Geflohener Dissident verlässt US-Botschaft

Peking - Der Fall des in die US-Botschaft geflohenen chinesischen Dissidenten Chen Guangcheng scheint vorerst gelöst: Der 40-jährige blinde Aktivist verließ das diplomatische Gelände

Dies teilte die in Peking weilende US-Außenministerin Hillary Clinton nach offiziellen chinesischen Sicherheitszusagen mit. Chen werde eine Universitätsausbildung in einer sicheren Umgebung absolvieren. Die Erfüllung dieser Zusagen zu gewährleisten sei eine wichtige Aufgabe, fügte Clinton hinzu.

Die Flucht Chens aus 20-monatigen Hausarrest in die US-Botschaft hatte vor sechs Tagen für diplomatische Verwicklungen im amerikanisch-chinesischen Verhältnis gesorgt. Vom (morgigen) Donnerstag an wollen Clinton und US-Finanzminister Timothy Geithner zwei Tage lang über das massive Handelsungleichgewicht, Nordkorea und Syrien mit der chinesischen Führung sprechen.

Das chinesische Außenministerium kritisierte den amerikanischen Schutz für Chen als “eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas, die wir niemals akzeptieren werden“, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua Außenamtssprecher Liu Weimin. Er forderte eine Entschuldigung von Seiten der USA und Ermittlungen.

Aus diplomatischen US-Kreisen verlautete dazu: “Das war ein außerordentlicher Fall mit außerordentlichen Umständen. Wir erwarten nicht, dass sich das wiederholt.“

In einem Video hatte Chen Sicherheit für seine Familie gefordert

Chen hatte in einem Dorf nach vier Jahren Gefängnis 20 Monate zusammen mit seiner Frau, Tochter und Mutter unter Hausarrest verbracht. Er hatte Probleme mit den örtlichen Behörden bekommen, weil er Zwangsabtreibungen öffentlich gemacht hatte.

US-Botschafter Gary Locke begleitete am Mittwoch Chen in das Krankenhaus Chaoyang. Auf dem Weg dorthin rief Chen seinen Anwalt Li Jinsong an und teilte ihm mit: “Ich bin frei. Ich habe klare Zusagen erhalten.“

In einem Video hatte Chen in der vergangenen Woche Garantien für die Sicherheit seiner Familie gefordert. Er bevorzuge es, in China zu bleiben und seine Rechtsberatung fortzusetzen, solange seine Familie sicher sei.

Chens Flucht war von beiden Regierungen zunächst nicht offiziell kommentiert worden. Sie dürfte die schwierigste diplomatische Krise seit Jahren zwischen Peking und Washington ausgelöst haben.

dapd

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