Von Chile gesuchter Colonia-Arzt soll in Deutschland sein

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Hartmut Hopp soll sich nach Deutschland abgesetzt haben.

Santiago de Chile - Der wegen Verbrechen in der berüchtigten früheren Deutschen-Siedlung Colonia Dignidad in Chile per internationalem Haftbefehl gesuchte Arzt Hartmut Hopp soll sich nach Deutschland abgesetzt haben.

Wie chilenische Medien am Dienstag unter Berufung auf Angaben aus der Familie des Flüchtigen berichten, soll sich Hartmut Hopp nach Deutschland abgesetzt haben. Die chilenische Justiz hatte Hopp am Vortag zur internationalen Fahndung ausgeschrieben.

Hopp war zusammen mit neun weiteren früheren Mitgliedern der sektenartigen Siedlung im Süden Chiles zu Gefängnis wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch den gestorbenen Ex-Chef der Landwirtschaftssiedlung, Paul Schäfer, verurteilt worden. Gegen diese Urteile waren Rechtsmittel beim Obersten Gerichtshof des südamerikanischen Landes eingelegt worden. Allerdings gilt es als wahrscheinlich, dass das Gericht die Anträge in Kürze ablehnt und die Verurteilten ihre Haftstrafen dann antreten müssen.

In der Siedlung waren am Vortag acht ehemalige Mitglieder festgenommen worden, die bis zu einem rechtskräftigen Urteil auf freiem Fuß waren. Es habe Fluchtgefahr bestanden, teilte der zuständige Richter mit. Hopp sei jedoch schon seit etwa einer Woche in Deutschland, berichtete das Nachrichtenportal Ciper Chile unter Berufung auf seine Schwiegertochter Bärbel Schreiber. Hopp sei bei seiner Frau Dorothea Witthahn und der ehemaligen Buchprüferin der Colonia, Erika Heimann. “Ich habe ihn nicht gesehen, aber ich weiß, dass er seit einer Woche in Deutschland ist“, habe Schreiber in einem Telefonat von Krefeld aus gesagt. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht.

Der im vergangenen Jahr gestorbene Laienprediger Schäfer hatte bis etwa Anfang der 1990er Jahre despotisch über die etwa 300 aus Deutschland stammenden Siedler in der Colonia Dignidad geherrscht. Schäfer war wegen Mordes, Folter, sexuellen Missbrauchs Minderjähriger und anderer Verbrechen zu einer Haftstrafe von insgesamt 33 Jahren verurteilt worden.

Schäfer hatte sich in der damaligen Colonia Dignidad zum Herren über alle Lebensbereiche der Anfang der 1960er Jahre aus Deutschland eingewanderten Siedler aufgeschwungen. Das 17 000 Hektar große Gut ließ er hermetisch gegen die Außenwelt abriegeln. Seine Vertrauensleute trugen Waffen und kontrollierten einen kilometerlangen Stacheldrahtzaun rund um die Kolonie. Niemand durfte sie ohne Schäfers Erlaubnis verlassen.

Während der Diktatur von Augusto Pinochet (1973-1990) diente die Siedlung auch als Folterlager der damaligen Geheimpolizei Dina. Berichte von Geflohenen wurden von der chilenischen Justiz während der Diktatur nicht verfolgt. Auch von den deutschen Behörden kam kaum Protest. Nach dem Ende der Diktatur kamen die Verbrechen auch für eine breitere Öffentlichkeit ans Licht. Schäfer tauchte zunächst unter, konnte aber 2005 in Argentinien festgenommen und später in Chile vor Gericht gestellt und verurteilt werden.

dpa

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