Neue Regeln

Frührentner dürfen 2013 mehr dazuverdienen

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Jeder neue Rentnerjahrgang muss jetzt seine persönliche Altersgrenze beachten, wenn er unbegrenzt dazuverdienen will.

Berlin - Immer mehr der fast 21 Millionen Rentner in Deutschland haben einen Nebenjob. Für sie gibt es gute Nachrichten: Frührentner dürfen ab kommendem Jahr mehr dazuverdienen

Die einen arbeiten zusätzlich, weil die Rente nicht reicht. Die anderen, weil sie gern noch in Teilzeit weiterarbeiten wollen. Was viele freuen wird: Ab 2013 dürfen Frührentner mehr dazuverdienen, und zwar bis 450 statt bisher 400 Euro im Monat. Alle Senioren, die ein Zubrot anstreben, sollten sich vorher schlau machen, rät Andreas Feuser von der Deutschen Rentenversicherung in Berlin. Denn auch die Regelaltersgrenze von 65 Jahren ist seit diesem Jahr vom Tisch. Jeder neue Rentnerjahrgang muss jetzt seine persönliche Altersgrenze beachten, wenn er unbegrenzt dazuverdienen will.

Senioren, die ihr Konto mit einem Extra-Verdienst aufbessern wollen, sollten die neuen Spielregeln kennen - vor allem die, die vorzeitig in Rente gehen. Sonst riskieren sie womöglich eine Kürzung ihrer gesetzlichen Rente. Bisher konnten nur Ruheständler ab 65 dazuverdienen, so viel sie wollen. Das ist komplizierter geworden.

Die Eckpunkte des SPD-Rentenkonzepts

Zur Bekämpfung von Altersarmut setzt die SPD auf ein breit angelegtes Konzept. Dazu gehören die Mindestrente, eine Teilrente und der Ausbau der betriebliche Altersvorsorge. Die Kernpunkte im Überblick:  © dpa
SOLIDARRENTE: Sie soll nach 30 Beitragsjahren auch nach längerer Arbeitslosigkeit oder Tätigkeit in einem Billigjob einen Mindestanspruch von 850 Euro im Monat garantieren. Für alle, die trotz 30 Beitrags- und 40 Versicherungsjahren nicht auf diesen Betrag kommen, soll im Sozialrecht eine zweite Stufe der Grundsicherung eingeführt werden.  © dpa
RENTENZUGANG (gegenüber erstem Entwurf neu): Wer 45 Versicherungsjahre - nicht Beitragsjahre - aufweist, soll auch schon vor dem 65. Lebensjahr ohne Einbußen in Rente gehen können. Bislang erhalten Beschäftigte nur dann die volle Rente, wenn sie 45 Jahre in die Versicherung eingezahlt haben und 65 Jahre alt sind.  © dpa
ERWERBSMINDERUNGSRENTE: Bezieher sollen keine Abschläge mehr hinnehmen. Bislang wird der Betroffene dabei so gestellt, als habe er bis zum 60. Lebensjahr weiter Beiträge zur Rente gezahlt. Die Zeit zwischen Eintritt der Erwerbsminderung und dem 60. Lebensjahr wird „Zurechnungszeit“ genannt. Diese Zeit will die SPD in einem Schritt bis zum 62. Lebensjahr verlängern. Zudem soll die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren für den Eintritt in die Erwerbsminderung besser bewertet werden.  © dpa
TEILRENTE: Beschäftigte in körperlich und psychisch belastenden Berufen (etwa Schichtarbeiter) sollen ab dem 60. Lebensjahr auf das neue Modell zurückgreifen können. In Zehn-Prozent-Schritten kann danach die Arbeit bis zu 70 Prozent reduziert werden.  © dpa
KINDERERZIEHUNGSZEITEN: Ihre Anerkennung will die SPD für alle Neurentner vereinheitlichen. Bislang sind Frauen, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, bei der Rentenberechnung schlechter gestellt.  © dpa
SOLO-SELBSTSTÄNDIGE: Für Freiberufler, die ohne Rentenvorsorge sind und deshalb häufig in Altersarmut landen, soll es ein eigenes Beitragssystem geben. In den ersten Jahren nach Gründung eines Unternehmens könnte für sie Beitragsfreiheit gelten.  © dpa
BETRIEBLICHE ALTERSVERSORGUNG: Sie soll als Ausgleich für die Absenkung des Rentenniveaus - von jetzt gut 50 auf 43 Prozent bis 2030 - massiv ausgebaut werden. Als „zweite Stufe“ neben der Rentenversicherung soll sie weitgehend die Riester-Rente ersetzen. Geplant ist eine „Betriebsrente Plus“, in der jeder Arbeitnehmer, falls er nicht ausdrücklich widerspricht, zwei Prozent seines Bruttolohns einzahlt. Der Staat soll diesen Sockelbetrag mit 400 Euro im Jahr fördern. Auch die Unternehmen sollen sich beteiligen.  © dpa
FINANZIERUNG: Die Mehrkosten für die Betriebsrenten gegenüber heutigen Fördermodellen werden auf sechs Milliarden Euro im Jahr geschätzt. Sie sollten nach SPD-Ansicht aus Steuermitteln aufgebracht werden. Für die Solidarrente werden jährlich ansteigend etwa eine Milliarde veranschlagt, für die Kindererziehungszeiten 150 Millionen im Jahr. Beides soll durch Haushaltsmittel finanziert werden.  © dpa
Teuer käme auch die Ausweitung der Erwerbsminderungsrente. Die Kosten dafür stiegen nach SPD-Berechnungen von 500 Millionen 2014 auf 7,7 Milliarden 2030. Finanziert werden soll dies aus den Beiträgen der Versicherten.  © dpa
BEITRÄGE: Ihren Anstieg will die SPD in kleinen Schritten verstetigen. Die Sätze sollen von 2014 bis 2029 um durchschnittlich 0,4 Prozent höher steigen als bislang geplant. Damit würde aber das von der Rentenversicherung angepeilte Beitragsniveau von 22 Prozent bis 2029 nicht übersprungen.  © dpa

