„Falscher Ton“: Volkswirt Bastian kritisiert Merkel

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Kanulerin Merkel erntet viel Kritik für ihre Forderung, Griechen sollten weniger Urlaub machen und dafür länger arbeiten.

München - Weniger Urlaub machen, dafür länger arbeiten: Mit dieser Forderung an das verschuldete Griechenland erntet Kanzlerin Merkel viel Kritik. Volkswirt Jens Bastian etwa findet solche Aussagen nicht hilfreich.

Jens Bastian, deutscher Volkswirt beim Athener Thinktank ELIAMEP (Griechische Stiftung für Europäische und Auswärtige Politik) hat die Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Renten- und Urlaubsregeln in Südeuropa scharf kritisiert. „Derartige Aussagen sind angesichts der Lage, in der sich Griechenland und seine Gesellschaft befinden, überhaupt nicht hilfreich“, sagte Bastian dem Münchner Merkur. Merkels Aussagen seien in Griechenland „als Beleidigung“ angekommen. „Das muss nicht sein. Die Griechen haben ja bereits umfassende Reformen auf den Weg gebracht. Unter anderem haben sie das Renteneintrittsalter erhöht, gehen nun mit 63 und demnächst mit 65 Jahren in Rente. Was Frau Merkel gesagt hat, legt dagegen nahe, dass sich überhaupt nichts getan hätte. Und das ist in der Sache und im Ton falsch!“, so der Senior Economic Research Fellow der Athener Denkfabrik.

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Nach Ansicht des Ökonomen hat die Kanzlerin mit ihren kritischen Aussagen ihre Einflussmöglichkeiten auf die Griechen verringert. „Was die Griechen nicht verstehen ist, wenn ihnen das in dieser belehrenden Weise von außen gesagt wird. Die Folge ist, dass sie sich gerade deshalb als Opfer fühlen, und denken: Von denen in Berlin lassen wir uns nichts sagen. Das ist aus meiner Sicht der Schaden, den Frau Merkel angerichtet hat. Sie hätte im Grunde genommen große Einflussmöglichkeiten, aber wenn sie Kritik in dieser Form formuliert, vergibt sie diese Chance“, sagte Bastian der Zeitung.

Merkels Äußerung stehe „leider auch in einer Reihe öffentlicher Belehrungen, von denen einige mit arrogantem Grundton vorgebracht wurden. Das können die Griechen zur Zeit wirklich nicht gebrauchen. Sie wissen selbst, welche Hausaufgaben sie zu machen haben. Ich würde mir wünschen, dass Frau Merkel etwas, das in der Sache richtig ist, anders formuliert. Dann würde es in Griechenland auf offene Ohren stoßen“, fuhr der Volkswirt fort.

Unterdessen hat Kanzlerin Merkels Aufforderung an die Südeuropäer, länger zu arbeiten und weniger Urlaub zu machen, zu Protesten in der griechischen Presse geführt. “Sie betreiben Populismus, Frau Merkel“, hieß es am Donnerstag in einem Kommentar der linksliberalen Athener Zeitung Eleftherotypia. Die griechische Regierung reagierte zurückhaltender. “Das was das griechische Volk nicht verdient hat, sind Ratschläge und Kommentare, die nicht konstruktiv sind“, sagte Außenminister Dimitris Droutsas in Athen.

mm/dpa

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