes

    Update vom 22. Mai 2019: In Bremen sind die Menschen am Sonntag aufgerufen, über eine neue Bürgerschaft zu entscheiden. Die erste Wahl eines Landesparlaments in diesem Jahr könnte insbesondere für die SPD einschneidende Folgen haben. Der in Bremen schon seit 73 Jahren regierenden Partei droht Umfragen zufolge eine Schlappe historische Ausmaßes, der Machtverlust in ihrer einst unangefochtenen Hochburg scheint möglich.

    Den Befragungen zufolge liefern sich SPD und CDU ein enges Rennen mit zuletzt zunehmend deutlicheren Vorteilen für die an der Weser traditionell schwache CDU. In einer am Mittwoch vorgelegten Befragung des Instituts Insa für die "Bild"-Zeitung zog die Partei mit ihrem Spitzenkandidaten Carsten Meyer-Heder der SPD um ihren Bürgermeister Carsten Sieling sogar um fünf Prozentpunkte davon.

    Carsten Sieling (SPD) will nach der Bremen-Wahl 2019 nicht mit CDU und FDP koalieren.

    Während die Christdemokraten darin 28 Prozent erreichten, kamen die Sozialdemokraten nur auf 23 Prozent. Falls sich dies am Wahlabend bestätigt, wäre dies für die SPD ein Einbruch um rund weitere zehn Prozentpunkte im Vergleich zu ihrem bereits historisch schlechten Ergebnis bei der Bürgerschaftswahl 2015, als sie 32,8 Prozent bekam.

    "Die SPD hat eine schwere Zeit", räumte Sieling kürzlich unumwunden ein. Verantwortlich macht er nicht zuletzt das schlechte Gesamtbild der SPD. Auf Bundesebene lag diese in Umfragen zuletzt bei 16 bis 17 Prozent. Die Daten seien "nicht gut". Zudem habe die SPD den Bremern im Zuge der Haushaltskonsolidierung viel zumuten müssen.

    Aber auch CDU-Herausforderer Meyer-Heder, der mit seiner Partei zur stärksten Kraft im Bremer Landesparlament werden will, zeigte sich mit den Umfragewerten während des Wahlkampfendspurts unzufrieden. "Da muss mehr kommen", sagte der im vorigen Jahr in die Politik gewechselte Unternehmer. Am Ziel "30 Prozent plus X" halte er fest.

    Bremen-Wahl 2019: SPD-Mann Sieling will keine Koalition mit CDU und FDP

    Update vom 21. Mai, 12.34 Uhr: Bremens SPD-Spitzenkandidat Carsten Sieling hat unmittelbar der Bürgerschaftswahl am Sonntag Koalitionen mit CDU und FDP ausgeschlossen. Bremen stehe vor einer "Richtungswahl", sagte Sieling am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin". Seine erste "Koalitionspräferenz" sei daher Rot-Grün, die zweite dann Rot-Rot-Grün.

    In den Umfragen liefern sich SPD und CDU im kleinsten Bundesland ein enges Rennen um den Platz der stärksten Partei, zuletzt lag die CDU dabei leicht vorn. Seit 2015 regiert Sieling als Bürgermeister an der Spitze eines rot-grünen Senats. Die SPD regiert seit 73 Jahren.

    Die Koalitionsbildung könnte den Umfragen zufolge schwierig werden. Mehrheiten gibt es demnach rechnerisch für eine große Koalition aus SPD und CDU sowie Dreierbündnisse einer der beiden mit anderen Parteien. Für eine Fortsetzung von Rot-Grün reicht es demnach nicht.

    Die CDU favorisiert ein Jamaika-Bündnis mit Grünen und FDP, schließt aber auch eine große Koalition bislang nicht aus. Die Grünen legen sich ausdrücklich nicht fest und halten sich Gespräche mit allen "demokratischen Parteien" nach der Wahl offen, wie Spitzenkandidatin Maike Schaefer am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin" betonte.

    Bürgerschaftswahl Bremen: SPD droht Schlappe historischen Ausmaßes - News vom Montag

    14.20 Uhr: In Bremen sind die Menschen am Sonntag kommender Woche aufgerufen, über eine neue Bürgerschaft zu entscheiden. Die erste Wahl eines Landesparlaments in diesem Jahr könnte insbesondere für die SPD einschneidende Folgen haben. Der in Bremen schon seit 73 Jahren regierenden Partei droht Umfragen zufolge eine Schlappe historische Ausmaßes, der Machtverlust in ihrer einst unangefochtenen Hochburg scheint möglich.

