Buback-Attentat: Becker bricht ihr Schweigen

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Verena Becker hat ihr Schweigen zum Buback-Attentat gebrochen.

Berlin - Bisher hat sie geschwiegen. Doch nun äußerte sich die Ex-RAF-Terroristin Verena Becker zu dem Attentat auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback.

Rund 35 Jahre nach dem Attentat auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback hat die frühere RAF-Terroristin Verena Becker eine Mitwirkung an dem Mordanschlag bestritten. Die 59-Jährige sagte am Montag im Prozess vor dem Oberlandesgericht Stuttgart: “An einer konkreten Anschlagsvorbereitung war ich nie beteiligt.“ Zum Nebenkläger Michael Buback, der wissen wolle, wer seinen Vater getötet hat, sagte die Angeklagte: “Diese Frage kann ich Ihnen nicht beantworten. Denn ich war nicht dabei.“

Becker betonte in ihrer persönlich verlesenen Erklärung an, sie sei am Tag des Anschlags, dem 7. April 1977, nicht in Deutschland, sondern im Nahen Osten gewesen. Als sie am 8. April 1977 nach Europa zurückgereist sei, habe sie in Rom “aus den Medien“ von dem Anschlag auf Buback erfahren.

RAF-Morde: Bilder vom Prozess gegen Verena Becker

RAF-Morde: Bilder vom Prozess gegen Verena Becker

Mit Sonnenbrille betritt Verena Becker den Gerichtssaal. © dpa
Die Bundesanwaltschaft wirft der 58 Jahre alten Angeklagten vor, an der Ermordung Siegfried Bubacks und seiner zwei Begleiter am 7. April 1977 beteiligt gewesen zu sein. © dpa
Der Medienandrang beim Prozess ist groß. © dpa
Laut Anklage soll Becker maßgeblich an der Entscheidung für den Mordanschlag, an dessen Planung und der Verbreitung der Bekennerschreiben mitgewirkt haben. © dpa
Michael Buback, Siegried Bubacks Sohn, fährt am Donnerstag (30.09.2010) in Stuttgart in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Stammheim. © dpa
Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart hat 17 Verhandlungstage bis zum 21. Dezember angesetzt. © dpa
Das RAF-Logo ist am Donnerstag (30.09.2010) in Stuttgart an einem Zaun vor der Mehrzweckhalle der Justizvollzugsanstalt (JVA) Stammheim auf einem Plakat zu sehen, das Symphatisanten kurz zuvor dort aufgehängt hatten. © dpa
Bis heute ist ungeklärt, welches RAF-Mitglied bei dem Attentat in Karlsruhe die tödlichen Schüsse auf den 57-jährigen Buback und dessen zwei Begleiter - den 30-jährigen Fahrer Wolfgang Göbel und den 43-jährigen Justizwachtmeister Georg Wurster - abgefeuert hat. © dpa
Ein Mann steht in Stuttgart vor der Mehrzweckhalle der Justizvollzugsanstalt (JVA) Stammheim, in der sich das Oberlandesgericht Stuttgart befindet. © dpa
Verena Becker (M) steht zusammen mit ihren Anwälten Hans Wolfgang Euler (l) und Walter Venedey (r) im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts Stuttgart in Stuttgart-Stammheim. © dpa
Im Zusammenhang mit dem Buback-Attentat wurden in den 80er Jahren die RAF-Mitglieder Brigitte Mohnhaupt, Christian Klar und Knut Folkerts wegen Mordes verurteilt - allerdings lediglich als “Mittäter“. © dpa
Auch Becker war wegen einer anderen Tat bereits zu einer lebenslänglichen Haft verurteilt und 1989 begnadigt worden. © dpa

Es war die erste Aussage der wegen Mittäterschaft angeklagten Becker zu den Vorwürfen in dem seit anderthalb Jahren laufenden Prozess. Nachfragen der Verfahrensbeteiligten beantwortete sie nicht. Die Angeklagte begründete ihre Aussage damit, dass gegen sie mehrere falsche Beschuldigungen erhoben worden seien, die sie nicht so habe stehen lassen können. “Ohne falsche Behauptungen wäre die Anklageerhebung nicht möglich gewesen“, sagte sie am 89. Verhandlungstag.

Zu dem Umstand, dass bei ihrer Festnahme im Mai 1977 die bei dem Mordanschlag auf Buback benutzte Tatwaffe sichergestellt wurde, sagte Becker, mit dieser Waffe - einem Selbstladegewehr HK 43 - habe sie “nie geschossen“. Sie sei bis zu ihrer Festnahme auch “nie in Karlsruhe gewesen“.

1976 über Anschlag beraten

Sie bestätigte zwar, 1976 bei mehreren Treffen der RAF dabei gewesen zu sein, darunter einem im Harz. Dort sei auch über einen Anschlag auf Generalbundesanwalt Buback gesprochen worden, es sei dabei aber “keine abschließende Entscheidung gefallen“. Sie habe sich auch “bei der grundsätzlichen Entscheidung, verschiedene Aktionen anzugehen, in keiner Weise hervorgetan“.

Damit widersprach sie einer Aussage des RAF-Aussteigers Peter-Jürgen Boock, der ein zentraler Zeuge für die Bundesanwaltschaft ist. Die Bundesanwaltschaft wirft Becker vor, an der Ermordung von Buback und seinen beiden Begleitern beteiligt gewesen zu sein. Sie soll maßgeblich an der Entscheidung für den Mordanschlag, an dessen Planung und Vorbereitung sowie der Verbreitung der Bekennerschreiben mitgewirkt haben.

Buback, sein Fahrer Wolfgang Göbel und der Justizwachtmeister Georg Wurster hatten mit dem Dienstwagen an einer Ampel gestoppt, als ein Motorrad mit zwei Personen heranfuhr. Die Todesschüsse wurden vom Soziussitz der Maschine abgefeuert. 

Michael Buback enttäuscht

Wegen des Attentats wurden bisher die RAF-Terroristen Brigitte Mohnhaupt, Christian Klar und Knut Folkerts verurteilt - allerdings lediglich als “Mittäter“. Ihre genauen Tatbeiträge konnten nie völlig geklärt werden. Bundesanwalt Walter Hemberger sagte, die Erklärung Beckers sei “an das bisherige Ergebnis der Hauptverhandlung angepasst“. Auch aus Sicht der Bundesanwaltschaft sei an der “Spekulation“, dass Becker geschossen haben könnte, “nichts dran“. Becker habe in ihrer Aussage aber “nur den halben Weg beschritten“. Sie habe dazu geschwiegen, wer der Todesschütze gewesen sei. Er sei überzeugt, dass Becker wisse, wer es war, sagte Hemberger. Er hätte auch erwartet, dass sie ihren Lebensweg mit der RAF als “Fehler“ eingestuft hätte.

Nebenkläger Michael Buback, der Becker als Todesschützin verdächtigt hat, zeigte sich enttäuscht. Er empfinde ihre Erklärung “in allen wesentlichen Punkten als unzureichend“. Denn Becker wisse sicher, wer die Täter gewesen seien, sagte Buback. Er habe einen “ganz kleinen Funken Hoffnung“ gehabt, dass sie “die Buback-Geschichte“ weiter aufklären würde. Sie sei aber weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

dapd

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