„Wie bei Man United“

Brexit vor Showdown: Röttgen setzt sich mit Tweet in die Nesseln - skurrile Debatte über Merkels Erbe folgt

Norbert Röttgen bei einer Brexit-Debatte im Bundestag
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Norbert Röttgen bei einer Brexit-Debatte im Bundestag (Archivfoto).

Die Brexit-Verhandlungen drohen mit einem Crash zu enden. Auch Norbert Röttgen warnt - und wird zur Zielscheibe von Spott. Britische Experten debattieren plötzlich die Merkel-Nachfolge.

  • Die Lage um den Brexit ist zunehmend ernst, der Druck für eine Einigung zwischen Großbritannien und der EU wächst.
  • Auch CDU-Außenexperte Norbert Röttgen meldet sich mit einem Tweet zu Wort - und erntet Kritik.
  • Brexit skurril: Die Experten-Debatte im Kurznachrichtendienst schwenkt schnell in einen Kanzler-Diskurs um. Die CDU-Kandidaten kommen dabei nicht gut weg.

London/Brüssel - Lange hat die Corona-Pandemie das Thema Brexit* an den Rand gedrängt. Doch nun wird es ernst. London mahnt die Unternehmen schon zur Vorbereitung auf alle Eventualitäten - auch wenn es in der EU immer noch den Glauben an eine Einigung in letzter Minute gibt. Klar ist, dass der „harte Brexit“ droht. Angesichts dieser prekären Lage hat sich Außenpolitik-Experte Norbert Röttgen in die Nesseln gesetzt. Für britische Experten eine Vorlage für Spekulationen und Scherze über die Nachfolge von Kanzlerin Angela Merkel in Deutschland.

Brexit: Lässt sich der „No Deal“ noch vermeiden? UK warnt Unternehmen schon

Ungeachtet des Ausgangs der Verhandlungen mit der EU werde es Veränderungen geben, „auf die Unternehmen sich jetzt vorbereiten müssen“, erklärte der für die Brexit-Vorbereitungen zuständige Staatssekretär Michael Gove am Dienstag. Es sei „keine Zeit zu verlieren“. Auch in einer neuen Verhandlungsrunde, die am Wochenende in London begonnen hatte, wurde trotz großen Zeitdrucks* bislang kein Durchbruch erzielt. Ohne eine Einigung droht zum Jahreswechsel ein harter Bruch in den Wirtschaftsbeziehungen.

Der irische Premier Micheál Martin hält unterdessen eine Einigung auf einen Handelspakt bis Ende der Woche für möglich. Das „Endspiel“ zwischen Großbritannien und der Europäischen Union sei nun erreicht, sagte Martin der Irish Times. Er sei „hoffnungsvoll“, dass man sich auf einen Deal einige. Martin hatte am Freitagabend mit dem britischen Premier Boris Johnson telefoniert. Ähnlich optimistisch hatte sich Martin allerdings auch schon vor etwa einer Woche geäußert.

Brexit: Röttgen postet Appell auf Twitter - britische Experten reagieren entnervt

Das Tauziehen mutiert mittlerweile also zu einem Nervenkrieg - oder einer Art „Chicken Game“, bei dem verliert, wer zuerst einlenkt. Norbert Röttgen, Anwärter auf den CDU-Vorsitz und Außenexperte*, hat in dieser Gemengelage mit einem Tweet Unmut auf sich gezogen.

Er hatte am Dienstagvormittag ein Posting in deutscher und englischer Sprache abgesetzt. Der Brexit sei nie von Argumenten, sondern von „Ideologie“ getrieben gewesen, erklärte der CDU-Politiker. „Jetzt muss es einmal um die Vernunft gehen, denn die Kosten sind für beide Seiten enorm hoch.“

Brexit: Briten spekulieren über Merkel-Nachfolge - und ziehen bösen Vergleich mit englischen Traditionsclub

Der Großbritannien-Chef des Wirtschafts-Thinktanks ECIPE, David Henig, reagierte entnervt. Er wertete die Äußerung als Schwächung der Verhandlungsposition der EU. „Ich habe keine Ahnung, warum führende deutsche Politiker derzeit die EU-Verhandlungsführer untergraben“, erklärte er in einem Antwort-Tweet. Derartige Äußerungen machten einen „No Deal“ wahrscheinlicher, da sie das Vereinigte Königreich an ein Nachgeben der Union in letzter Minuten glauben ließen. Andere Kommentatoren sprachen von einer „Steilvorlage“.

In der Folge entwickelte sich eine aus deutscher Sicht durchaus amüsante Debatte. Der britische Blogger und Dozent Jon Worth warnte Henig vor voreiligen Schlüssen: „Röttgen macht vielleicht Fehler, aber Laschet und besonders Merz, seine Rivalen, sind spürbar schlimmer“. Er empfahl einen Kanzler Söder*. „Er hat den besten politischen Spürsinn unter all den Genannten.“ Worth ist auch für die Grünen aktiv.

Henig äußerte mit Blick auf die Nachfolge Angela Merkels schlimme Befürchtungen - mit klar humoristischem Unterton. „Das sieht aus wie bei Man United, als sie Ferguson ersetzen wollten. Ein Versuch ist schon gescheitert, weitere werden folgen.“ Der Traditionsclub Manchester United hatte von 1986 bis 2013 unter Trainer Alex Ferguson große Erfolge gefeiert. Seither sind in sieben Jahren fünf Nachfolge-Coaches weitgehend erfolglos geblieben. (dpa/fn) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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