Scharfe Kritik an Corona-Grenzkontrollen

Tagesthemen-Kommentatorin entsetzt über Erlebnis mit deutschem Grenzbeamten: „Hier zerbricht etwas“

Nach einem Erlebnis an der deutschen Grenze warnt Tagesthemen-Kommentatorin vor langfristigen Folgen der Kontrollen.

  • Die Corona-Grenzkontrollen zwischen Deutschland und den Nachbarländern wurden am Montag beendet.
  • Tagesthemen-Kommentatorin Julie Kurz zog während der Coronavirus-Pandemie* von Großbritannien nach Deutschland um und machte an der deutschen Grenze ein unangenehmes Erlebnis.
  • In den Tagesthemen warnte sie nun, dass die Grenzkontrollen Folgen haben werden.

Aufgrund der Corona-Krise führte Deutschland am 16. März Grenzkontrollen* ein. Das Auswärtige Amt gab Reisewarnungen für 27 europäische Länder heraus. Am Montag, drei Monate später, endeten die Kontrollen zwischen Deutschland und den Nachbarstaaten. Das Auswärtige Amt hob die Reisewarnungen auf - bis auf die für Spanien, Finnland, Norwegen und Schweden.

Corona in Europa: Tagesthemen-Kommentatorin erlebte Grenzkontrolle am eigenen Leib

In den Tagesthemen berichtete Kommentatorin Julie Kurz nun von einer Situation an der deutschen Grenze, die sie selbst erlebt hat. Und warnt davor, dass die vergangenen drei Monate Spuren hinterlassen werden. 

Während eines Umzugs von London nach Berlin während der Corona-Pandemie* habe ein Grenzbeamter erklärt, ihr Partner dürfe nicht einreisen. „Er ist hier nicht gemeldet, er ist Franzose“, zitierte sie den Grenzbeamten. Dass er der Vater ihres Kindes sei, sei egal.

Das sei der Moment gewesen, in dem ihr klar wurde: „Hier zerbricht gerade etwas. Mein Grundvertrauen in Europa, in die Freizügigkeit.“ Anfang der Achtzigerjahre geboren kenne sie nur ein Europa ohne Grenzen. Nun gehe es wieder um Nationalitäten: „Der Franzose, der Problemfall.“

Corona in Europa: Tagesthemen-Kommentatorin warnt vor langfristigen Folgen der Grenzkontrollen

Die vergangenen Monate hätten Spuren hinterlassen. Bei denen „die über die Ländergrenzen hinweg pendeln, Familie haben.“ In Konstanz etwa traf man sich an einem Zaun. „Küsse am Grenzzaun. Mitten in Europa. Im Jahr 2020. Ernsthaft?“, fragt Kurz.

Pünktlich zur Urlaubszeit* gebe es nun keine Kontrollen mehr. Doch das bedeute nicht, dass die Welt wieder in Ordnung ist. Das Vertrauen in Europa sei geschädigt worden, Gräben seien aufgerissen worden. „In Grenzregionen hört man wieder wie von ‚dem Belgier‘ oder ‚dem Deutschen‘ gesprochen wird“, erklärt Kurz. Die Vorurteile seien wieder zurück und die vergangenen Wochen so schnell nicht vergessen.

tk

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Rubriklistenbild: © dpa / Sven Hoppe

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