Briten-Wahl: Wird's jetzt schmutzig?

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Top-Kandidat Nick Clegg von den Liberaldemokraten sieht sich mit Skandal-Vorwürfen konfrontiert.

London - Der britische Wahlkampf könnte zwei Wochen vor der Parlamentswahl noch richtig schmutzig werden. Einer der Top-Kandidaten schimpft, er wurde in einer Woche "von Churchill zum Nazi".

Vor der zweiten von drei TV- Debatten geriet der Chef der Liberaldemokraten - der neue Star des Dreikampfes - wegen Parteispenden unter Druck. Nick Clegg wurde am Donnerstag vorgeworfen, dass ihm Geschäftsmänner Spenden auf sein persönliches Konto überwiesen hätten. Die Liberaldemokraten, die nach der ersten Fernseh-Debatte vor einer Woche in Umfragen nach oben geschossen waren, sahen jedoch eine “Schmierenkampagne“ gegen ihren Chef.

Wirbel um Nazi-Kommentar

Gleichzeitig hatte die konservative Boulevardzeitung “Daily Mail“ einen alten Kommentar Cleggs über die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ausgegraben. Demnach hatte Clegg 2002 - als er noch Europaabgeordneter war - erklärt, Großbritannien habe schwerer an der “Selbstüberschätzung“ nach dem Sieg über die Nazis zu tragen als Deutschland an seiner Schuld.

Am Donnerstagabend mussten sich Premierminister Gordon Brown, sein Herausforderer von den konservativen Tories, David Cameron, und Clegg einem zweiten TV-Duell stellen. Dabei sollten außenpolitische Fragen wie der Afghanistan-Einsatz und Europa im Vordergrund stehen. Die Briten wählen am 6. Mai ein neues Parlament.

Cleggs Beliebtheit war nach der ersten TV-Debatte in der britischen Geschichte so hoch geschnellt, dass Medien den 43-Jährigen schon zum neuen Winston Churchill oder Barack Obama hochstilisierten. “Ich glaube ich bin der einzige Politiker, der innerhalb von einer Woche von Churchill zum Nazi wurde“, sagte Clegg am Donnerstag. Gleichzeitig wies er jede Schuld in der Spendenangelegenheit von sich.

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Die konservative Zeitung “Daily Telegraph“ hatte berichtet, Clegg habe 2006 mehrmals Geld von drei Geschäftsleuten direkt auf sein eigenes Konto bekommen. Es soll sich um jeweils rund 250 Pfund (288 Euro) gehandelt haben. Damals war er noch nicht Chef der “LibDems“. Clegg sagte, sämtliche Spenden seien ordnungsgemäß angemeldet worden, was er in den kommenden Tagen beweisen wolle. Das Geld sei als Gehalt für einen Mitarbeiter bestimmt gewesen.

Als er 2007 zum Parteivorsitzenden gewählt wurde, habe man die Regelung geändert und das Geld sei direkt an das Parlamentsbüro der Liberaldemokraten gegangen. Die Tories forderten jedoch eine Untersuchung der Spenden. Wirtschaftsminister Peter Mandelson von der regierenden Labour-Partei nannte die Vorwürfe “schmutzig“ und “ziemlich armselig“.

Die Liberaldemokraten liegen in einer aktuellen Umfrage der Zeitung “Sun“ mit 31 Prozent zwei Punkte hinter den Tories an zweiter Stelle. Die sozialdemokratische Labour-Partei kommt mit 27 Prozent nur noch auf Platz drei. Jedoch spekuliert die Presse derzeit über eine mögliche Koalition zwischen Labour und den LibDems, um gemeinsam die Regierung zu stellen. Der Innenexperte der Liberaldemokraten, Chris Huhne, bemerkte, dass vor allem konservative Medien die Angriffe aufgegriffen hätten.

Wahrscheinliche Themen der Debatte am Donnerstagabend waren unter anderem die Einsätze britischer Truppen im Irak und in Afghanistan sowie die Einstellung der drei Parteien zu Europa. Während die Liberaldemokraten den Irak-Krieg abgelehnt hatten und den Einsatz in Afghanistan kritisieren, waren sowohl die Tories als auch Labour für ein Eingreifen im Irak. Auch verteidigen beide die Mission in Afghanistan. Sowohl die Liberaldemokraten als auch Labour stehen Europa und dem Euro grundsätzlich positiv gegenüber. Die Tories planen dagegen, mehr Macht von Brüssel nach London zurückzuholen.

Von Annette Reuther

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