FDP-Chef Rösler: "Wir sind wieder da"

+
FDP-Chef Rösler

Rostock - Der neue FDP-Chef Philipp Rösler hat eine zufriedene Bilanz des Parteitags der Liberalen gezogen. “Das Signal des Aufbruchs ist gesendet. Wir sind wieder da“, sagte er in Rostock.

“Herzlich willkommen bei der FDP - also im Keller.“ Generalsekretär Christian Lindner spielt am Vorabend des Rostocker Parteitags beim Empfang im Ratskeller noch mit den örtlichen Gegebenheiten. Da ist Guido Westerwelle noch Parteichef. Zwei Tage später, beim Delegiertenabend in der Stadthalle, ist sich Westerwelles Nachfolger Philipp Rösler bereits sicher: “Wir sind jetzt schon eine Etage höher.“

Rösler hat noch viele Stockwerke vor sich, um die FDP wieder zu neuer Blüte zu führen. Die wichtigste Voraussetzung dafür hat der “sanfte Star“ der FDP aber geschafft. Er gibt den Delegierten ein Gefühl der Zuversicht, das sie seit der Bundestagswahl 2009 nicht mehr kannten: “Ich verspreche Ihnen: Ab heute geht der Wiederaufstieg der Freien Demokraten wieder los.“

Die FDP hat eine Horrorzeit hinter sich. Umfragewerte am Rand des Existenzminimums, schwere Verluste bei Landtagswahlen und bislang eine Parteispitze, die die Aura des unsympathischen Verlierers nicht mehr loswurde. Und dann noch ein wochenlanger Machtkampf. Das soll nun alles ganz anders werden.

Rösler hat den Wandel mit einer starken und gefühlsbetonten Rede eingeleitet. Die Delegierten überschlagen sich nach den 70 Minuten mit Lob: “Grandios“, “toll“, “Das ist der Aufbruch“.

Rösler zog alle Register. Einfühlsam, witzig, selbstironisch und selbstkritisch sagte er das, was alle in der Partei von ihm erwartet und wofür sie ihn mit gut 95 Prozent der Stimmen gewählt hatten. Keine Ein-Thema-Steuer-Partei mehr sein, sich für die Alltagsprobleme der Menschen, der Familien und Alten öffnen, den Gewerkschaften die Hand ausstrecken - es waren viele neue Töne in diesem frei vorgetragenem Rösler-Programm.

Im Detail legt sich der neue Wirtschaftsminister allerdings noch nicht fest. “Von jetzt an wird die FDP liefern“, dieser zentrale Rösler-Satz hängt in der Rostocker Hanse-Messe noch etwas in der Luft.

Die Atomwende hat die FDP jetzt auch parteiamtlich vollzogen - allerdings ohne ein konkretes Ausstiegsdatum. Der von den Ordo-Liberalen verlangte Austritt Deutschlands aus dem Euro-Rettungsschirm 2013 wird abgelehnt. Allerdings hat der Euro-Rebell Frank Schäffler fast ein Drittel der Delegierten für seine Position hinter sich. Das Thema ist für die Koalition also noch lange nicht abgehakt. In der Schulpolitik sind in der FDP die Zentralisten auf dem Vormarsch - auch darin steckt Sprengstoff für das Regierungsbündnis. Und Röslers Vordenker Lindner macht schon mal deutlich: “Unsere innere Kraft ist ungebrochen.

Doch insgesamt hat Rösler jetzt freie Bahn: Er hat die gewünschten Regierungsämter als Wirtschaftsminister und Vize-Kanzler und das geschlossene Vertrauen seiner Partei. Jetzt muss vor allem auch er liefern.

Ob der neue Stil der FDP ankommt, wird sich spätestens bei den nächsten Landtagswahlen zeigen. Bremen am Sonntag sowie Berlin und Mecklenburg-Vorpommern im September sind kaum mehr zu gewinnen, wird FDP-intern gemutmaßt. Schleswig-Holstein im kommenden Jahr, wo die Liberalen eine Regierungsbeteiligung zu verlieren haben, wird die große Bewährungsprobe für den neuen Sympathieträger Rösler.

Bis dahin hat auch Guido Westerwelle als Außenminister eine Schonfrist. Macht er aus seinem Image-Malus keinen Bonus, wird auch die Debatte über seinen Verbleib im Amt erneut aufflammen. In Rostock spielt er nach der Rösler-Wahl und der Europa-Debatte nur noch eine Statistenrolle. Um 11.37 Uhr verlässt er am Sonntag fast unbemerkt den noch laufenden Parteitag zur nächsten Auslandsreise nach Marokko.

dpa

Meistgelesen

Die Vereidigung von Bundespräsident Steinmeier im Ticker zum Nachlesen
Die Vereidigung von Bundespräsident Steinmeier im Ticker zum Nachlesen
Kabinett will verurteilte Homosexuelle rehabilitieren
Kabinett will verurteilte Homosexuelle rehabilitieren
Angela Merkel: So stehen ihre Chancen, Kanzlerin zu bleiben
Angela Merkel: So stehen ihre Chancen, Kanzlerin zu bleiben
EU: Juncker fordert „große Dinge“ statt „Kleinklein“
EU: Juncker fordert „große Dinge“ statt „Kleinklein“

Kommentare