Empörung im Bundestag

FDP-Post mit Down-Syndrom-Kind heftig kritisiert - CSU auch für Kostenübernahme

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Der Post der FDP zu dem Trtisomie-21-Test löste heftige Diskussionen aus.

Die FDP hat auf Twitter einen Beitrag zum Down-Syndrom gepostet, der heftige Diskussionen ausgelöst hat. Mittlerweile hat sich die Partei entschuldigt. Die CSU ist aber auch für eine Kostenübernahme.

Update vom 9. April 2019:

In der Diskussion um die umstrittenen Bluttests zur Erkennung des Down-Syndroms bei Ungeborenen befürwortet der CSU-Gesundheitsexperte Stephan Pilsinger eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Für Frauen ab 35 Jahren sollten die Kassen "die weniger riskanten Bluttests bezahlen", sagte Pilsinger der "Augsburger Allgemeinen" von Dienstag.

Die Tests dürften aber keine Standarduntersuchung werden. Es dürfe in Zukunft "nicht dazu kommen, dass das gesamte Genom von Ungeborenen auf Krankheiten untersucht wird", sagte der CSU-Politiker. "Ich will nicht, dass wir in Deutschland in Richtung designtes Leben und eine eugenische Gesellschaft gehen.".

Am Donnerstag will der Bundestag eine Grundsatzdebatte über die Trisomie-Schnelltests führen. Unter Politikern und Ethikexperten ist der vorgeburtliche Bluttest umstritten, da sich viele Eltern nach einem positiven Ergebnis für eine Abtreibung entscheiden.

Derzeit laufen die Beratungen und das Anhörungsverfahren im Gemeinsamen Bundesausschuss, ob und gegebenenfalls unter welchen Rahmenbedingungen dieser Test in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen werden soll. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich bereits dafür ausgesprochen, die Bluttests zur Kassenleistung zu machen. Die CSU-Landesgruppe will Pilsinger zufolge ihren Abgeordneten im Bundestag keine Vorgaben machen.

„Schlicht menschenverachtend“: FDP-Post mit Down-Syndrom-Kind heftig kritisiert

Berlin - Die FDP hat auf Twitter einen Beitrag gepostet, der heftige Diskussionen ausgelöst hat. Darin geht es um die Tests auf Trisomie 21, die bei Schwangeren durchgeführt werden, um festzustellen, ob das ungeborene Kind an Down-Syndrom leidet.

FDP: Aufruf, dass Trisomie-21-Tests Kassenleistung sein sollten

Die Fraktion der Freien Demokraten postete den Aufruf, dass die Trisomie 21-Tests allen Frauen zur Verfügung stehen sollten: „Wir fordern, das die Tests zur Kassenleistung werden. Jede Schwangere muss selbst & diskriminierungsfrei darüber entscheiden können, ob & welche Untersuchungen sie durchführen lässt & wie sie mit dem Ergebnis umgeht.“ Der Text steht über einem Bild, das eine Mutter zeigt, die ein Kind mit Down-Syndrom in den Armen hält. Im Bild nochmal der Spruch: „Trisomie-21-Test muss Kassenleistung werden!“ Der Tweet wurde mittlerweile gelöscht, ist jedoch in den Re-Posts noch sichtbar.

Vor allem die Wahl des Bildes stößt auf heftige Kritik. Die CDU-Ministern Julia Klöckner reagiert auf Twitter geschockt auf den Post: „Ich kann gar nicht glauben, dass dieser FDP-Post echt sein soll! Mit diesem Kind im Bild zu verdeutlichen, bei einem Trisomie-21-Test wäre es vielleicht nicht auf der Welt, wenn der Test Kassenleistung wäre...“, schreibt sie. 

Politiker äußern sich kritisch zu dem Trisomie-21-Post der FDP

Auch andere Politiker sind ihrer Meinung. Gegenüber bild.de sagte der Linken-Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch, dass Pränataldiagnostik, also die Untersuchung vor der Geburt, um schwere Krankheiten zu erkennen, nicht vom Geldbeutel abhängen dürfe. Aber: „Das Thema erfordert einen sensibleren Umgang.“ Das Nachrichtenportal zitiert auch die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckert: „Menschen mit Behinderungen gehören dazu. Menschen sind nicht behindert, sie werden meist häufig behindert. Es kommt darauf an, dass wir uns als Gesellschaft klar sind, dass niemand perfekt ist, und das macht uns als Menschen aus“, sagte diese. 

Video: Alles erreichen - auch mit Down-Syndrom

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Marcus Weinberg: „Dieser Tweet der FDP ist schlicht menschenverachtend“

Und auch der familienpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Marcus Weinberg äußerte sich gegenüber bild.de zu dem Fall: „Jedes Leben ist ein Geschenk. Niemand darf aussortiert werden aufgrund einer Erkrankung oder anderer Kriterien. Dieser Tweet der FDP ist schlicht menschenverachtend. Er erhöht den gesellschaftlichen Druck auf werdende Eltern, nur noch gesunde, möglichst perfekte Kinder auf die Welt zu bringen. Freude, Glück und Menschenwürde kennen keine Behinderung. Die Bilder und Tweets der großartigen Fotografin Jenny Klestil sollte sich die FDP stattdessen mal anschauen.“

FDP entschuldigt sich und löscht Trisomie-21-Posting

Die FDP reagiert auf die heftige Kritik und löscht das Posting. Stattdessen postet die Partei eine Entschuldigung auf Twitter: „Unser Posting zu #Trisomie21 war missverständlich - das tut uns sehr leid.“ Die Perspektive eines Kindes mit Trisomie 21 sei für sie nichts Negatives. Der Post sei gelöscht worden, weil er einen Fehleindruck erwecke.

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AFP

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