Bundesregierung weist neue iranische Vorwürfe zurück

+
Vor dem Dresdner Rathaus kleben am Samstag (11.07.2009) zwei Männer ein Foto der am Mittwoch (01.07.2009) im Dresdner Landgericht erstochenen Ägypterin Marwa El Sherbiny an die Wand.

Berlin - Die Bundesregierung hat neue Vorwürfe der iranischen Führung wegen der Ermordung einer Ägypterin in einem Gerichtssaal in Dresden “mit aller Schärfe“ zurückgewiesen.

Die Behauptung, die 31-Jährige sei im Auftrag der Bundesregierung

Lesen Sie hierzu auch:

Ahmadinedschad fordert Sanktionen gegen Deutschland

Angeklagter ersticht Zeugin im Gerichtssaal

getötet worden, sei “absurd“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Mittwoch in Berlin. “Wer solcherlei Rede führt, disqualifiziert sich selbst.“ Die stellvertretende Präsidentin Sahra Sadschadi hatte zuvor in Teheran behauptet, Marwa El-Sherbini sei im Auftrag der Bundesregierung ermordet worden. Der in Dresden wegen Mordes verhaftete Täter, ein Russlanddeutscher (28), hüllt sich indes weiter in Schweigen. Regierungssprecher Steg reagierte auf Äußerungen von Sadschadi, die der iranischen Nachrichtenagentur Fars gesagt hatte: “Der Mörder hat ohne weiteres den Gerichtssaal mit einer Waffe betreten, daher sollten wir davon ausgehen, dass er im Auftrag der Bundesregierung gehandelt hat.“ Zuvor hatte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad die Vereinten Nationen aufgefordert, Sanktionen gegen Deutschland zu verhängen.

Bilder: Bluttat am Dresdner Landgericht

Fotos

Das Verbrechen löste in den vergangenen Tagen zahlreiche Proteste in der islamischen Welt aus. Am Dienstag hatten sich erneut Hunderte von regimetreuen Frauengruppen vor der deutschen Botschaft in Teheran versammelt und mit Rufen wie “Nieder mit Deutschland“ gegen die Bundesregierung demonstriert.

Die schwangere Ägypterin, die ein islamisches Kopftuch trug, war am 1. Juli während eines Berufungsprozesses im Landgericht Dresden angegriffen und mit mindestens 18 Messerstichen getötet worden. Der Ehemann (32) der Frau wurde schwer verletzt, als er ihr zur Hilfe kam. Die Tat geschah vor den Augen ihres dreijährigen Sohnes. Der Täter sitzt in Untersuchungshaft.

Das Opfer hatte ihn im Sommer 2008 wegen Beleidigung angezeigt. Dessen Ausländerfeindlichkeit sei durch seinen Auftritt vor dem Amtsgericht Ende 2008 belegt, sagte Oberstaatsanwalt Christian Avenarius in Dresden. Hinweise auf Kontakte oder Zugehörigkeit des Mannes zur rechten Szene gebe es bisher aber nicht. Das in der Wohnung des Täters sichergestellte Material werde noch ausgewertet. Der Mann habe sich noch nicht geäußert.

Über den 1981 in Perm am Ural geborenen und seit 2003 in Deutschland lebenden Lagerarbeiter werde ein psychiatrisches Gutachten erstellt. Der Mann habe Hartz IV bezogen und gelegentlich für eine Zeitarbeitsfirma gearbeitet.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Gipfel: Merkel und Scholz erreichen Lockdown-Einigung - FDP für Pläne, doch es gibt ein großes aber...
POLITIK
Corona-Gipfel: Merkel und Scholz erreichen Lockdown-Einigung - FDP für Pläne, doch es gibt ein großes aber...
Corona-Gipfel: Merkel und Scholz erreichen Lockdown-Einigung - FDP für Pläne, doch es gibt ein großes aber...
Impfungen: Lauterbach legt gegen Wagenknecht nach - „Völlig absurd“
POLITIK
Impfungen: Lauterbach legt gegen Wagenknecht nach - „Völlig absurd“
Impfungen: Lauterbach legt gegen Wagenknecht nach - „Völlig absurd“
Letzter Ausweg Impfpflicht - Was die Politik jetzt tun will
POLITIK
Letzter Ausweg Impfpflicht - Was die Politik jetzt tun will
Letzter Ausweg Impfpflicht - Was die Politik jetzt tun will
Belarus: Mehr als 100 Migranten ausgeflogen – Lukaschenko will Geld
POLITIK
Belarus: Mehr als 100 Migranten ausgeflogen – Lukaschenko will Geld
Belarus: Mehr als 100 Migranten ausgeflogen – Lukaschenko will Geld

Kommentare