Am Wahlabend

Gauland: AfD will „Frau Merkel jagen“ - Petry kritisiert Äußerungen

Markige Töne von AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland: Er kündigt an die Adresse der Bundesregierung an, dass seine Partei „Frau Merkel jagen“ wolle.

Berlin - Nicht nur die Spitzenpolitiker der anderen Parteien mussten nach der ersten Prognose zur Bundestagswahl schwer schlucken: Die AfD wird wohl mit über 13 Prozent in den Bundestag einziehen. Damit ist die Partei künftig die drittstärkste Kraft im Parlament.

Die AfD-Führung trat am Sonntag hingegen mit mächtig Selbstbewusstsein vor die Kameras - und mit markigen Worten, die vielen Zuhörern arg kampfeslustig vorkommen mussten. Spitzenkandidat Alexander Gauland sorgte schon kurz nach 18 Uhr für den ersten verbalen Paukenschlag.

Alle aktuellen Ergebnisse und Stimmen zur Bundestagswahl finden Sie in unserem Live-Ticker.

Gauland an die Adresse der Bundesregierung: „Wir werden sie jagen“

"Wir werden sie jagen", sagte Gauland vor jubelnden Parteifreunden in Berlin an die Adresse der neuen Bundesregierung. Die Partei wolle sich "unser Land und unser Volk zurückholen": Die neue Regierung könne sie „warm anziehen“.

Gauland nannte den Einzug in den Bundestag einen "großen Tag" in der Parteigeschichte der AfD. "Wir werden dieses Land verändern", sagte der stellvertretende Parteivorsitzende. Die AfD wolle sich dafür einsetzen, "dass das, was die Menschen auf der Straße denken, im Bundestag wieder eine Rolle spielt". 

Petry kritisiert Äußerungen Gaulands

AfD-Parteisprecherin Frauke Petry hat Äußerungen des Co-Vorsitzenden Alexander Gauland nach der Bundestagswahl kritisiert. „Das ist die Rhetorik, glaube ich, von der ich gesprochen habe, dass gerade der bürgerliche Wähler sie nicht als konstruktiv empfindet“, sagte Petry im ZDF-„Morgenmagazin“.

Die Partei müsse sich nun vor allem auf Inhalte konzentrieren, erwiderte Petry. „Ich möchte, dass die Themen zukünftig dominieren und nicht die abseitigen Äußerungen, die wir in der Vergangenheit gehört haben.“ In Sachsen, wo die Partei stärkste Kraft geworden war und Petry eines von drei Direktmandaten der Partei geholt hat, fahre die AfD seit Jahren diesen Kurs.

Meuthen attackiert Petry: Kritik an Spitzenduo ist „nicht hinnehmbar“

Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen hat die Co-Parteichefin Frauke Petry nach der Bundestagswahl heftig attackiert. Dass sich Petry zuletzt in öffentlichen Äußerungen wiederholt von den beiden AfD-Spitzenkadidaten Alexander Gauland und Alice Weidel distanziert habe, sei „wenig hilfreich“ gewesen und „nicht hinnehmbar“, sagte er am Montag in Berlin. Petry hatte nach der Wahl in einem Interview gesagt: „Wir müssten im Grunde genommen weit über 20 Prozent liegen bei solch schwacher Konkurrenz“, betonte Petry. „Das ist auch darauf zurückzuführen, dass wir einen Teil der bürgerlichen Klientel leider verschrecken.“

„Mehr Meinungspluralismus“: Höcke äußert sich softer

Die kleine Überraschung: Ausgerechnet Björn Höcke, Vertreter im rechten Parteiflügel der AfD äußerte sich nach der ersten Hochrechnung gemäßigter. „Das ist ein überragendes Ergebnis. Ich bin überglücklich“, sagte Höcke am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Mit Blick auf den Einzug seiner Partei in den Bundestag sagte er: „Wir werden mehr Meinungspluralismus erleben im Bundestag, wir werden eine lebendige Demokratie erleben durch die AfD.“

