USA droht Iran wegen Atomwaffen und Schiffsblockade

Washington - Die USA haben eine ungewöhnlich deutliche Warnung an die Adresse des Irans geschickt, sollte Teheran Atomwaffen entwickeln oder wichtige Schifffahrtswege blockieren.

Der Atomstreit zwischen dem Westen und dem Iran spitzt sich von Tag zu Tag weiter zu. Die USA schickten am Sonntag eine ungewöhnlich deutliche Warnung an die Adresse der Führung in Teheran. Der Iran überschreite eine “rote Linie“, wenn er Atomwaffen entwickeln oder wichtige Schifffahrtswege blockieren sollte, sagte Verteidigungsminister Leon Panetta.

Die iranische Führung hatte einen Tag zuvor bekanntgegeben, eine neue Anlage zur Anreicherung von Uran in Fordo in Betrieb zu nehmen. Die unterirdische Anlage sei so gebaut worden, dass der Feind sie weder angreifen noch zerstören könne, erklärte der Chef des iranischen Atomprogramms, Fereydoun Abbasi, nach Angaben des staatlichen Senders PressTV. Außerdem kündigte ein Armeegeneral “ein groß angelegtes Manöver in naher Zukunft an, um der Welt das Können der Streitkräfte zu demonstrieren“. Die Soldaten sollten üben, die Straße von Hormus so schnell wie möglich für den internationalen Schiffsverkehr zu schließen, sagte ein einflussreicher Abgeordneter nach Angaben von PressTV.

“Unsere rote Linie ist, dass der Iran keine Nuklearwaffen entwickelt“, sagte US-Verteidigungsminister Panetta am Sonntag dem Sender CBS. Eine Blockade der für die globalen Öltransporte lebenswichtigen Meerenge von Hormus sei ebenfalls nicht zu tolerieren. “Das ist eine weitere rote Linie, und wir werden entsprechend regieren“, sagte er.

