Pädophilie-Debatte

Gabriel und Steinbrück verteidigen Trittin

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Sigmar Gabriel und Peer Steinbrück nehmen den Grünen-Politiker Jürgen Trittin in der Pädophilie-Debatte in Schutz.

Berlin - Der SPD-Vorsitzende Gabriel und Kanzlerkandidat Steinbrück haben den Grünen-Politiker Jürgen Trittin in der Pädophilie-Debatte verteidigt. Trittin erneuerte seine Entschuldigung.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück haben den Grünen-Spitzenkandidaten Jürgen Trittin in der Pädophilie-Debatte in Schutz genommen. „Ich habe großen Respekt davor, wie die Grünen jetzt mit ihrer eigenen Vergangenheit umgehen“, sagte Gabriel am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Nichts wird beschönigt, alles kommt auf den Tisch.“ Union und FDP könnten aber offenbar nicht der Versuchung widerstehen, dieses Thema zum Teil ihres Bundestagswahlkampfes zu machen. „Das ist unanständig gegenüber allen, die unter Kindesmissbrauch gelitten haben und leiden“, meinte Gabriel.

Auch Steinbrück verteidigte den Grünen-Politiker am Montagabend auf einer Wahlkampfveranstaltung in Emden. Trittin habe völlig angemessen zu den Vorwürfen Stellung genommen, sagte der SPD-Kanzlerkandidat.

Jürgen Trittin hat sich erneut für den Umgang mit Pädophilie in den Anfangsjahren seiner Partei entschuldigt. „Wir Grünen, mich eingeschlossen mit der Verantwortung, haben in den frühen 80er Jahren eine Position vertreten zur Pädophilie, die muss allen Missbrauchsopfern als Hohn erscheinen. Und das ist ein Fehler gewesen“, sagte Trittin am Dienstag in Augsburg bei der Abschlusskundgebung der bayerischen Grünen zur Bundestagswahl.

Die Grünen seien dann aber die ersten im Bundestag gewesen, die die Frage nach sexuellem Missbrauch in der Gesellschaft aufgeworfen hätten. „Und als Ausfluss dieser Debatte haben wir diese Position 1989 korrigiert“, sagte Trittin. Seitdem sei völlig klar, dass jede Form von sexuellem Umgang mit Kindern Missbrauch sei. „Wir wissen auch, dass wir dafür zu lange gebraucht haben“, räumte er ein.

Die zentralen Positionen des Grünen-Wahlprogramms

Die zentralen Positionen des Grünen-Wahlprogramms

Die Grünen haben in Berlin ihr Wahlprogramm beschlossen - das sind die zentralen Forderungen: © dpa
HAUSHALT/STEUERN: auf zehn Jahre befristete Vermögensabgabe, die Reiche mit 1,5 Prozent belastet - erhoffter Ertrag: 100 Milliarden Euro; nachfolgend eine Vermögensteuer; Anhebung des Spitzensteuersatzes von 42 auf 49 Prozent ab einem Bruttoeinkommen von 80 000 Euro - Grundfreibetrag von 8700 Euro (statt 8130 Euro); Verdoppelung des Erbschaftssteueraufkommens auf 8,6 Milliarden; Abschmelzen des Ehegattensplittings; Aus für Abgeltungssteuer, progressive Steuer auf Kapitaleinkünfte © dpa
ARBEIT: allgemeiner Mindestlohn von 8,50 Euro oder mehr; gleiche Bezahlung von Leiharbeitern und Stammbelegschaft © picture-alliance/ dpa
VERKEHR: Tempo 80 auf Landstraßen, Tempo 120 auf Autobahnen, Steigerung des Radverkehr-Anteils bis 2020 auf mehr als 20 Prozent © dpa
FAMILIE UND FRAUEN: Abschaffung des Betreuungsgeldes; gesetzliche Quote für Aufsichtsräte und Vorstände © picture alliance / dpa
SOZIALES UND GESUNDHEIT: Anhebung des Hartz-IV-Satzes für Langzeitarbeitslose auf 420 Euro; Bürgerversicherung für alle mit Beiträgen etwa auch auf Mieten © AP-mzv-mm
UMWELT UND AGRAR: zehn Prozent der öffentlichen Wälder als Schutzgebiete; Subventionierung von Massentierhaltung abschaffen © picture alliance / dpa
WIRTSCHAFT: Schuldenbremse für Banken; Begrenzung der Boni für Unternehmensbosse © dpa
BILDUNG: Jährlich eine Milliarde Euro mehr für Hochschulen und Erwachsenen-Bafög für 200 Millionen Euro. © dpa
ENERGIE: Ausstieg aus der Kohleenergie bis 2030; Stromversorgung nur aus erneuerbaren Energien bis 2030 © dpa
VERBRAUCHER UND NETZPOLITIK: Schutz gegen überhöhte Dispozinsen und Recht auf eigenes Girokonto; freies Internet für alle - finanziert über einen Unternehmensfonds © picture alliance / dpa
AUSSENPOLITIK: Begrenzung der Rüstungsexporte per Gesetz © dpa
DEMOKRATIE: Abschaffung von V-Leuten beim Verfassungsschutz; Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre © dpa

Wie erst am Montag bekanntwurde, war Trittin 1981 presserechtlich für ein Kommunalwahlprogramm verantwortlich, das Straffreiheit für gewaltfreie sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern forderte.

Grünen-Bundeschefin Claudia Roth warf mehreren Unions-Politikern in der Pädophilie-Debatte Scheinheiligkeit vor. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt diskriminiere offen Schwule und Lesben und hetze gegen Flüchtlinge, meinte Roth. Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, Gerda Hasselfeldt, habe zusammen mit Unionsfraktionschef Volker Kauder und dem heutigen CSU-Chef Horst Seehofer 1997 im Bundestag gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe gestimmt. „Von all denen müssen wir Grüne uns nicht sagen lassen, was Moral ist und was verantwortungsvolles Handeln ist“, sagte Roth bei der Kundgebung in ihren Heimat-Wahlkreis.

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dpa/mm

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