„Autobahn auf dem Meer“

Videos kursieren: Migranten schwimmen von Marokko nach Europa - Spanien schiebt Tausende Menschen wieder ab

Innerhalb von 24 Stunden gelangten zuletzt rund 8000 Migranten aus Marokko in die spanische Exklave Ceuta. Spanien hat 4800 von ihnen wieder abgeschoben. News-Ticker.

  • Tausende Migranten aus Marokko erreichten in den vergangenen Tagen spanisches Hoheitsgebiet, die Exklave Ceuta (siehe Erstmeldung).
  • Einige wurden bereits zurückgeschickt, auch Soldaten rückten an (siehe Update vom 19. Mai, 10.30 Uhr).
  • Spanien hat mittlerweile knapp 5000 Menschen wieder nach Marokko abgeschoben (siehe Update vom 19. Mai, 13.25 Uhr).
  • Dieser News-Ticker wird fortlaufend aktualisiert.

Update vom 19. Mai, 13.25 Uhr: Nachdem etwa 8000 Menschen aus Marokko über die spanische Exklave Ceuta in die EU eingereist sind, hat Spanien reagiert. Etwa 4800 Personen wurden mittlerweile nach Marokko abgeschoben. Am Dienstag (18. Mai) waren es laut dem spanischen Innenministerium 2700 Menschen. Viele von ihnen seien freiwillig zurückgekehrt. Die Zahl der neuen Ankünfte belaufe sich „praktisch auf Null“, hieß es von amtlicher Seite. Nachdem die Situation anfangs chaotisch war, hat sich die Situation mittlerweile beruhigt.

Migranten kommen in der spanischen Enklave Ceuta, nahe der Grenze zwischen Marokko und Spanien, an.

Mittelmeer: Tausende Migranten schwimmen nach Europa - dramatische Videos kursieren

Update vom 19. Mai, 10.30 Uhr: Marokko hat in der Migrationskrise mit Spanien* seine Botschafterin in Madrid zu Beratungen zurückgerufen. Das meldete die staatliche marokkanische Nachrichtenagentur MAP am Dienstagabend, ohne weitere Details zu nennen. Das nordafrikanische Land hatte in dieser Woche die Grenzkontrollen zur spanischen Exklave Ceuta gelockert. Innerhalb von 24 Stunden gelangten daraufhin rund 8000 Menschen in das kleine Gebiet im Nordwesten von Marokko (siehe Erstmeldung).

Spanien kritisierte das Verhalten der Regierung in Rabat und zitierte die marokkanische Botschafterin ins Außenministerium, um ihr „den Unmut und die Ablehnung“ Madrids zu übermitteln, wie Außenministerin Arancha González Laya sagte. Kurz vor dem Gespräch hatte die marokkanische Botschafterin Karima Benyaich der Nachrichtenagentur Europa Press gesagt, in den Beziehungen zwischen den Ländern gebe es Handlungen, „die Konsequenzen haben“.

Videomaterial der Nachrichtenagenturen dpa und AP zeigt, wie am Dienstag Soldaten ankommende Migranten zu einem Tor im Grenzzaun schafften, um sie nach Marokko zurückzuschicken. Zudem bildeten sie Ketten am Strand und hielten Schlagstöcke bereit, um Schwimmer teils daran zu hindern, in Ceuta an Land zu gehen. Die Behörden der Exklave seien überwältigt gewesen und versuchten, Menschen vor dem Ertrinken zu retten.

Soldaten halten einen Migranten am Strand in der spanischen Exklave Ceuta fest.

Ausnahmesituation im Mittelmeer: Tausende Migranten schwimmen nach Europa - Spanien reagiert

Update vom 18. Mai, 14.50 Uhr: Spanien hat rund 2700 der Migranten, die seit Montagmorgen in die Exklave Ceuta eingedrungen waren, wieder nach Marokko abgeschoben. Wie der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska am Dienstag verkündete, seien die Migranten bereits zurückgeschickt worden. Weitere Abschiebungen sollten folgen.

