CDU debattiert über Gentests an Embryonen

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In der Universitätsfrauenklinik in Leipzig injiziert eine Laboringenieurin im Biologischen Labor des Zentrums für Reproduktionsmedizin unter dem Mikroskop Spermien in Eizellen, die kurz vorher bei einer Patientin während einer Operation entnommen wurden, aufgenommen am 13.10.2010.

Karlsruhe - Gentests an Embryonen sind das sensibelste Thema des CDU-Parteitags. Bis zur Parteispitze sind die Christdemokraten gespalten, ob die Präimplantationsdiagnostik (PID) verboten oder erlaubt werden soll.

Zum Abschluss ihres Parteikonvents in Karlsruhe debattiert die CDU am Dienstag über Gentests an Embryonen. Die Mehrheit der rund 1000 Delegierten hatte am Montagabend für einen

Vorschlag von CDU-Chefin Angela Merkel gestimmt, wegen der fortgeschrittenen Zeit erst heute darüber zu diskutieren. Merkel wollte nicht, dass der Parteitag unter Zeitdruck über ein so heikles Thema wie die Präimplantationsdiagnostik spricht.

Bei diesem Verfahren werden im Reagenzglas erzeugte Embryonen auf Erbkrankheiten untersucht, bevor sie in den Mutterleib eingepflanzt werden. Embryonen können aussortiert werden, um zum Beispiel Fehlgeburten oder die Geburt eines behinderten Kindes zu verhindern.

Ein Vorschlag in Karlsruhe sieht vor, die Entscheidung zu verschieben oder über die Alternativen eines Verbots und einer Zulassung in engen Grenzen zu entscheiden. Merkel lehnt die PID ab, andere wie Finanzminister Wolfgang Schäuble sind für die Zulassung unter engen Voraussetzungen.

Als Gast wird CSU-Chef Horst Seehofer beim Parteitag erwartet. Am Montag war Kanzlerin Angela Merkel als CDU-Vorsitzende mit 90,4 Prozent wiedergewählt worden. Das ist zwar ihr zweitschlechtestes Ergebnis. Es gilt aber angesichts des Unmuts über den Fehlstart der schwarz-gelben Regierung und anderer Probleme als Zeichen für weiteren Rückhalt.

Die CDU erneuerte in Karlsruhe ihre Spitze: Das Führungsteam hat mehr Reformer und ist weiblicher geworden. Der Parteitag machte Umweltminister Norbert Röttgen, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und Hessens Regierungschef Volker Bouffier zu neuen Stellvertretern Merkels. Röttgen erhielt das beste Ergebnis, knapp vor von der Leyen und Bouffier.

Röttgen forderte am Abend mit Blick auf die Zukunft seiner Partei, die CDU müsse wieder stärker Ort politischer Diskussionen werden. “Wir dürfen nicht nur Applaus inszenieren, wir müssen um echte Positionen ringen“, sagte er im ZDF-“heute-journal“. Zudem müsse die Partei “christliche Wertprägung mit zukunftsgerichteten Vorstellungen von Wachstum verbinden ­ eben Wachstum nicht auf Kosten und Kredit der nächsten Generation“.

In einem historischen Schritt hatte die CDU am Montag dafür gestimmt, die Wehrpflicht auszusetzen. Die Union segnete die Pläne von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) für die weitreichendste Reform in der Geschichte der Bundeswehr mit breiter Mehrheit bei zahlreichen Gegenstimmen und bei Enthaltungen ab.

dpa

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