    Den Befragungen zufolge liefern sich SPD und CDU ein enges Rennen mit zuletzt zunehmend deutlicheren Vorteilen für die an der Weser traditionell schwache CDU. In einer am Donnerstag vorgelegten Befragung des Instituts Infratest dimap für die ARD zog die Partei mit ihrem Spitzenkandidaten Carsten Meyer-Heder der SPD um ihren Bürgermeister Carsten Sieling sogar um drei Prozentpunkte davon.

    Während die Christdemokraten darin 27 Prozent erreichten, kamen die Sozialdemokraten nur auf 24 Prozent. Falls sich dies am Wahlabend bestätigt, wäre dies für die SPD ein Einbruch um weitere fast neun Prozentpunkte im Vergleich zu ihrem bereits historisch schlechten Ergebnis bei der Bürgerschaftswahl 2015, als sie 32,8 Prozent bekam.

    Die Lage sei "schwierig", räumte Sieling kürzlich während des Wahlkampfs öffentlich unumwunden ein. Er sei "nicht zufrieden". Verantwortlich macht er das schlechte Bild der SPD im Bund. Auf Bundesebene lag diese in Umfragen zuletzt bei 16 bis 17 Prozent.

    13.32: Angesichts des anhaltenden Umfragetiefs der SPD bahnt sich laut einem Zeitungsbericht ein Aufstand gegen die Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles an. Mit entscheidend dürfte der Wahlausgang in Bremen sein...

    Update vom 20. Mai 2019: In der Bremer Landespolitik spielen Rechtspopulisten schon länger eine Rolle als in anderen Ländern. Die regional agierende Partei Bürger in Wut (BIW) ist seit 2007 in der Bürgerschaft vertreten. Dabei profitiert sie auch von den Besonderheiten im Bremer Wahlrecht. Danach reicht es aus, die Fünfprozenthürde in einer der beiden Städte Bremen und Bremerhaven zu überspringen, die gemeinsam das Bundesland Bremen bilden.

    Während die von dem Bürgerschaftsabgeordneten Jan Timke geführte BIW in der Stadt Bremen keine größere Rolle spielen, gelang ihnen über den Wahlbereich Bremerhaven wiederholt der Einzug in das Landesparlament. Dabei errang die Partei zunächst immer ein Mandat, wuchs durch Übertritte aus anderen Parteien während der Legislaturperioden aber zu einer parlamentarischen Gruppe. Derzeit stellt sie drei Abgeordnete.

    Verantwortlich dafür waren personelle Fluktuationen zwischen ihr und der AfD, die in Bremen wie im Bund in den vergangenen Jahren einen Spaltungsprozess durchlief. Die AfD trat bei der Bürgerschaftswahl 2015 erstmals an, zog damals auf Anhieb mit landesweit 5,5 Prozent ins Parlament ein. Anfangs stellte sie deshalb vier Bürgerschaftsabgeordnete

    Update vom 14. Mai 2019: Die Bremer CDU muss im Vorfeld der Bürgerschaftswahl einen Schicksalsschlag verkraften. Der Landesvorsitzende Jörg Kastendiek ist verstorben.

    Sorgt der Quereinsteiger bei der Bremen-Wahl für Furore?

    Update vom 13. Mai: Mit seiner Vita als Quereinsteiger und Neuling auf dem politischen Parkett wirbt Carsten Meyer-Heder offensiv, manche sagen sogar kokett: „Ich bin kein Politiker“, sagt der 58-Jährige. Seit Monaten arbeitet er allerdings nur an einem Ziel: Als erster CDU-Bürgermeister nach Kriegsende ins Bremer Rathaus zu ziehen und damit auch Regierungschef des kleinsten deutschen Bundeslandes zu werden.

    Die politische Laufbahn des erfolgreichen Software-Unternehmers ist gerade mal ein gutes Jahr alt. Im Frühjahr 2018 trat er in die CDU ein - und Bremens größte Oppositionspartei hievte den Quereinsteiger im Oktober mit einem Ergebnis von 100 Prozent umgehend als Spitzenkandidaten auf Listenplatz 1. Auch im überschaubaren Bremen eine rasante Karriere.

