Flüchtlings-Welle aus Libyen flutet Grenzübergänge

Genf - Zehntausende Menschen auf der Flucht vor den Unruhen in Libyen haben am Mittwoch die Grenzübergänge überrannt. Die Zahl der Flüchtlinge hat nach UN-Angaben mittlerweile die Marke von 180.000 überschritten.

Allein 77.320 Menschen hätten die Grenze von Libyen nach Ägypten überschritten, sagte die Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks, Melissa Fleming, der Nachrichtenagentur AP in Genf. Etwa dieselbe Zahl Menschen sei nach Tunesien geflüchtet, 30.000 weitere warteten an der Grenze.

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“Viele, viele verängstigte Flüchtlinge“, zumeist Ägypter und Tunesier, harrten in der Hauptstadt Tripolis aus, sagte Fleming. Sie hätten Angst, im Fall einer Flucht von Truppen des Machthabers Muammar al Gaddafi ins Visier genommen zu werden. Der mache sie als Anstifter für die Aufstände verantwortlich, nachdem Proteste in Tunesien und Ägypten die dortigen Machthaber vertrieben haben.

Unterdessen laufen die Hilfsbemühungen an. Die US-Botschafterin in Genf, Betty King, versprach US-Hilfe in Höhe von 12 Millionen Dollar (8,7 Millionen Euro) für die Evakuierung der Flüchtlinge. Die UN stellten fünf Millionen Dollar aus ihrem Nothilfetopf für Hilfsmaßnahmen bereit.

Spaniens Ministerpräsident Jose Luis Zapatero sagte während eines Tunesienbesuchs am Mittwoch, sein Land habe 30 Tonnen an humanitärer Hilfe an die tunesisch-libysche Grenze entsandt und ein zweites Flugzeug stehe bereit. 

80 Tonnen energiereiche Kekse als Soforthilfe

Abeer Etefa, Sprecherin des Welternährungsprogramms, sagte, ihre Organisation habe Hilfsmaßnahmen im Umfang von 38,7 Millionen Dollar auf den Weg gebracht, um hungernden Menschen in Libyen, Tunesien und Ägypten über die kommenden drei Monate hinweg zu helfen. Die erste Lieferung von insgesamt 80 Tonnen energiereicher Kekse sei bereits am Montag eingetroffen. Außerdem seien Weizen- und Mehllieferungen auf dem Weg nach Tunesien und Bengasi.

Die Organisation der Islamischen Konferenz, der 57 Staaten angehören, kündigte den Aufbau von zwei Feldlazaretten an, die bei der medizinischen Versorgung der Flüchtlinge helfen sollen.

Unterdessen begannen andere Nationen mit dem Abtransport der Flüchtlinge aus den Auffanggebieten an der Grenze. Der britische Premierminister David Cameron gab bekannt, dass Großbritannien am Mittwoch mit der Einrichtung einer Luftbrücke begonnen habe, mit der bis zu 8.800 Flüchtlinge von der tunesischen Insel Djerba nach Kairo geflogen werden sollen.

Die ägyptischen Streitkräfte entsandten zwei Schiffe nach Tunesien, um dort gestrandete Landsleute abzuholen. Der ägyptische Botschafter Mohamed Abdel Hakam sagte, mehr als 103.000 Ägypter seien seit Beginn der Unruhen per Flugzeug oder über Land nach Ägypten zurückgekehrt. Außerdem hätten 20.000 Ausländer in Ägypten Zuflucht gesucht. Auch Frankreich kündigte Hilfe an. Flugzeuge und ein Schiff der französischen Marine sollen mindestens 5.000 ägyptische Flüchtlinge in ihre Heimat bringen. (

dapd

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