Deutscher AWACS-Einsatz in Afghanistan hat begonnen

+
Ein Awacs-Aufklärungsflugzeug (Archivbild). Der Einsatz von Bundeswehrsoldaten in Awacs-Aufklärungsflugzeugen über Afghanistan hat begonnen.

Berlin - Die Bundeswehr hat mit der Entlastung der Nato-Partner für den Libyen-Krieg begonnen. Über Afghanistan kreisen Awacs-Aufklärungsflieger mit deutscher Besatzung.

Der Einsatz von Bundeswehrsoldaten in Awacs-Aufklärungsflugzeugen über Afghanistan hat begonnen. Die ersten Flieger mit deutsche Besatzungsmitgliedern seien am Wochenende gestartet, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur dpa am Montag. Der Einsatz von bis zu 300 deutschen Soldaten soll die Nato-Bündnispartner im Libyenkrieg entlasten.

Das dürfte auch für eine weitere Entscheidung gelten, die am Montag getroffen wurde: Zwei Schiffe der deutschen Marine im Mittelmeer werden wieder dem Nato-Kommando unterstellt. Sie sollen aber nicht in den Libyenkonflikt eingreifen, sondern “zeitnah“ wieder für den Anti-Terror-Einsatz “Active Endeavour“ zur Verfügung gestellt werden.

Das ist Afghanistan

Das ist Afghanistan

Seit dem Sturz der Taliban vor acht Jahren sind Milliarden Hilfsgelder nach Afghanistan geflossen. © dpa
In dem Land am Hindukusch sind inzwischen mehr als 100.000 internationale Soldaten stationiert. © dpa
Afghanistan ist jedoch immer noch eines der korruptesten, ärmsten und gefährlichsten Länder der Welt © dpa
In Afghanistan leben auf einer Fläche, die knapp doppelt so groß ist wie Deutschland, rund 33 Millionen Menschen. © dpa
Dem Entwicklungsindex (HDI) der Vereinten Nationen zufolge ist Afghanistan derzeit das zweitärmste Land der Welt. Schlechter ist die Lage nur im Niger. © dpa
Der Index berücksichtigt neben dem Einkommen auch Faktoren wie Kindersterblichkeit, Unterernährung und Bildung. © dpa
Mehr als 50 Prozent der Afghanen leben Schätzungen zufolge unter der Armutsgrenze. © dpa
Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt laut Vereinten Nationen bei 44 Jahren (Deutschland: 80 Jahre). © dpa
Der Durchschnitt der ärmeren Länder liegt laut Weltbank bei 59 Jahren. © dpa
Auf dem Korruptionsindex 2009 von Transparency International ist Afghanistan weiter zurückgefallen und steht auf dem vorletzten Rang. Noch schlechter ist die Lage nur in Somalia. © dpa
Die Wirtschaftsleistung (BIP) lag laut Internationalem Währungsfonds (IWF) unter Einberechnung eines Kaufkraftausgleichs 2008 bei 21,4 Milliarden Dollar oder 760 Dollar pro Kopf. © dpa
Für 2009 rechnet der IWF mit einem BIP von 25,1 Milliarden Dollar. © dpa
Das Volumen des illegalen Opiumhandels wird von der Weltbank auf ein Drittel des regulären BIP geschätzt. © dpa
Afghanistan produziert mehr als 90 Prozent des weltweit gehandelten Opiums, woraus Heroin hergestellt wird. © dpa
Für Projekte der Entwicklungshilfe und des Wiederaufbaus sind von der Bundesregierung von 2002 bis 2010 mehr als 1,2 Milliarden Euro Hilfsgelder zugesagt. © dpa
Bis Mitte August 2009 wurden davon 830 Millionen Euro ausgezahlt. © dpa
Damit ist es das größte Empfängerland deutscher Entwicklungshilfe. © dpa

Der Bundestag hatte den Awacs-Einsatz in der vergangenen Woche im Eiltempo beschlossen. Die Verlegung der deutschen Soldaten zum Luftwaffenstützpunkt Konja in der Türkei soll bis Ende April abgeschlossen sein. Wieviele Bundeswehrsoldaten sich an dem Einsatz beteiligen werden, ist noch unklar. In der vergangenen Woche war von 70 bis 100 in der Anfangsphase die Rede. Derzeit sind bereits 5000 deutsche Soldaten in Afghanistan im Einsatz.

Nach dem Eingreifen der Nato in den Libyenkonflikt hatte die Bundesregierung in der vergangenen Woche zunächst alle deutschen Kräfte aus den Bündnisverbänden im Mittelmeer zurückgezogen. Insgesamt handelte es sich um vier Schiffe, von denen die Fregatte “Hamburg“ schon auf dem Heimweg nach Wilhelmshaven ist.

Die Fregatte “Lübeck“ mit 180 Soldaten und das Minenjagdboot “Datteln“ mit 39 Soldaten sollen nun in sicherer Entfernung vom Einsatzgebiet der Nato vor der libyschen Küste die Seewege kontrollieren. Das mehr als neun Jahre alte Anti-Terror-Mandat für “Active Endeavour“ gilt zwar für das gesamte Mittelmeer. Eingesetzt werden sollen die deutschen Schiffe aber etwa 280 Kilometer von dem Operationsraum der Nato zur Kontrolle des Waffenembargos gegen Libyen entfernt im östlichen Mittelmeer. Das dritte Schiff der deutschen Marine im Mittelmeer, das Flottendienstboot “Oker“, bleibt bis auf weiteres unter deutschem Kommando.

dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Hartz-IV-Reform: Experten kritisieren Baerbock-Plan
Hartz-IV-Reform: Experten kritisieren Baerbock-Plan
Corona-Gipfel: Spahn erklärt Urlaubsregeln für den Sommer - und zieht Notbremse bei Impf-Nachweisen
Corona-Gipfel: Spahn erklärt Urlaubsregeln für den Sommer - und zieht Notbremse bei Impf-Nachweisen
Studie zu Spaltung der Gesellschaft: Zwei verfestigte Lager
Studie zu Spaltung der Gesellschaft: Zwei verfestigte Lager
Waigel: Aufnahme Griechenlands war Todsünde
Waigel: Aufnahme Griechenlands war Todsünde

Kommentare