    Dabei ist der Zwei-Meter-Mann mit markanter Vollglatze und Kinnbart alles andere als ein typischer CDU-Mann. Sein Vater war bei der FDP, und auch die Liberalen hätten wohl durchaus seine politische Heimat werden können. Und wer Carsten Meyer-Heder - kurz „CMH“ - in den 1980er Jahren kannte, hätte ihn eher ziemlich weit links verortet. „Ich bin in jugendlichen Jahren sicher nicht derjenige gewesen, der dem Prototyp eines CDU-Wählers entsprochen hat“, räumte er gleich in seinem Vorstellungsbrief an die Partei im Januar 2018 ein.

    Kampf gegen Kapitalismus und Mercedes: Das sagt Meyer-Heder heute

    Als Abiturient opponierte er gegen den Kapitalismus und die Ansiedlungspläne von Mercedes-Benz in Bremen. „Bremen ohne Mercedes - heute unvorstellbar“, sagt Meyer-Heder, der über diese Jugend-Anekdote heute nur noch schmunzeln kann. Mercedes hat in Bremen eines seiner weltweit größten Werke. Auch sonst trennten den Hippie mit schulterlangen Haaren und Vollbart, der Schlagzeug spielte und jahrelang in einer 10er-WG im Bremer Szene-Stadtteil „Viertel“ lebte, viel von der Welt der Jungen Union.

    Dass er in der Politik noch viel lernen muss, weiß der Vater dreier schulpflichtiger Kinder, der in einer Patchwork-Familie lebt und in zweiter Ehe verheiratet ist. Freie Reden sind seine Sache noch nicht. Aber er ließ sich - wie die meisten Politiker - coachen, um sattelfester in Aussagen und bei Auftritten zu werden. Der CDU bescheinigte er viel Mut, einen Quereinsteiger wie ihn aufs Schild gehoben zu haben. Aus Wissenslücken macht Meyer-Heder im Wahlkampf keinen Hehl, sondern fast eine Tugend. Freimütig räumt er ein, in vielen Feldern - Bildung, Soziales, Innere Sicherheit - noch nicht sprechfähig zu sein.

    Der 58-Jährige ist Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter des heute 1000 Mitarbeiter zählenden Bremer IT-Unternehmens team neusta. Die Führung gab er bereits 2018 an langjährige Kollegen ab. Auch Politik sieht er als Gemeinschaftsleistung. Die mangelnde Teamarbeit in der rot-grünen Regierung ist einer seiner Hauptkritikpunkte. „Ich habe mich deshalb dafür entschieden, als Spitzenkandidat und gemeinsam mit der CDU für diesen politischen „Reset“ zu kämpfen“, schreibt er auf seiner Homepage. „Ich will Bürgermeister werden.“

    Mehr über den Politiker und seine Ziele können Sie auch im Interview mit Carsten Meyer-Heder auf kreiszeitung.de* erfahren.

    SPD droht in ihrer einstigen Hochburg eine Schlappe historischen Ausmaßes

    Update vom 10. Mai: In Bremen sind die Menschen in gut zwei Wochen zur Wahl einer neuen Bürgerschaft aufgerufen. Die erste Wahl eines Landesparlaments in diesem Jahr könnte vor allem für die SPD einschneidende Folgen haben. Der in Bremen schon seit 73 Jahren regierenden Partei droht Umfragen zufolge eine Schlappe historischen Ausmaßes, sogar der Verlust der Macht in ihrer einstmals unangefochtenen Hochburg an der scheint möglich. Einer vor wenigen Tagen vorgelegten Befragung von Infratest dimap für Radio Bremen zufolge zog die in Bremen traditionell schwache CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Carsten Meyer-Heder knapp an der SPD um ihren Bürgermeister Carsten Sieling vorbei. Während die Christdemokraten 26 Prozent erreichten, kamen die Sozialdemokraten nur auf 25 Prozent.

    Für die SPD wäre dies ein Einbruch um weitere fast acht Prozentpunkte im Vergleich zu ihrem bereits historisch schlechten Ergebnis von 2015 von 32,8 Prozent. Die Lage sei "schwierig", räumt Sieling ein. Er sei "nicht zufrieden". Verantwortlich macht er das schlechte Bild der SPD im Bund. Auf Bundesebene lag die Partei in Umfragen zuletzt bei 16 bis 17 Prozent. Am Wahlziel, stärkste Kraft zu werden, hält Sieling aber fest. Aber auch CDU-Herausforderer Meyer-Heder, der mit seiner Partei zur stärksten Kraft im Bremer Landtag werden will, zeigt sich mit den Umfragewerten unzufrieden. "Da muss mehr kommen", sagt der erst im vorigen Jahr in die Politik gewechselte Unternehmer. An dem von ihm ausgegebenen Ziel "30 Prozent plus X" halte er jedenfalls weiter fest.

