Letzte Umfragen zur Bundestagswahl

Mini-Vorsprung für Schwarz-Gelb oder Patt

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Der Ausgang der Bayern-Wahl hat Umfragen zufolge die Mehrheitsverhältnisse im Bund nicht wesentlich verändert. Das neue ZDF-„Politbarometer“ ergab wenige Tage vor der Bundestagswahl eine hauchdünne Mehrheit für Schwarz-Gelb.

Berlin - Das neue ZDF-„Politbarometer“ ergab wenige Tage vor der Bundestagswahl eine hauchdünne Mehrheit für Schwarz-Gelb. Einer anderen Umfrage zufolge gibt es eine Patt-Situation.

Der Live-Ticker zur Bundestagswahl 2013

Bundestagswahl 2013: Die Ergebnisse der oberbayerischen Wahlkreise finden Sie hier.

Deutschland hat die Wahl: Insgesamt 61,8 Millionen Bundesbürger entscheiden an diesem Sonntag, wer in Berlin künftig regiert. Nach allen Umfragen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gute Aussichten, vier weitere Jahre im Amt zu bleiben - aber möglicherweise mit einem neuen Partner. Die amtierende Koalition aus Union und FDP steht nach den letzten Zahlen sehr auf der Kippe. Möglich wäre auch die Neuauflage einer großen Koalition oder erstmals Schwarz-Grün. Ein rot-rot-grünes Bündnis schließt die SPD aus.

Nach den jüngsten Umfragen gibt es zwischen dem aktuellen Regierungslager und der jetzigen Opposition im Bundestag praktisch ein Patt. Das Allensbach-Institut ermittelte im Auftrag der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstag) 39,5 Prozent für die Union und 5,5 Prozent für die FDP - zusammen 45 Prozent. Die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück liegt demnach bei 27, Grüne und Linke jeweils bei neun - also ebenfalls 45 Prozent.

Bundestagswahl 2013: Hintergründe und Infos finden Sie hier!

Das letzte ZDF-„Politbarometer“ vor der Wahl sowie eine RTL-Umfrage kommen auf sehr ähnliche Zahlen. Beide sehen die Union bei 40 Prozent, die FDP bei 5,5 beziehungsweise genau 5 Prozent. Die SPD kann laut „Politbarometer“ auf 27 (RTL: 26) Prozent hoffen, die Grünen auf 9 (9) und die Linke auf 8,5 (9) Prozent. Die Euro-Gegner von der Alternative für Deutschland (AfD) würden mit 4 oder 4,5 Prozent knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

Alle Beteiligten weisen jedoch darauf hin, dass solche Zahlen keineswegs das Wahlergebnis vorwegnehmen. Immer noch sind Abweichungen von mehreren Prozentpunkten nach oben und unten möglich, was die Gewichte völlig verschieben kann. Zudem sind viel mehr Deutsche als bei früheren Bundestagswahlen noch nicht sicher, wem sie am Sonntag tatsächlich ihre Stimme geben.

Die Parteien machen deshalb Wahlkampf bis zur letzten Minute. Auch Merkel und Steinbrück haben für Samstag nochmals mehrere Veranstaltungen geplant. Jetzt wird vor allem um die sogenannte Zweitstimme gebuhlt, die die Wahl letztlich entscheidet. Insbesondere die FDP setzt darauf, dass Merkel-Anhänger für sie stimmen, damit sie im Bundestag bleibt und Schwarz-Gelb weitermachen kann.

