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Corona-Testchaos: Sonderweg in Bayern nicht länger haltbar? Söder deutet Kurswechsel an

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Von: Moritz Bletzinger

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In ganz Deutschland steigen die Corona-Fallzahlen bedrohlich. In Bayern geraten die Labore nun ans Limit. Ändert Markus Söder nun die Teststrategie?

Update, Montag, 9. November, 13.54 Uhr: Vorerst will Markus Söder offenbar an dem bayerischen Modell „kostenfreie Tests für alle und so oft man will“ festhalten - trotz aller Gegenargumente (hier unten im Artikel nochmals für Sie zusammengefasst). Das bekräftigt er bei einer aktuellen Pressekonferenz.

„Wenn jemand Symptome fühlt, muss er die Möglichkeit haben, sich testen zu lassen“, sagt Söder. Die Lösung, dass man zwingend erst eine Woche zuhause bleibe, bevor man einen Test bekomme, würde die Wirtschaft unnötig lähmen. Söder hofft auf mehr Schnelltests, um die Kapazitätsprobleme zu lösen sowie schnell Prioritätstests durchführen zu können.

Markus Söder steht der RKI-Empfehlung zu Corona-Tests ablehnend gegenüber. Am Dienstag ist die Teststrategie Thema im Kabinett. Söder äußert sich bei einer Pressekonferenz.

Corona-Testchaos: Sonderweg in Bayern nicht mehr haltbar? Söder deutet jetzt Kurswechsel an

Ursprünglicher Artikel von Sonntag, 8. November, 20.03 Uhr: München - Deutschland befindet sich im „Lockdown-light*“ und dennoch steigen die Coronavirus-Fallzahlen* weiterhin rasant. Bundesweit wurde jüngst eine bedrohliche Marke überschritten. Am Samstag meldete das Robert-Koch-Institut 23.339 Neuinfektionen. Über ein Fünftel davon aus Bayern.

Die Pandemie greift im Freistaat besonders heftig um sich. In der Landeshauptstadt München liegt der Inzidenzwert mit 160,35 weit im Hochrisikobereich. Die große Menge an Infektionen lässt sich derweil nicht am bayerischen Test-Sonderweg festmachen, wie der Bayerische Rundfunk ausführlich erläutert.

Corona-Tests: Bayern geht Sonderweg - jetzt deutet Markus Söder Umdenken an

Bayern richtet sich nicht nach der nationalen Strategie des RKI, sondern garantiert jeder Bürgerin und jedem Bürger einen kostenfreien Test, wenn er oder sie denn möchte. Einer konkreten Begründung bedarf es nicht. „Der Staat mutet den Bürgern viel zu, daher ist der kostenlose Test ein Service für die Bürger. Besorgte Menschen haben das Angebot gerne angenommen“, erläutert Ministerpräsident Markus Söder nun im Spiegel, „aber wir werden sehen, wie sich die Kapazitäten in den kommenden Wochen entwickeln.“

Coronavirus in Bayern: „Überlastung der Labore“ - Teststrategie nicht mehr haltbar?

Die offensive Teststrategie sei für Bayern als Transitland sehr wichtig gewesen, betont Söder, der diesen Kurs freilich nicht ohne Grund auf den Prüfstand stellt. Die Labore im Freistaat sind an der Grenze. „Die bislang praktizierte Corona-Teststrategie führt leider, wie ich befürchte habe, zu einer Überlastung der Labore“, klagte Gerald Quitterer, Präsident der Landesärztekammer Bayern, am Freitag im Gespräch mit dem Münchner Merkur.

„Wir müssen jetzt sehen, ob bei steigendem Testaufkommen die Kapazitäten ausreichen“, will Landesvater Söder noch etwas abwarten, bevor er über einen Kurswechsel entscheidet. Deutschland müsse jetzt gemeinsam handeln, fährt er fort, konkretisiert das aber nicht.

Corona-Testchaos: Kurswechsel bei Markus Söder? Andere Bundesländer helfen Bayern schon jetzt

Denkbar ist, dass Bayern mehr Tests in andere Bundesländer „outsourced“. „Gott sei Dank hat uns die Staatsregierung erlaubt, auch außerbayerische Labore zu beauftragen und das tun wir seit mehreren Wochen“, verrät Bernhard Wiegel, Laborarzt und Obmann der bayerischen Landesgruppe des Berufsverbands Deutscher Laborärzte der AZ, „diese Partner helfen uns - idealerweise sind es welche aus Bundesländern, wo Corona nicht ganz so stark auftritt.

Über den bundesweiten Test-Ansatz werden die Länderchefs wohl spätestens am 16. November beraten. Doch vor allem stehen vor dem nächsten Corona-Spitzentreffen erneut Verschärfungen im Raum. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haselhoff vermutet striktere Regeln in manchen Bereichen. Gerade die Auslastung der Intensivbetten in deutschen Krankenhäusern bereitet derzeit viel Sorge. (moe) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Redaktionsnetzwerks.

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