Die marokkanische Regierung hat mittlerweile Verstärkung an die Grenze zu Ceuta geschickt, um weitere Grenzübertritte zu verhindern. Die Sicherheitskräfte sollen dort Tränengas einsetzen. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez bezeichnete die Lage als „schwere Krise für Spanien und auch für Europa“. Er kündigte an, „die Ordnung in der Stadt (Ceuta) und an unseren Grenzen so schnell wie möglich wiederherstellen“ zu wollen. Sánchez wollte noch am Dienstag selbst nach Ceuta reisen.

Tausende Migranten erreichen Ceuta: „Autobahn auf dem Meer“

Erstmeldung vom 18. Mai:

Ceuta - Ausnahmesituation in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta. Nach Angaben der spanischen Behörden haben seit Montagmorgen über 5000 Migranten aus Marokko spanisches Hoheitsgebiet erreicht. Hierfür schwammen die meisten Migranten - teilweise mit rudimentären Hilfsmitteln wie Schwimmringen oder kleinen Schlauchbooten - von der marokkanischen Stadt Fnideq aus durch das Mittelmeer nach Ceuta. Bei Ebbe sei die spanische Exklave zudem auch zu Fuß erreichbar. Mindestens ein Mensch kam bei der Überquerung des Mittelmeers ums Leben. Die spanische Zeitung El Pais beschrieb die ankommenden Migrantenströme als „Autobahn auf dem Meer“.

Tausende Migranten erreichen Ceuta: Madrid schickt Polizisten zur Unterstützung

Die Aufnahmelager von Ceuta sind bedingt durch den plötzlichen Ansturm der Menschenmassen überfüllt und können keine weiteren Menschen mehr aufnehmen. Nach Berichten der örtlichen Zeitung El Faro habe das zur Folge gehabt, dass viele Migranten in der Stadt mit ca. 85.000 Einwohnern umherirrten. Die Zentralregierung in Madrid* hatte noch am Montag angekündigt, 200 zusätzliche Polizisten in die Exklave zu schicken und auch das Militär bot seine Hilfe an.

Wie die El Faro am Dienstagmorgen berichtet, haben die örtlichen Behörden damit begonnen, die erwachsenen Migranten vorübergehend in einem Stadion unterzubringen, ehe sie nach Marokko zurückgebracht werden sollen. Etwa 300 Migranten wurden von den örtlichen Behörden bereits zurück nach Marokko abgeschoben. Den Berichten zu Folge sollen sich unter den 5000 Migranten mindestens 1500 Minderjährige befinden. Das Geschehen scheint eine Konsequenz aus dem politischen Ärger zwischen Spanien und Marokko, berichtet costanachrichten.com*.

Spanische Beamte der Guardia Civil beobachten an der marokkanisch-spanischen Grenze in der spanischen Exklave Ceuta, wie Menschen aus Marokko schwimmend in spanisches Territorium eindringen.

Ceuta: Marokko stellt Grenzkontrollen ein - Reaktion auf die Behandlung von Polisario-Führer Ghali?

Ausgelöst wurden die Migrantenströme wohl dadurch, dass die marokkanische Polizei am Montag faktisch die Kontrollen an der Grenze zur spanischen Exklave ausgesetzt hatte. Spanische Medien gehen davon aus, dass es sich dabei um eine Reaktion der marokkanischen Regierung auf die Entscheidung Madrids handele, die Behandlung des Chefs der Unabhängigkeitsbewegung Polisario für Westsahara, Brahim Ghali, in einem spanischen Krankenhaus zu erlauben. Die Polisario stehen im Konflikt mit Marokko, die Anspruch auf das Gebiet der Westsahara erheben. Die Regierung in Rabat gab bisher jedoch noch keine offizielle Erklärung ab.

Bei den ankommenden Migranten handele es sich Berichten zu Folge vor allem um Männer, aber auch Frauen und Familien. Viele von ihnen hatten ihre Arbeit in der spanischen Exklave verloren, nachdem Marokko im vergangenen Frühjahr im Rahmen der Corona-Pandemie* die Grenzen zu Ceuta geschlossen hatte.

Die an der Straße von Gibraltar gelegene und 18,5 Quadratkilometer große Exklave Ceuta blieb nach der Unabhängigkeit von Marokko weiter in spanischem Besitz* und hat den Status einer autonomen Stadt. (fd) *Merkur.de und costanachrichten.com sind Angebote von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Bernat Armangue/dpa

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