Familien wollen mehr Zeit für ihre Kinder

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Kristina Schröder stellt den 8. Familienbericht vor.

Berlin - Die Familien in Deutschland klagen zunehmend über fehlende Zeit für ihre Kinder. Außerdem herrscht laut dem Bericht immer noch ein traditionelles Familienbild. Was die Politik dagegen tun kann:

Die Familien in Deutschland klagen zunehmend über fehlende Zeit für ihre Kinder. 63 Prozent der Väter und 37 Prozent der Mütter mit minderjährigen Kindern können sich nach eigenen Angaben aus Zeitgründen zu wenig um ihren Nachwuchs kümmern. Dies geht aus dem am Freitag in Berlin vorgelegten Familienbericht einer unabhängigen Kommission von Wissenschaftlern hervor.

Danach leiden 40 Prozent der Familien mit Kindern “oft oder immer“ unter Zeitdruck. Dies betrifft Mütter in Haushalten mit Doppelverdienern weit häufiger als Einzelverdiener. Bei alleinerziehenden Müttern steht sogar jede zweite unter einem solchen Dauerstress. Auch aus Sicht der Kinder im Alter zwischen sechs und elf Jahren haben zwei Drittel ihrer Väter und ein Drittel der Mütter zu wenig Zeit für sie.

Dem Bericht zufolge übernehmen immer noch Frauen den Großteil der Familien- und Erziehungsarbeit. Über zwei Drittel der Frauen (67 Prozent) geben an, sie seien für den überwiegenden Teil dieser Aufgaben verantwortlich. 28 Prozent der Frauen mit einer Teilzeitstelle würde gern mehr arbeiten, wenn dies besser mit der Familienbetreuung vereinbar wäre. Dagegen arbeiten Väter oft mehr, als ihren Wünschen entspricht. So leisten 67 Prozent der Männer mit minderjährigen Kindern zumindest gelegentlich Überstunden.

Nach den Worten von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) rangiert der Wunsch nach mehr Zeit für die Familie weit vor dem Wunsch nach mehr Geld oder besserer Kinderbetreuung. Mit dieser Entwicklung habe vor allem die Arbeitswelt nicht ausreichend Schritt gehalten.

Die Kommission unter Leitung des Bonner Arbeitsrechtlers Georg Thüsing schlägt unter anderen den Ausbau von Ganztagsschulen und flexiblere Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen für Kinder sowie bei Behörden vor, um Familien mehr Zeit zu verschaffen. Denkbar seien auch Änderungen im Arbeitsrecht, um etwa bei betriebsbedingten Kündigungen Väter oder Mütter besserzustellen als Beschäftigte ohne Kinder. Die Vorschläge sollen in den Familienbericht der Regierung einfließen, der 2012 vorgelegt wird.

dpa

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