„Dein Jahr für Deutschland“

Kritik für Kramp-Karrenbauer und den neuen Heimatschutz - Doch das Interesse ist riesig

Im Sommer hatte Annegret Kramp-Karrenbauer erstmals den neuen Freiwilligendienst für den Heimatschutz vorgestellt. Das Interesse am neuen Programm ist groß - doch es gibt auch Kritik.

Update vom 6. April, 16.25 Uhr: Mit 325 Freiwilligen hat die Bundeswehr ihren neuen Wehrdienst im Heimatschutz gestartet. Der Freiwilligendienst solle jungen Menschen die Möglichkeit geben, „sich in einer sehr flexiblen Art und Weise für Deutschland einsetzen zu können“, sagte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in Berlin. Die Dienstleistenden durchlaufen ab Dienstag zunächst eine siebenmonatige Ausbildung in Wohnortnähe und sollen danach der Reserve zur Verfügung stehen.

Annegret Kramp-Karrenbauer und der Heimatschutz - Interesse höher als das Angebot

Insgesamt sollen in diesem Jahr 1000 Freiwillige ihren Dienst im Heimatschutz beginnen, wie die Ministerin sagte. Erfreut zeigte sie sich darüber, dass die Zahl der Interessenten jene der freien Plätze deutlich überstiegen habe: Dies zeige die Bereitschaft junger Menschen zum Dienst an dem Land. Das Angebot richte sich vor allem an junge Leute, die sich für die Bundeswehr interessieren, sich aber „nicht so fest“ an sie binden wollen, sagte Kramp-Karrenbauer. Nach Bundeswehrangaben ist ein Sechstel der neuen Dienstleistenden weiblich.

Die größten Unterschiede zum klassischen freiwilligen Wehrdienst sind nach Ministeriumsangaben die „heimatnahe Einplanung im Reservistendienst“ nach der Ausbildung sowie der Verzicht auf Auslandseinsätze. Die Freiwilligen durchlaufen zunächst eine normale Grundausbildung, an die sich dann eine dreimonatige Spezialausbildung im Heimatschutz anschließt - Schwerpunkt ist dabei vor allem der Objektschutz. Die Ausbildung umfasst aber auch Bereiche wie Sanitätswesen und Brandschutz.

Der Name Heimatschutz sei bewusst gewählt und korrigiere frühere Fehler, diesen Begriff den Rechten zu überlassen, ließ Kramp-Karrenbauer am Dienstag wissen. Kritik, die bezahlte militärische Ausbildung schwäche andere Organisationen, wies sie zurück. Die Bewerber interessierten sich gezielt für die Bundeswehr, wollten aber nicht ins Ausland.

Kramp-Karrenbauer stellt Freiwilligendienst für Heimatschutz vor - Für wen es sich eignet

Ursprungsartikel vom 6. April 2021: Berlin - „Dein Jahr für Deutschland“: Mit diesem Motto will Annegret Kramp-Karrenbauer am Dienstag (6.4.) für ihren neuen Freiwilligendienst für den Heimatschutz Werbung machen. Damit soll bei jungen Menschen das Interesse an einem einjährigen Dienst in der Bundeswehr geweckt werden. So zumindest der Plan der Verteidigungsministerin.

Der Plan der CDU-Politikerin sieht vor, dass die Soldaten nach einer siebenmonatigen militärischen Ausbildung sechs Jahre lang als Reservisten für den Heimatschutz bereitstehen. Zum Start des neuen Programms sollen insgesamt tausend Plätze bereitgestellt werden. Es sei ein Angebot vor dem Einstieg ins Berufsleben, vor dem Beginn von Studium und Ausbildung, während einer beruflichen Veränderung oder während einer gewählten beruflichen Auszeit, teilte das Ministerium vorab mit.

Kramp-Karrenbauer will mit neuem Freiwilligendienst junge Menschen rekrutieren

Kramp-Karrenbauer: Startschuss für ihr neues Projekt „Dein Jahr für Deutschland“

Erste kritische Stimmen gibt es bereits. Die Wehrbeauftragte Eva Högl mahnt zu mehr Realismus bei der Rekrutierung des neuen Freiwilligendienstes. „Ich höre häufig von Soldatinnen und Soldaten, dass bei der Personalgewinnung ein falsches Bild von der Bundeswehr vermittelt wird und sich der Alltag dann ganz anders darstellt“, erklärt die SPD-Politikerin im Gespräch mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Dienstag.

„Das schadet mehr als es nützt“, macht Högl deutlich und erhofft sich „ein realistisches Bild“ bei der Rekrutierung junger Menschen. Im Sommer teilte Kramp-Karrenbauer erstmals ihre Idee öffentlich mit, das Verteidigungsministerium berichtete im Nachgang von durchaus positivem Echo aus der Bevölkerung. Für die 1000 zu vergebene Plätzen hätten sich 9000 Interessierte gemeldet. 20 Prozent davon sollen Frauen gewesen sein.

Kramp-Karrenbauer muss Kritik einstecken - Freiwilligendienst sei „Schnupperkurs für die Bundeswehr“

Mit dem neuen Programm soll ein „zeitlich befristeter, sinnvoller Dienst“ in den Streitkräften, anschließend flexibel in der Reserve geleistet werden. Die Verwendung soll „nach der Grund- und Spezialausbildung möglicht im regionalen Lebensumfeld“ der zukünftigen Soldatinnen und Soldaten liegen, betonte das Verteidigungsministerium.

Kritik kam schon damals vom Caritas-Präsidenten Peter Neher. Im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio machte er deutlich: „Die Bundeswehr sollte es als das bezeichnen, was es ist: Es ist eine Art Schnupperkurs für die Bundeswehr. Freiwilligendienste sind das Vorrecht der Zivilgesellschaft, nicht des Staates.“

Rubriklistenbild: © Jan Woitas

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