FDP: Bedenken gegen Wilhelm als BR-Intendant

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Ex-Regierungssprecher Ulrich Wilhelm ist als BR-Intendant im Gespräch.

München - Die Landtags-FDP in Bayern hat erhebliche Vorbehalte gegen die Wahl von Ulrich Wilhelm zum Intendanten des Bayerischen Rundfunks (BR). Auch die Grünen sind dagegen.

"Ich finde es sehr hinterfragenswert, ob man direkt aus einer politischen Funktion an die Spitze des Bayerischen Rundfunks wechseln sollte", sagte Fraktionschef Thomas Hacker dem Münchner Merkur (Mittwochsausgabe). Wilhelm ist bisher Staatssekretär und Regierungssprecher der Bundesregierung.

Die BR-Intendantenstelle wird auch zum Thema beim nächsten Treffen des Koalitionsausschusses von CSU und FDP am Samstag, berichtet der Merkur. Hacker sagte, über diese Personalie "müssen wir noch diskutieren". Der Intendanten-Posten wird Ende Januar 2011 frei; im Gespräch ist, dass Wilhelm sich schon einige Monate vorher aus der Bundesregierung zurückziehen würde. Hacker ist aber auch hier skeptisch: "Ich weiß nicht, ob ein halbes Jahr da ausreicht."

Auch Bayerns SPD-Chef Florian Pronold sagt Wilhelm bisher keine Unterstützung zu. "Er muss erst deutlich machen, dass er eine parteipolitisch unabhängige Amtsführung anstrebt. Er ist ja doch klar verortet", sagte Pronold der Zeitung.

Bause: "Methode Überrumpelung"

Die Landtags-Grünen haben das Verfahren bei der Suche nach dem künftigen Intendanten des Bayerischen Rundfunks (BR) scharf kritisiert. “Das erfolgt nach der Methode Überrumpelung“, sagte Fraktionschefin Margarete Bause am Dienstag in München. Der als Nachfolger von Thomas Gruber gehandelte Sprecher der Bundesregierung, Ulrich Wilhelm, sei nicht geeignet, weil dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Grundgesetz Staatsferne vorgeschrieben sei. “Es kann nicht jemand, der jahrelang für die Regierung gesprochen hat, plötzlich den Hut wechseln“, sagte Bause.

Als Intendant Gruber am 25. März seinen vorzeitigen Rücktritt zum 31. Januar 2011 ankündigte, sei im Rundfunkrat gleichzeitig mitgeteilt worden, Vorschläge für die Nachfolge müssten bis zum 15. April eingereicht werden. “Das riecht verdächtig nach abgekartetem Spiel“, kritisierte Bause und sprach von einem “Rückfall“ in alte Zeiten. “Alle anderen potenziellen Kandidaten winken ab und sagen, es besteht ohnehin keine Chance auf einen fairen Wettbewerb.“ Bause nannte keine Namen, sagte aber, es wäre Zeit, dass der BR eine Frau als Intendantin bekomme.

mm/lby

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