Seit Jahresanfang gilt: Die Renten-Altersgrenze steigt für die Jahrgänge 1947 bis 1964 in Tippelschritten von 65 auf 67 Jahre. 1949 Geborene können beispielsweise mit 65 Jahren und drei Monaten ohne Abzüge in Rente gehen. Der Jahrgang 1960 darf das erst mit 66 Jahren und vier Monaten tun. Wer 1964 oder später geboren ist, erst mit vollen 67 Jahren.

Jeder Bürger hat also jetzt seine persönliche Renten-Altersgrenze, die er kennen sollte. Erst wenn sie erreicht ist, kann der Ruheständler unbegrenzt im Nebenjob dazuverdienen - ob mit Mini-Job oder sozialversicherungspflichtigem Einkommen -, ohne dass der Extra-Verdienst die Höhe der eigenen Rente schmälert. Das gilt selbst für Bürger, die 45 Jahre lang Pflichtbeiträge gezahlt haben und eigentlich ausnahmsweise mit 65 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen dürfen, wie Rentenexperte Feuser betont.

Kein Euro mehr als erlaubt

Richtig aufpassen müssen aber in erster Linie die Frührentner. Sie können im nächsten Jahr zwar monatlich 50 Euro mehr dazuverdienen. Bei der Höchstgrenze von 450 Euro brutto im Nebenjob ist jedoch Schluss. Jeder Euro darüber wirkt sich „rentenschädlich“ aus, wie es im Amtsdeutsch heißt. Wer beispielsweise nur 30 Euro mehr verdient als erlaubt, muss eine pauschale Kürzung in Kauf nehmen, mindestens um ein Drittel. Die Vollrente wird dann nur noch als Teilrente ausgezahlt.

Aus einem Rentenbetrag von 1.200 Euro kann so schnell nur noch eine Zwei-Drittel-Rente von 800 Euro werden. Oder eine halbe Rente oder ein Ein-Drittel-Betrag, je nach Zusatzverdienst. Bei einem besonders lukrativen Nebenverdienst kann die Rente schlimmstenfalls ganz gestrichen werden.

Wichtig: Zweimal im Jahr darf der Nebenverdienst überschritten werden, maximal gedoppelt bis zu jeweils 900 Euro. Damit können Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld abgedeckt werden. Wer die Grenze einhält, muss keine Rentenabzüge befürchten.

Wer einen Nebenjob an Land zieht, der regelmäßig mehr einbringt als die neuen Zuverdienst-Grenzen, sollte sich von der Rentenversicherung ausrechnen lassen, ob das Einhalten der Höchstgrenze unterm Strich nicht doch günstiger käme, empfiehlt Rentenexperte Feuser. Bei einer Teilrente müssen die Hinzuverdienstgrenzen immer individuell berechnet werden.

Limit im Rentenbescheid

Auch Frührentner, die aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf aufgeben mussten und eine Erwerbsminderungsrente bekommen, dürfen dazuverdienen. Bei voller Erwerbsminderung darf das Zubrot allerdings auch nicht über 450 Euro liegen.

Bei teilweiser Minderung gibt es persönliche Limits. Sie sind im Rentenbescheid ausgewiesen. Wird eine individuelle Höchstgrenze überschritten, kann die Rente bis auf ein Viertel des Vollbetrags gekürzt werden. Schlimmstenfalls wird sie komplett gestrichen. Denn dann bewies der Rentner, dass er doch noch arbeiten kann.

Die Regelungen sind in diesem Bereich recht komplex. Wer eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bekommt, kann beispielsweise in der Regel nur noch weniger als sechs, aber mindestens drei Stunden täglich arbeiten. Betroffene sollten sich am besten bis auf den Cent vorrechnen lassen, wie viel sie dazuverdienen dürfen, raten die Experten der Deutschen Rentenversicherung.

Unter der kostenlosen Hotline 0800 - 1000 4800 bietet die Deutsche Rentenversicherung telefonischen Rat. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.deutsche-rentenversicherung.de inklusive Adressen der bundesweit ehrenamtlich tätigen Versichertenberater.

dapd

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