Bundestagswahl 2013 in Zahlen und Fakten

Bundestagswahl 2013 in Zahlen und Fakten

Am Sonntag können 61,8 Millionen Wahlberechtigte ihre Stimmen bei der Bundestagswahl abgeben. Darunter sind drei Millionen Erstwähler. Über die aktuellen Ereignisse und Ergebnisse der Bundestagswahl 2013 informieren wir Sie in unserem Live-Ticker. © dpa (Symbolbild)
Insgesamt 4451 Kandidaten stellen sich zur Wahl. Das sind 900 mehr als bei der letzten Bundestagswahl. © dpa (Symbolbild)
Generell gibt es 299 Wahlkreise mit jeweils zwei Arten von Kandidaten: Direkt- und Listenkandidaten. © dpa (Symbolbild)
Jeder Wähler kann sein Kreuz zweimal setzen: mit der Erststimme bei einem Direktkandidaten und mit der Zweitstimme bei einer Liste mit mehreren Kandidaten. © dpa (Symbolbild)
Die Zweitstimme entscheidet darüber, wie stark eine Partei im Bundestag vertreten ist. Jede Partei, die mindestens fünf Prozent aller Zweitstimmen oder drei Direktmandate bekommt, erhält so viele Sitze, wie ihrem Prozentergebnis entsprechen. © dpa (Symbolbild)
Wenn mehr als ein Kreuz pro Spalte gesetzt ist, nichts markiert wurde oder unklar ist, für wen das Kreuz gesetzt wurde, ist der Stimmzettel ungültig. © dpa (Symbolbild)
Wenn jemand mit einem T-Shirt Werbung für eine Partei macht, darf er damit nicht ins Wahllokal - unerlaubte Wählerbeeinflussung. © dpa (Symbolbild)
Nach der Wahl wird zunächst ermittelt, wie viele von den insgesamt 598 Sitzen  einer Partei zustehen. Dann werden diese Sitze in den Bundesländern auf die Landesverbände der Partei verteilt. © dpa (Symbolbild)
Innerhalb der Landesverbände erhalten zuerst alle direkt gewählten Wahlkreiskandidaten einen Sitz. Bleiben welche übrig, gehen diese an die Kandidaten der Landesliste entsprechend deren Reihenfolge. © dpa (Symbolbild)
Voraussichtlich am 9. Oktober stellt der Bundeswahlausschuss das endgültige Ergebnis der Wahl in einer öffentlichen Sitzung fest. © dpa (Symbolbild)
Innerhalb von 30 Tagen, spätestens aber am 22. Oktober, muss der neu gewählte Bundestag erstmals zusammentreten. © dpa (Symbolbild)
Der älteste anwesende Abgeordnete leitet die Sitzung sowie die Wahl des Bundestagspräsidenten und seiner Stellvertreter. © dpa (Symbolbild)
Aufgabe des Bundestages ist auch die Wahl des Bundeskanzlers. Der Vorschlag für einer Kandidatin oder einen Kandidaten kommt vom Bundespräsidenten. © dpa (Symbolbild)
Die Wahl des Bundeskanzlers erfolgt dann ausschließlich durch die Abgeordneten, ohne vorherige Absprache und geheim. Der Kandidat benötigt die absolute Mehrheit der Stimmen des Parlaments. © dpa (Symbolbild)

Die Union will das Bündnis mit der FDP ebenfalls fortsetzen, wehrt sich aber gegen die Zweitstimmenkampagne des bisherigen Partners. Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer mahnte die FDP in der „Welt“, „sich nicht gegenseitig die Stimmen streitig zu machen“. Merkel bat ebenfalls mehrfach um beide Stimmen für die Union. Die Zweitstimme ist noch wichtiger als früher, weil Überhangmandate für gewählte Direktkandidaten nach dem neuen Wahlrecht im Bundestag ausgeglichen werden. Davon profitieren vor allem die kleineren Parteien.

SPD und Grüne streben - wie zwischen 1998 und 2005 - offiziell weiterhin ein rot-grünes Bündnis an, obwohl dies die Umfragezahlen nicht hergeben. Bei den Sozialdemokraten laufen aber auch schon Planspiele für eine neue große Koalition. Ihr Kanzlerkandidat Steinbrück hat mehrfach deutlich gemacht, dass er selbst dafür nicht zur Verfügung steht. Die verschiedenen Angebote der Linkspartei zur Zusammenarbeit stießen bei der SPD-Spitze weiterhin auf Ablehnung.

