Zeitung: Dioxin-Mischungen mit System

Berlin - Der schleswig-holsteinische Fetthersteller Harles & Jentzsch hat nach Informationen der “Berliner Zeitung“ offenbar regelmäßig und in viel größerem Ausmaß dioxinbelastete Fettsäuren gemischt und ausgeliefert als bislang bekannt.

Das zeigten Messergebnisse des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Nach den Daten, die der Zeitung vorliegen, wurden bislang 153 Proben unterschiedlicher Fettlieferungen des Betriebes an niedersächsische Futtermittelunternehmer ausgewertet. Jede Probe stehe für eine bestimmte Mischung des Herstellers, die tonnenweise das Werk verlassen haben könne. In 92 der Proben sei eine Überschreitung des zulässigen Dioxingrenzwertes festgestellt worden. Die Bandbreite der Messungen reiche von leichten Grenzwertüberschreitungen bis zur fast 100-fachen Menge des Erlaubten. Es gebe fast keine Lieferung, die denselben Dioxinwert aufweist.

Bei diesen Lebensmitteln wird geschummelt

Bei diesen Lebensmitteln wird geschummelt

Pesto Basilico (Buitoni) ohne 100 Prozent Pesto (Pesto alla genovese). Stattdessen Olivenölanteil laut Zutatenliste unter zwei Prozent, minderwertiges Cashewkernpulver statt Pinienkernen (unter zwei Prozent) und kostengünstiger Hartkäse ersetzt zu Dreiviertel den Wert gebenden Pecorino. © Verbraucherzentrale Hamburg
Hähnchenschnitten Wiener Art (Vossko-Tiefkühlkost) - es fehlt Hähnchenschnitzel aus einem Stück gewachsenem Fleisch. Stattdessen: Verschnitt von kleinen Stücken aus Hähnchen- und Putenfleisch. © Verbraucherzentrale Hamburg
Mucci Vanilleeis (Aldi Nord) ohne echte Vanille und 100 Prozent Milchfett. Stattdessen: überwiegend synthetisches Vanillin und Kokosfett. © Verbraucherzentrale Hamburg
Bio-Vollkorn-Toastbrötchen (Proback); ohne Vollkorntoast-Brötchen mit Vollkornmehl hergestellt. Statt 90 Prozent Vollkornmehl im Mehlanteil wie in den Leitsätzen für Brot gefordert, sind im Produkt nur 60 Prozent enthalten; gestreckt wird mit Weizenmehl, gefärbt mit Gerstenmalzsirup. © Verbraucherzentrale Hamburg
Surimi-Garnele ohne echte Garnele. Stattdessen: Krebsfleischimitat aus Fischmuskeleiweiß geformt. © Verbraucherzentrale Hamburg
Fol Epi Nuss, Fromageries Rambol (mit Bild von Käse auf der Packung). Die sogenannte Schmelzkäsezubereitung besteht nur zu 65 Prozent aus Käse, ist zusätzlich mit Zusatzstoffen wie Schmelzsalzen (E452, E339: Phosphate) und Aromen versetzt. Bei Käse ist dies nicht erlaubt. © Verbraucherzentrale Hamburg
Du darfst Putensalat mit Joghurtdressing (Unilever) ohne Putenfleisch. Enthalten sind zusammengefügte Fleischreste: Das Fleisch im Produkt besteht nur zum Teil aus gewachsenem Putenfleisch, dazu kommt Form-Putenfleisch und das noch billigere Form-Hähnchenfleisch. © Verbraucherzentrale Hamburg
Combi Weiß in Salzlake 50 Prozent Fett (EfeFirat Feinkost) mit Bild eines Schafskäses auf der Packung. Tatsächlich enthalten sind billiges Pflanzenfett statt Milchfett und Magermilch aus Kuhmilch statt Schafsmilch. © Verbraucherzentrale Hamburg
Mini Keks Bolde „Schoko“ (Biscuits Delacre) - es fehlt Schkoladenfüllung im Keks. Stattdessen: Kakaocremefüllung mit billigem Schokoladenimitat, das u.a. aus fettarmem Kakaopulver (3,7%), Zucker und gehärtetem Pflanzenfett hergestellt wird. © Verbraucherzentrale Hamburg
Wasabi-Erdnüsse (Lorenz) - es fehlt Wasabi (japanischer Meerrettich). Geschmack: Spirulina-Konzentrat, Aroma, Geschmacksverstärker und Farbstoff, Algenkonzentrat. © Verbraucherzentrale Hamburg
Meeresfrüchte Cocktail mit Krebsfleischimitat (Kaufhof) ohne 100 Prozent Meeresfrüchte wie Muscheln, Garnelen, Tintenfische etc. Produkt ist mit billigem Surimi (Krebsfleischimitat aus Fischmuskeleiweiß) gestreckt. © Verbraucherzentrale Hamburg

Die Messergebnisse legten laut Experten nahe, dass jeder Käufer eine anders gepanschte Dioxinfettbrühe erhielt, so die Zeitung (Freitag). Die große Bandbreite der Mischungen deute auf vorsätzliche Vermengungen unterschiedlich belasteter Fette hin.

Alle Proben stammen aus der Zeit vom 11. November bis zum 13. Dezember. Die Behörden schätzen, dass die Firma in diesem Zeitraum 2482 Tonnen Futtermischfette hergestellte. Diese Mischungen wurden an 20 niedersächsische Futtermittelunternehmer geliefert, die daraus verschiedene Arten von Tierfutter herstellten. Für Niedersachsen ergäbe das schätzungsweise eine Futtermittelmenge von 25 000 bis 125 000 Tonnen, die auf diese Weise in den Trögen und damit in der Nahrungskette gelandet sein könnten.

dpa

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