    Carsten Sieling (SPD) sitzt mit Maike Schaefer (r), Fraktionsvorsitzende der Grünen und Spitzenkandidatin, sowie Lencke Steiner, Spitzenkandidatin der FDP, bei einer Live-Talk-Runde.

    Sollte der Wahlausgang am 26. Mai der Umfrage entsprechen, wäre eine Fortsetzung der seit 2015 regierenden Koalition aus SPD und Grünen nicht möglich. Die in Bremen schon immer starken Grünen kamen darin zwar auf 18 Prozent, was einer weiteren Steigerung gegenüber ihrem Ergebnis von vor vier Jahren von 15,1 Prozent entspricht. Aber wegen der Schwäche der SPD würde dieses Ergebnis der Bremen-Wahl es rechnerisch nur für Dreierbündnisse unter Führung von SPD oder CDU sowie eine große Koalition dieser beiden reichen.

    Welche Chancen die SPD in Bremen hat, ihre Macht zu behaupten, analysiert auch merkur.de* im Vorfeld der Wahl.

    Bremer Spitzenkandidaten treffen in Fernsehdebatte aufeinander

    Ursprungsmeldung vom 8. Mai: Der ARD-Sender Radio Bremen überträgt die Elefantenrunde, an der unter anderem Bürgermeister Carsten Sieling für die SPD sowie Herausforderer Carsten Meyer-Heder für die CDU teilnehmen.

    Auch die Grünen, die Linke, die FDP, die AfD sowie die Bürger in Wut (BIW) entsenden ihre Spitzenkandidaten. Die sieben Politiker müssen Fragen von Moderatoren und aus dem Publikum beantworten. In Bremen entscheiden die Bürger am 26. Mai parallel zur Europawahl über die Zusammensetzung der Bürgerschaft. Im kleinsten deutschen Bundesland regiert derzeit eine Koalition aus SPD und Grünen.

    Jörg Kastendiek, der Bremer CDU-Landesvorsitzende und Ex-Wirtschaftssenator, ist im Alter von 54 Jahren gestorben. Er gehörte dem Landtag über 25 Jahre an.

    In Bremen wird am 26. Mai ein neuer Landtag gewählt. Am Wahlabend halten wir Sie in unserem Live-Ticker auf dem Laufenden. Seit 73 Jahren regiert die SPD, die CDU rechnet sich aber Chancen aus.

    Martin Schulz hat es laut eines Medienberichts auf den Posten von Andrea Nahles als SPD-Fraktionschef abgesehen. Ein neues SPD-Beben droht nach den Wahlen.

    Bremens Vorzeige-FDPlerin Lencke Steiner gilt als großes Talent. Nun hat sie einen neuen Mann an ihrer Seite - und das ist kein Unbekannter.

    afp

    *merkur.de und kreiszeitung.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

    Auch interessant

    Mehr zum Thema:

    Meistgelesen

    Tumultartige Szenen im Unterhaus: Johnson scheitert mit Antrag auf Neuwahlen
    Tumultartige Szenen im Unterhaus: Johnson scheitert mit Antrag auf Neuwahlen
    AKK im ARD-Sommerinterview - gelöschter Tweet sorgt für Verwirrung - CDU reagiert
    AKK im ARD-Sommerinterview - gelöschter Tweet sorgt für Verwirrung - CDU reagiert
    US-Vorwahlen: Diesen Demokraten sieht Trump vorne - Fiese Demenz-Stichelei bei TV-Debatte
    US-Vorwahlen: Diesen Demokraten sieht Trump vorne - Fiese Demenz-Stichelei bei TV-Debatte
    Brexit-Geheimplan: Hat Johnson ein Ass im Ärmel? Premier mit skurrilem Hulk-Vergleich
    Brexit-Geheimplan: Hat Johnson ein Ass im Ärmel? Premier mit skurrilem Hulk-Vergleich

    Kommentare