Der Bundestags-Wahlkampf 2013

Der Bundestags-Wahlkampf 2013

Bundestagswahl: Wahlkampf 2013
28. September 2012: Der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück wird als SPD-Kanzlerkandidat vorgestellt. © dpa
Bundestagswahl: Wahlkampf 2013
10. November: Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin werden zum Grünen-Spitzenduo bestimmt. © dpa
Bundestagswahl: Wahlkampf 2013
30. Dezember: Steinbrück irritiert mit seiner Aussage über das Kanzlergehalt in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. © dpa
Bundestagswahl: Wahlkampf 2013
5. Januar 2013: CSU-Chef Horst Seehofer macht in Kempten die Pkw-Maut zum Wahlkampfthema. Merkel ist gegen die Abgabe. © dpa
Bundestagswahl: Wahlkampf 2013
20. Januar: Nach zehn Jahren wird die CDU/FDP-Regierung in Niedersachsen abgewählt. Von links nach rechts: SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil, FDP-Spitzenkandidat Stefan Birkner und Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU). © dpa
Bundestagswahl: Wahlkampf 2013
21. Januar: Rainer Brüderle wird FDP-Spitzenkandidat. © dpa
Bundestagswahl: Wahlkampf 2013
21. Januar: Die Linkspartei bestimmt acht Spitzenkandidaten, unter anderem Sabine Zimmermann. © dpa
Bundestagswahl: Wahlkampf 2013
24. Januar: Der Artikel einer „Stern“-Reporterin über angeblich anzügliche Äußerungen Brüderles löst eine Debatte über Sexismus aus. © dpa
Bundestagswahl: Wahlkampf 2013
12. April: „Hätte, hätte Fahrradkette.“ Steinbrück kommentiert Irritationen im Zusammenhang mit dem SPD-Wahlkampfslogan "Das Wir entscheidet". © dpa
Bundestagswahl: Wahlkampf 2013
14. April: Die eurokritische Partei Alternative für Deutschland (AfD) veranstaltet ihren Gründungskongress in Berlin. © dpa
Bundestagswahl: Wahlkampf 2013
24. Mai: Die Grünen geben ein Forschungsprojekt über den Einfluss von Pädophilen in den Anfangsjahren der Partei in Auftrag. Auf dem Bild ist Grünen-Mitglied Daniel Cohn-Bendit zu sehen. © dpa
Bundestagswahl: Wahlkampf 2013
31. Juli: Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) räumt Fehler beim „Euro-Hawk“-Projekt ein. Merkel hält an ihm fest. © dpa
Bundestagswahl: Wahlkampf 2013
13. August: Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) erklärt, die Vorwürfe in der NSA-Ausspähaffäre seien „vom Tisch“. Die Opposition wirft der Kanzlerin fehlenden Aufklärungswillen vor. © dpa
Bundestagswahl: Wahlkampf 2013
1. September: Das einzige Fernsehduell zwischen Steinbrück und Merkel sehen mehr als 17,6 Millionen Zuschauer. © dpa
Bundestagswahl: Wahlkampf 2013
15. September: Die CSU holt bei der bayerischen Landtagswahl die absolute Mehrheit, die FDP scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde. Christian Ude (SPD) konnte Horst Seehofer als Ministerpräsident nicht ersetzen. © dpa
Bundestagswahl: Wahlkampf 2013
16. September: Es wird bekannt, dass Trittin 1981 für ein Kommunalwahlprogramm mit pädophilen Zielen verantwortlich zeichnete. © dpa

Insgesamt gehen für den 18. Deutschen Bundestag 34 Parteien mit annähernd 4500 Kandidaten ins Rennen. Sicher ist, dass Union (2009: 33,8 Prozent), SPD (23), Linkspartei (11,9) und Grüne (10,7) wieder ins Parlament kommen. Die FDP, die vor vier Jahren ein Rekordergebnis von 14,6 Prozent holte, muss zittern. Entscheidend könnte sein, ob es die AfD auf Anhieb ins Parlament schafft. Die Piraten haben trotz Erfolgen bei Landtagswahlen kaum Chancen.

Die Wahllokale öffnen am Sonntag um 08.00 Uhr. Die ersten Prognosen der großen Fernsehsender gibt es dann mit Ende der Stimmabgabe um 18.00 Uhr, gefolgt von den Hochrechnungen. Das vorläufige amtliche Endergebnis wird in der Nacht erwartet. Mit Interesse wird erwartet, ob die Wahlbeteiligung weiter sinkt. 2009 lag sie bei 70,8 Prozent. Die beiden Altkanzler Helmut Kohl (CDU) und Gerhard Schröder (SPD) riefen am Freitag dazu auf, vom Wahlrecht auf jeden Fall Gebrauch zu machen.

Der neue Bundestag mit seinen mindestens 598 Abgeordneten trifft sich spätestens am 22. Oktober zum ersten Mal. Bis dahin ist die schwarz-gelbe Bundesregierung auf jeden Fall noch im Amt.

dpa

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