Deutscher Ex-Terrorist Boock schildert Einstieg bei RAF

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Der ehemalige RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock ist als Zeuge im Prozess gegen die ehemalige Terroristin Verena Becker geladen.

Stuttgart - Der frühere deutsche RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock hat am Donnerstag als Zeuge vor Gericht seinen Weg in den Untergrund geschildert.

Im Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Verena Becker sagte Boock aus, wie andere Jugendliche habe er sich von den RAF-Terroristen der ersten Generation aufgefangen gefühlt. Nach deren Inhaftierung hätten sie das Ziel gehabt, die Vorbilder mit Anschlägen zu befreien, zu denen auch das Attentat auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback am 7. April 1977 gehörte.

Die RAF: Schreckensbilder vergangener Zeiten

Die RAF: Schreckensbilder vergangener Zeiten

Eine der Aufsehen erregendsten AKtionen der RAF: Die Entführung von Arbeitgeber-Präsident Hans-Martin Schleyer am 5. September 1977 in Köln.
Eine der Aufsehen erregendsten Aktionen der RAF: Die Entführung von Arbeitgeber-Präsident Hanns-Martin Schleyer am 5. September 1977 in Köln. © dpa
Bei der brutalen Aktion erschoss die RAF drei Leibwächter sowie den Fahrer Schleyers.
Bei der brutalen Aktion erschoss die RAF drei Leibwächter sowie den Fahrer Schleyers. © dpa
43 Tage lang hielten die Terroristen Schleyer gefangen...
43 Tage lang hielten die Terroristen Schleyer gefangen... © dpa
... Nachdem die parallel ausgeführte Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" scheiterte, wurde Schleyer am 18. Oktober 1977 erschossen.
... Nachdem die parallel ausgeführte Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" scheiterte, wurde Schleyer am 18. Oktober 1977 erschossen. © dpa
Wenige Monate zuvor hatte die RAF auch schon gemordet, als am 7. April in Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine zwei Begleiter kaltblütig erschossen wurden.
Wenige Monate zuvor hatte die RAF auch schon gemordet, als am 7. April in Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine zwei Begleiter kaltblütig erschossen wurden. © dpa
Fünf Jahre zuvor hatte die RAF auch in Bayern Anschläge verübt. So wurde unter anderem das Landeskriminalamt in München Ziel eines Bombenattentats. Dabei gab es zahlreiche Verletzte, 60 Autos wurden demoliert.
Fünf Jahre zuvor hatte die RAF auch in Bayern Anschläge verübt. So wurde unter anderem das Landeskriminalamt in München Ziel eines Bombenattentats. Dabei gab es zahlreiche Verletzte, 60 Autos wurden demoliert. © dpa
Der Terror der RAF reichte bis spät in die 80er Jahre hinein: Am 30. November 1989 wurde Deutsche-Bank-Vorstand Alfred Herrhausen in Bad Homburg ermordet.
Der Terror der RAF reichte bis spät in die 80er Jahre hinein: Am 30. November 1989 wurde Deutsche-Bank-Vorstand Alfred Herrhausen in Bad Homburg ermordet. © dpa
Jahrelang der Kopf der RAF: Andreas Baader.
Jahrelang der Kopf der RAF: Andreas Baader. © dpa
Ulrike Meinhof.
Ulrike Meinhof. © dpa
Gudrun Ensslin.
Gudrun Ensslin. Zusammen mit Baader und Meinhof war sie lange die treibende Kraft der RAF. © dpa
Brigitte Mohnhaupt.
Im folgenden weitere Terroristen, die für die RAF brutal aktiv waren: Brigitte Mohnhaupt. © dpa
Rolf Heißler. © dpa
Jan Carl Raspe.
Jan Carl Raspe. © dpa
Rolf-Clemens Wagner.
Rolf-Clemens Wagner. © dpa
Ernst-Volker Staub und Daniela Klette.
Ernst-Volker Staub und Daniela Klette. © dpa
Knut Volkerts.
Knut Volkerts. © dpa
Peter-Jürgen Boock.
Peter-Jürgen Boock. © dpa
Christian Klar, der nach 26 Jahre Haft in die Freiehit entlassen wird.
Christian Klar, der nach 26 Jahre Haft in die Freiheit entlassen wird. © dpa
Das Gefängnis, das Berühmtheit erlangte: Stuttgart-Stammheim. Dort nahmen sich die inhaftierten Baader, Meinhof und Ensslin das Leben.
Das Gefängnis, das Berühmtheit erlangte: Stuttgart-Stammheim. Dort nahmen sich die inhaftierten Baader, Meinhof und Ensslin das Leben. © dpa
Die letzte Seite des Schreibens, mit dem die RAF 1998 ihre endgültige Auflösung bekannt gab.
Die letzte Seite des Schreibens, mit dem die RAF 1998 ihre endgültige Auflösung bekannt gab. © dpa

Der Prozess vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart-Stammheim soll klären, welchen Anteil Verena Becker (58) an der Vorbereitung des Buback-Attentats hatte. Boock, der heute in Freiburg lebt, gilt als ein Hauptzeuge der Anklage.

Der Vorsitzende Richter Hermann Wieland ermahnte Boock, mit sich und seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen: “Sie sollten die historische Chance nutzen, vor der deutschen Bevölkerung und Geschichte das zu sagen, was der Wahrheit entspricht - und zwar in vollständiger Form.“

Boock schilderte anschließend ausführlich, wie sie damals von den sogenannten “Brandstiftern“ aus Heimen eingesammelt worden seien. Zunächst hätten sie nicht gewusst, dass es gleichgesinnte Gruppen in anderen Städten gab. Doch bald wurde klar: “Der Zusammenschluss war das Ziel.“ Die Ausbildung im Camp im Aden (Jemen) sei der Weg dahin gewesen. Boock berichtete zudem, Buback hätte eigentlich durch eine Haftmine sterben sollen. “Das erwies sich jedoch nicht als gängig und wurde verworfen.“

dpa

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