AfD feiert - SPD am Boden: Die Bilder zum Wahlabend

Bundestagswahl
Angela Merkel betonte in ihrem ersten Statement einen Erfolg: Ohne die Union sei keine Regierungsbildung möglich © dpa
Bundestagswahl - SPD
Martin Schulz schloss eine erneute Große Koalition am Sonntagabend aus © dpa
Bundestagswahl
Frieden: Martin Schulz und Angela Merkel reichen sich vorder „Elefantenrunde“ die Hände © dpa
Bundestagswahl
AfD-Chef Jörg Meuthen und CSU-Spitzenkandidat Joachim Herrmann begegneten sich ebenfalls in der „Berliner Runde“ © dpa
Bundestagswahl
In Streit gerieten später FDP-Chef Christian Lindner und SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz. Anlass: Die Absage der SPD für eine neue GroKo © dpa
Bundestagswahl
Über ein unerwartet gutes Ergebnis freuten sich die Grünen-Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir © dpa
Bundestagswahl
Betretene Gesichter gab es kurz nach 18 Uhr auf der Wahlparty der CDU © dpa
Bundestagswahl - SPD
Für Entsetzen sorgte das Wahlergebnis der SPD im Willy-Brandt-Haus © dpa
Bundestagswahl - SPD
Für Entsetzen sorgte das Wahlergebnis der SPD im Willy-Brandt-Haus © dpa
Bundestagswahl
Die AfD freute sich in Berlin über ihren ersten Einzug in den Bundestag © dpa
Bundestagswahl
AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland fand unmittelbar nach Schluss der Wahllokale harsche Worte: Er wolle die Regierung „jagen“ © dpa
Bundestagswahl
In Berlin demonstrierten einige hundert Menschen gegen die AfD © dpa
Bundestagswahl - Grüne
Jubel bei den Grünen - hier ist der bayerische Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek in München zu sehen. © dpa
Bundestagswahl
Auch in Berlin gerieten die Grünen in Feierlaune © dpa
Bundestagswahl
Fröhliche Liberale: Die FDP ist nun wieder im Bundestag vertreten © dpa
Bundestagswahl
Die FDP schaffte nach vier Jahren Pause den Wiedereinzug in den Bundestag - das Resultat: Freude im Hans-Dietrich-Genscher-Haus © dpa
Bundestagswahl
Zufrieden zeigte sich Linke-Chefin Katja Kipping bei der Wahlveranstaltung der Linken in Berlin © dpa
Bundestagswahl - SPD
Ende eines langen Wahlkampfes: Ein „Schulz 2017“-Ballon als Überrest der SPD-Wahlparty © dpa
Bundestagswahl
Banges Warten: Die AfD-Spitzenpolitiker Jörg Meuthen und Beatrix von Storch am frühen Sonntagabend © dpa
Bundestagswahl
Angela Merkel hatte am Nachmittag in Berlin ihre Stimme abgegeben © dpa
Bundestagswahl
Zum Wahllokal begleitet hatte sie ihr Mann, Joachim Sauer. © dpa
Bundestagswahl
Vizekanzler Sigmar Gabriel gab seine Stimme in Goslar ab © dpa
Bundestagswahl
Herausforderer Martin Schulz besuchte das Wahllokal - natürlich - in seiner Heimatstadt Würselen. © dpa
Bundestagswahl - AfD Petry
Auf Fotos der AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland und Alice Weidel an der Wahlurne wartete man vergeblich. Dafür ließ sich AfD-Chefin Frauke Petry ablichten. Im Hintergrund: Ihre Bodyguards. © dpa

Höcke betonte allerdings auch, seine Partei werde sich bei Fragen der Einwanderungs- und der Euro-Rettungspolitik fundamental gegen die Haltung der anderen Parteien stellen. Höcke selbst hatte nicht für den Bundestag kandidiert.

Parallel zum Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl haben sich am Sonntagabend in Berlin Demonstranten vor der Wahlparty der Rechtspopulisten versammelt. Etwa 100 Menschen zogen am Sonntagabend zum Alexanderplatz, wo die AfD-Anhänger sich in einem Club in einem Hochhaus versammelt hatten. Sie pfiffen und riefen Anti-AfD-Parolen. Die Polizei war mit einem größeren Aufgebot vertreten.

Merkel will AfD-Wähler „zurückholen“

Über das Wahlergebnis schockiert zeigten sich auf die Spitzen der anderen Bundestagsparteien. „Wir werden hier eine ausführliche Analyse vornehmen, denn wir wollen die Wählerinnen und Wähler der AfD zurückholen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer ersten Reaktion.

„Das ist eine Zäsur, und kein Demokrat kann darüber einfach hinweggehen“, sagte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz am Sonntagabend. Zentrale Aufgabe der SPD bleibe es, den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft zu organisieren. Man werde den Kampf für Demokratie, Toleranz und Respekt weiterführen. „Wir sind das Bollwerk der Demokratie in diesem Land.“

Bundestagswahl 2017: Welche Koalitionen sind möglich?

fn/dpa/AFP/Video: Glomex

Rubriklistenbild: © AFP

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