Zweite Welle rollt

Corona-Zoff: Söder schießt wieder gegen Berlin - Klingbeil (SPD) nennt ihn jetzt „Mini-Trump“

Nach erneuter Einschätzung der Corona-Lage in Berlin muss Markus Söder (CSU) jetzt wieder heftige Kritik einstecken: Der SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hält sein Verhalten für „unanständig“.

  • Berlin hat für den Kampf gegen die zweite Corona-Welle* neue Maßnahmen bekanntgegeben.
  • Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) zeigte sich bei der Bekanntgabe erzürnt über die Kritik an seiner Corona-Politik.
  • Jetzt holt ein weiterer SPD-Politiker zur herben Kritik an Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder aus.

Update vom 8. Oktober, 17.08 Uhr: Die Infektionszahlen in Deutschland steigen rasant - innerhalb eines Tages haben sich 4.000 Menschen mit dem Coronavirus* angesteckt, dies meldete am Donnerstagmorgen das Robert-Koch-Institut. Besonders hoch sind die Fallzahlen dabei in den deutschen Großstädten. Im Morgenmagazin (ZDF) zeigte sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erneut besorgt, dass eine Stadt wie Berlin kurz davor stehe, die Kontrolle über die Infektionszahlen zu verlieren. Eindringlich warnte er davor, die Vorsicht in der Pandemie aufzugeben.

Corona-Zoff geht in die zweite Runde: SPD holt gegen Söder (CSU) aus

Bereits Anfang der Woche hatte Söder die Entwicklungen in der Hauptstadt thematisiert - nun muss er sich seitens der SPD erneut scharfe Kritik gefallen lassen. Der SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil machte Söder nur kurz nach seinem Interview im ZDF-Morgenmagazin den Vorwurf, „das Land zu spalten“. Auf Twitter beschuldigt er ihn, die Pandemie politisch zu instrumentalisieren: „Was Söder motiviert hier den Mini-Trump (...) ist mir unbegreiflich“, twittert Klingbeil am Donnerstagvormittag.

Klingbeil beschreibt Söders Verhalten im Tweet weiter als „unanständig“, schließlich habe niemand die hohen Infektionszahlen in Bayern und NRW politisch für sich nutzbar gemacht. Klingbeil ist nicht der erste Politiker, der sich von Söder kontrolliert und an den Pranger gestellt fühlt. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) reagierte bereits auf die Kritik des bayerischen Ministerpräsidenten und rügte ihn - zwar ohne seinen Namen zu nennen - durch die Blume: „Einigermaßen unerträglich“ finde er, dass „einige“ hier „Haltungsnoten“ vergeben würden, obwohl sie Berlin doch sonst nicht interessiere, so Müller in einer Pressekonferenz am Dienstag.

Berlins Bürgermeister Müller kontert Söder - Spitze gegen Bayern - „einigermaßen unerträglich“

Ursprünglicher Artikel vom 8. Oktober: Die zweite Welle des Coronavirus Sars-CoV-2 rollt aktuell über Deutschland und trifft dabei vor allem die Großstädte der Bundesrepublik hart. Den Zahlen des Robert-Koch-Instituts zu Folge hat beispielsweise München eine 7-Tages-Inzidenz* von 34,7 Fällen auf 100.000 Einwohnern. Köln steht bei 39,6 und Hamburg bei 27,5. Auch Berlin - die bevölkerungsreichste Metropole Deutschlands - hat alle Hände voll zu tun, um die täglichen Neuinfektionen in den Griff zu bekommen. Die Bezirke Mitte, Tempelhof-Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln übersteigen laut RKI bei der 7-Tages-Inzidenz die kritische Schwelle von 50 Fällen pro 100.000 Einwohnern.

Berlin: Bürgermeister Müller (SPD) greift wegen steigender Infektionszahlen durch - Sperrstunde für die Gastronomie

Es kam also nicht sonderlich überraschend, dass der regierende Bürgermeister der Hauptstadt Michael Müller (SPD*) am gestrigen Dienstag neue Maßnahmen für Berlin bekannt gab, die dazu beitragen sollen, das Infektionsgeschehen* unter Kontrolle zu bekommen. Zu den angekündigten Änderungen zählen unter anderem Einschränkungen für die Gastronomie in der Zeit zwischen 23 und sechs Uhr, aber auch eine Kontaktbeschränkung im privaten Bereich für Berliner Bürger und Bürgerinnen.

