EU-Vorstoß für Rente ab 70 stößt auf Ablehnung

Frankfurt/Main - Der Vorstoß der EU-Kommission für eine Heraufsetzung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre bis zum Jahr 2060 trifft in Deutschland auf Widerspruch.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte dem “Hamburger Abendblatt“ (Montagausgabe): “Wir haben gerade erst begonnen, das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre zu erhöhen.“ Er verstehe die Empfehlung der EU-Kommission als Aufforderung an die Länder, die diese Maßnahme noch nicht ergriffen haben. In Deutschland wird das Renteneintrittsalter bis 2030 auf 67 Jahre angehoben. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, hält die Rente mit 70 für unvermeidbar, wie er der “Saarbrücker Zeitung“ sagte. Das Jahr 2060 sei aber dafür viel zu spät. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) ist gegen eine weitere Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Das sei wie bereits bei der Rente mit 67 nichts anderes als ein weiterer Versuch von Kürzungen der Altersbezüge durch die Hintertür, kritisierte Verbandspräsident Adolf Bauer in der “Rheinpfalz am Sonntag“.

Nur in den wenigsten Berufen seien die Beschäftigten in der Lage, die gesetzlich vorgeschriebene Lebensarbeitszeit voll auszunutzen und müssten erhebliche Abschläge in Kauf nehmen, sagte Bauer. Nicht ohne Grund liege das tatsächliche Renteneintrittsalter gegenwärtig bei deutlich unter 65 Jahren. “Die Bundesregierung darf sich von Brüssel das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen“, fordert der Sozialverband.Die EU-Kommission hatte erklärt, sie halte eine Anhebung der Lebensarbeitszeit für notwendig, um die Rentensysteme in der Union zu sichern. Ende Juni wollen die zuständigen Kommissare ein Grünbuch mit Ideen und Lösungsansätzen für die demografische Herausforderung vorlegen.

dapd

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