Gelöbnis am Gedenktag für Attentat auf Hitler‎

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Der ehemalige Wehrmachtsoffizier Ewald-Heinrich von Kleist (M), Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker (l), schreiten am Dienstag vor dem Reichstag in Berlin die Front der angetretenen Rekruten ab.

Berlin - Am 66. Jahrestag des Attentats auf Nazi-Diktator Adolf Hitler hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg beim Gelöbnis von rund 420 Soldaten vor dem Reichstag an die Zivilcourage der Widerstandskämpfer erinnert.

“Die Bundeswehr bekennt sich zur Tradition des Widerstands gegen Hitler“, sagte der CSU-Politiker am Dienstagabend in Berlin. Diese Tradition gebe Orientierung in der von den Einsätzen geprägten Gegenwart. Der Widerstandskämpfer Ewald-Heinrich von Kleist betonte, die Verschwörer hätten das “entsetzliche Töten“ beenden wollen. Guttenberg sagte, dass es heute bei der Bundeswehr das Leitbild des Staatbürgers in Uniform gebe, gehöre zum Erbe der Widerstandskämpfer vom 20. Juli 1944.

“Mit dem heutigen Gelöbnis ehren wir die Männer und Frauen, die in einer der dunkelsten Stunde unser Geschichte aufstanden, Werte, unsere Werte, zu verteidigen.“ Der Minister dankte Gastredner von Kleist, der als Mitverschwörer Stauffenbergs ein Vorbild für die Soldaten sei.

Feierliches Gelöbnis vor dem Reichstag

Feierliches Gelöbnis vor dem Reichstag

Von Kleist erinnerte an ein “Regime, das seine Mordlust offen auslebte“. Die einzigen, die für den Widerstand infrage gekommen seien, seien die Militärs gewesen. “Diejenige, die nie in einer Diktatur gelebt haben, immer in Freiheit waren, können nicht ermessen, wie kompliziert und schwierig es war“, sagte von Kleist. Er trat dem Vorwurf entgegen, die Gruppe um Stauffenberg habe aus Opportunismus gehandelt. “Man stirbt nicht aus Opportunismus“, sagte er.

Die Rekruten gelobten, “der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des Deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“. Zuvor hatte die Bundesregierung im Bendlerblock sowie in der Gedenkstätte Plötzensee mit einer Kranzniederlegung der Widerstandskämpfer um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg gedacht.

Die Rekrutenvereidigung fand zum dritten Mal vor dem Reichstag statt. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist. Zum Gelöbnis waren rund 2.800 Gäste eingeladen: Familie, Freunde und Bekannte der Soldaten sowie Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Gegen das Gelöbnis protestierten nach Angaben der Polizei in diesem Jahr keine Friedensaktivisten und Kriegsdienstgegner.

Wowereit erinnert an Bedeutung Berlins

Der Verteidigungsminister hatte zuvor im Berliner Bendlerblock, der Gedenkstätte des Widerstands, mit Blick auf die Verschwörer gesagt, jeder Tag im Dienst sei für ihn persönlich “von dieser Kraft jener Männer mit gezeichnet“. Guttenbergs Urgroßonkel war 1945 als Widerstandskämpfer von den Nazis ermordet worden. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit erinnerte an die Bedeutung der Stadt für den Widerstand. Berlin sei zwar die “Schaltzentrale des Terrors“ gewesen, habe aber auch als “Hauptstadt des Widerstandes“ besondere Bedeutung gehabt.

Der US-amerikanische Historiker mit deutsch-jüdischen Wurzeln, Fritz Stern, sprach von “Demut und Dankbarkeit“ gegenüber den “Patrioten“. Es bleibe jedoch schmerzlich, dass so viele Menschen das Unrecht schweigend akzeptiert hätten. Von Kleist war ein Mitverschwörer Stauffenbergs. Schon Anfang 1944 hatte er sich bereiterklärt, Hitler mit einem Selbstmordattentat zu töten. Nach dem gescheiterten Putsch vom 20. Juli überstand er durch großes Glück die Verhöre der Gestapo und das KZ. 1962 initiierte er die jährliche Wehrkundetagung, heute bekannt als “Münchner Sicherheitskonferenz“. Von Kleist ist heute der letzte noch lebende Verschwörer. Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Mitstreiter hatten 1944 versucht, Hitler mit einer Bombe zu töten. Nach dem gescheiterten Attentat wurden sie im Hof des Bendlerblocks, in dem sich das Oberkommando des Heeres befand, in der Nacht zum 21. Juli standrechtlich erschossen.

Von Fabian Löhe

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