Das seien erhebliche Eingriffe, gesteht Müller ein. Er bitte aber vor allem darum, einzuordnen, wie die Situation sich entwickeln würde, wenn man jetzt nicht entschlossen handle. Dann gäbe es nicht nur Einschränkungen für die Gastronomie, sondern gar keine Möglichkeit die Betriebe aufrechtzuerhalten. „Wir haben was zu tun“, sagt Müller im Hinblick auf die Lage in Berlin und kann sich dennoch zum Beginn der Pressekonferenz eine Abrechnung mit der öffentlichen Wahrnehmung von Berlin und nicht verkneifen.

Müller erbost über Kritik an Berlin: „Wer kann eigentlich auf dieser Grundlage mit dem Finger auf wen zegien?“

„Wer kann eigentlich auf dieser Grundlage mit dem Finger auf wen zeigen?“, fragt der Regierende Bürgermeister, nachdem er aus einer Statistik die 7-Tages-Inzidenz mehrerer deutscher Großstädte zitiert, die sich alle auf einem ähnlichen Niveau, wie die Berlins befinden. In der Hauptstadt gäbe es viel zu tun, aber in den meisten Metropolen der Bundesrepublik ebenso. „Deswegen sage ich auch in aller Klarheit, dass ich es einigermaßen unerträglich finde wie einige hier Haltungsnoten vergeben und diejenigen, die sich eigentlich sonst nicht für Berlin interessieren auf einmal ganz genau wissen, wie die Situation in Berlin ist und was in Berlin zu tun ist“, klagt Müller weiterhin an.

Berlins Bürgermeister Müller über seine Corona-Politk - saßen nicht „breitbeining in jeder Talkshow“

In Berlin habe man sich in den vergangenen Wochen auf die Arbeit innerhalb der Koalition beschränkt und geprüft, was man dort an Maßnahmen tragen könne. Dies sei Müller besonders wichtig: „Deswegen haben wir auch in den vergangenen Monaten eben nicht breitbeinig in jeder Talkshow gesessen und erstmal dargestellt, was man persönlich machen kann.“ Gegen wen sich diese Spitze des Regierenden Bürgermeisters richtet, lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen. Anders als bei der nächsten Anmerkung Müllers, die sich in Richtung Markus Söder einordnen lässt.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) erläutert bei einem Pressegespräch die neuen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Berlin.

Berlin „am Rande der Nicht-mehr-Kontrollierbarkeit“: Müller kontert Söder-Kritik und teilt gegen Bayern aus

Söder hatte am Anfang der Woche unter anderem gesagt, Berlin sei am Rande der Nicht-mehr-Kontrollierbarkeit. Eine Bemerkung, die Michael Müller wohl nicht vergessen hatte. „Ich habe auch nicht in den letzten Wochen eine Reisewarnung für meine Berlinerinnen und Berliner herausgegeben in Richtung Bayern, weil man ja nicht sicher seien kann, wie Testergebnisse* da überhaupt erzielt werden und ob sie über Wochen verschlampt werden oder nicht. Habe ich alles nicht gemacht, weil ich glaube, es hilft nicht weiter“, lautet Müllers Antwort in Richtung Freistaat.

Zwar nennt der Berliner Regierende Bürgermeister Söders Namen nicht explizit, jedoch darf sich der bayerische Landesvater bei dieser Spitze gegen sein Bundesland sicherlich auch angesprochen fühlen. Hinter den deutlichen Worten des Regierenden Bürgermeister steht jedoch wohl vor allem, der Wunsch nach einer gemeinsamen Corona-Politik an Stelle von gegenseitiger Kritik. Müller forderte im Rahmen der Pressekonferenz auch eine baldige Einladung der Bundesregierung an die Länder zu einem erneuten Gipfel, um einen drohenden Lockdown noch abwenden zu können. (fd) *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa

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