Diese Länder haben Atomwaffen

Diese Länder haben Atomwaffen

Länder mit Atomwaffen
Wie viele atomare Sprengköpfe es weltweit gibt, ist nicht genau bekannt. Die Zahl atomarer Sprengköpfe liegt nach Angaben der Organisation Federation of American Scientists  bei mehr als 23 000. Der Großteil davon ist im Besitz Russlands und der USA . Laut FAS sind insgesamt rund 8000 Sprengköpfe einsatzbereit. © dpa
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Russland: Die Sowjetunion, der Vorgängerstaat des heutigen Russlands, entwickelte 1949 seine  erste Atomwaffe und führte über 700 Atomtests durch. Das Bild zeigt eine Atomrakete vom Typ SS27 Topol-M. © dpa
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Von den 14.000 russischen Sprengköpfen gelten 5162 als einsatzbereit und 3083 als strategisch. Letztere sind für den Einsatz in großer Entfernung vorgesehen und können nur von Interkontinentalraketen, Langstreckenbombern und U-Booten transportiert werden. © dpa
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USA : Die Vereinigten Staaten waren die erste Atommacht der Welt. Im August 1945 setzte die Regierung erstmals Atombomben gegen Japan ein. Das Bild zeigt einen B52-Bomber, der Atomwaffen transportieren kann. © dpa
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Laut FAS verfügen die USA über 5400 Sprengköpfe, von denen 4075 einsatzbereit und 3575 strategisch sein sollen. © dpa
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Frankreich: Atommacht seit 1960. Auf dem Bild ist ein atomgetriebenes U-Boot zu sehen, auf dem Atomraketen stationiert sind. © dpa
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Die FAS schätzt, dass Frankreich über 300 einsatzbereite atomare Sprengköpfe verfügt. © dpa
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China: Die Volksrepublik China zündete im Oktober 1964 eine erste Atombombe im Kernwaffentestgelände Lop Nor (Provinz Xinjiang). © dpa
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Laut FAS besitzt China 240 atomare Sprengköpfe. © dpa
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Großbritannien: Das Vereinigte Königreich zündete seine erste Atombombe im Jahr 1952 vor der Küste Australiens. © dpa
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Nach Schätzung der FAS besitzt Großbritannien 185 atomare Sprengköpfe. © dpa
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Israel: Experten schätzen, dass Israel seit etwa 1967 Atomwaffen besitzt. Offiziell räumte erst  Ministerpräsident Ehud Olmert im Jahr 2006 ein, dass sein Land Kernwaffen besitze. © dpa
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Die FAS schätzt, dass Israel über 80 Atomwaffen vefügt. © dpa
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Indien: Das Land ist seit Mai 1974 im Besitz von Atomwaffen. Indien startete sein Atomwaffenprogramm nach dem ersten Grenzkrieg mit China im Jahr 1962 und als Reaktion auf erfolgreiche chinesische Atomtests 1964. © dpa
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Laut FAS besitzt Indien 50 Atomwaffen. © dpa
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Pakistan: Das Land hat im Mai 1998 als Reaktion auf entsprechende indische Versuche erstmals Atomwaffen getestet. © dpa
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Die FAS schätzt, dass das pakistanische Militär über 60 Atomwaffen verfügt. © dpa
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Die Internationale Gemeinschaft befürchtet, dass ein Konflikt zwischen den Nachbarländern Indien und Pakistan (führten 1947, 1965 und 1971 Krieg) zu einem Atomkrieg eskalieren könnte. © dpa
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Nordkorea: Der zweite nordkoreanische Atombombentest am 25. Mai 2009 hat die internationale Gemeinschaft in helle Aufregung versetzt. Noch am selben Tag berichteten südkoreanische Medien von Raketenstarts. In der Mitte des Bildes ist der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il zu sehen. © dpa
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Im Februar 2005 erklärte Nordkorea, Atomwaffen zu besitzen. Am 9. Oktober 2006 zündete das Land nach eigenen Angaben zum ersten Mal eine Kernwaffe. © dpa
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Allgemein wird vermutet, dass Nordkorea im Atomreaktor Yongbyon (Bild) atomwaffentaugliches Plutonium aus gebrauchten Kernbrennstäben bezieht. © dpa
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Laut FAS besitzt Nordkorea bereits bis zu 10 Atomwaffen. © dpa
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Iran: Der Iran wird verdächtigt, an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Das Bild zeigt den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad bei einer Militärparade. © dpa
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Ungeachtet aller internationaler Warnungen hat der Iran im Mai 2009 eine neue Rakete mit einer Reichweite von rund 2.000 Kilometern getestet - diese könnte Israel und amerikanische Stützpunkte erreichen. So wollen unter anderem vor allem Israel und die USA verhindern, dass der Iran in den Besitz von Atomwaffen gelangt. © dpa

US-Generalstabschef Martin Dempsey fügte hinzu, dass der Iran durchaus die Möglichkeit habe, die Straße von Hormus für eine Zeit zu sperren. “Wir haben jedoch darin investiert, dafür zu sorgen, dass wir dies in solch einem Fall abwehren können“, betonte der General.

Auf die Frage nach möglichen Vorbereitungen der USA, gegen Atomwaffen des Irans vorzugehen, sagte Dempsey, er wolle sich nicht zu Einzelheiten äußern. Seine Aufgabe sei jedoch, über alle Risiken einer militärischen Option im Bilde zu sein und “in manchen Fällen Aktivposten zu positionieren, die diese Optionen in einem zeitnahen Rahmen möglich machen“. Alle diese Aktivitäten liefen derzeit.

Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms heimlich Nuklearwaffen produzieren zu wollen. Teheran bestreitet das, arbeitet aber seit Jahren nicht ausreichend mit den Atomwächtern in Wien zusammen.

In der neuen Anlage in Fordo könne Uran auf 3,5 Prozent und 4 Prozent sowie auf 20 Prozent angereichert werden, sagte der Chef des iranischen Atomprogrammes. Das reicht für die Stromerzeugung und für Medizintechnik, aber nicht für Atomwaffen.

Am Neujahrstag hatte Teheran bereits einen weiteren Durchbruch für sein umstrittenes Atomprogramm verkündet: Erstmals soll es es iranischen Wissenschaftlern gelungen sein, einen eigenen Kernbrennstab zu fertigen.

Natur-Uran enthält nur zu etwa 0,7 Prozent das spaltbare Isotop 235. Zur Verwendung in Kernkraftwerken muss dessen Konzentration auf 2 bis 5 Prozent erhöht werden. Von hochangereichertem Uran spricht man bei 20 und mehr Prozent.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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