Vor Treffen mit Erdogan

Experte: Putin will Keil zwischen Türkei und den Westen treiben

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Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin bei ihrem letzten Treffen im November 2015.

St. Petersburg - Russlands Präsident Wladimir Putin trifft am Dienstag auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Er will nach Ansicht des Historikers Michael Wolffsohn einen Keil zwischen die Türkei und den Westen treiben. Der Syrien-Krieg könnte aber zwischen beiden stehen.

Durch die angestrebte Annäherung zwischen Moskau und Ankara wolle Putin "natürlich" die EU und die Nato schwächen, hob der Publizist und Nahostexperte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP hervor. Allerdings hält Wolffsohn den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht für einen langfristig verlässlichen Partner für Moskau.

Erdogan und Putin treffen sich am Dienstag zu Gesprächen in St. Petersburg. Es ist das erste Treffen der beiden Staatschefs seit dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei im syrischen Grenzgebiet im November.

"Keine Allianz von Dauer"

Der türkische Staatschef fahre eine "Zick-Zack-Linie", urteilte Wolffsohn. "Bei Erdogan ist nichts dauerhaft, nur das Ziel, seine persönliche Macht zu erhalten und auszubauen." Putin hingegen habe eine klare Strategie. "Weil aber Erdogan heute hü und morgen hott sagt, ist er für Putin nur von Fall zu Fall ein interessanter Partner", fügte der Publizist hinzu. Einer dauerhaften Allianz gibt Wolffsohn daher keine Chance: "Allianzen schließt man für längere Zeit."

Als Beispiele für die Unstetigkeit des türkischen Präsidenten nannte Wolffsohn vor allem den Umgang mit autokratischen Staatsführern. So habe Erdogan Syriens Präsidenten Baschar al-Assad sowie den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi und auch Ägyptens Staatschef Husni Mubarak zuerst "umgarnt" - um sich dann von ihnen abzuwenden. Auch im Umgang mit Israel sei Erdogan mal auf Kooperation und dann auf Konfrontation aus. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) habe Erdogan ebenfalls erst "gewähren" lassen, um sie nun "an die Leine" zu nehmen.

Erdogan braucht den Westen zu sehr

Der Syrien-Konflikt ist für den Historiker Wolffsohn ohnehin ein großes Hindernis für eine ernsthafte Annäherung zwischen Russland und der Türkei. Putin sei der wichtigste Verbündete Assads - "den bekriegt aber Erdogan". Zwischen Ankara und Moskau werde es daher nur eine taktische und keine strategische Zusammenarbeit geben, erklärte der Experte.

Die Türkei sei ihrerseits auf Gelder und Investitionen der EU sowie auf westliche Touristen angewiesen. Außerdem habe der türkische Staatschef zuletzt mehrfach um Nato-Hilfe gebeten und diese auch bekommen. "Russland hat ihm weniger zu bieten", erklärte Wolffsohn. "Ohne EU und Nato käme die Türkei in Teufels Küche."

Der Experte ist unter anderem Autor des Buches "Zum Weltfrieden". Wolffsohn lehrte mehrere Jahrzehnte lang Geschichte an der Universität der Bundeswehr München.

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